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13.05.2011

16:31 Uhr

Die Grünen

Kretschmann entfacht Diskussion um Kanzlerkandidaten

Gerade einen Tag ist Winfried Kretschmann als Ministerpräsident von Baden-Württemberg im Amt, schon muss er die Frage nach einem grünen Kanzlerkandidaten beantworten. Joschka Fischer - ist sein Vorschlag.

Kaum als Ministerpräsident im Amt, stellt Winfried Kretschmann die Frage nach dem Kanzlerkandidaten. Quelle: dapd

Kaum als Ministerpräsident im Amt, stellt Winfried Kretschmann die Frage nach dem Kanzlerkandidaten.

BerlinDer erste grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann war noch keine 24 Stunden im Amt, da sprach er schon vom Grünen-Bewerber für das Kanzleramt. Ex-Außenminister Joschka Fischer wäre ein attraktiver Kandidat, verriet er Donnerstagabend nur wenige Stunden nach dem bislang größten Triumpf seiner Partei. "Ich könnte mir vorstellen, dass ich ihn anrufe", sagte der neue Regierungschef Baden-Württembergs. Aber ob die Grünen Fischer um die Kandidatur bitten würden, "da warten wir bitte ein bisschen ab".

Nichts scheint mehr unmöglich für die einstige Protestpartei. Auch bei der Bürgerschaftswahl in Bremen kommende Woche wird sie wohl ihren Höhenflug fortsetzen. In dem traditionell sozialdemokratisch geprägten Stadtstaat wird sie die SPD den Umfragen zufolge zwar nicht wie in Baden-Württemberg überholen. Aber die prognostizierten 24 Prozent reichen, um erstmals die CDU an der Weser zu überholen. Auch in bundesweiten Umfragen legen die Grünen stetig zu. "Wir sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen", bilanzierte Kretschmann im ZDF.

"Wenn eine Partei konstant gute Umfrageergebnisse einfährt, dann macht es Sinn, mit einer Person zu werben", sagt Parteienforscher Gero Neugebauer. Das wissen auch die Grünen, die zwar offiziell jede Frage nach einem Kanzlerkandidaten weit von sich weisen, intern aber schon überlegen, wie sie sich für die Bundestagswahl 2013 aufstellen. Vielen ist klar: Bleibt das hohe Niveau der Umfragewerte erhalten, kommen die Grünen erstmals um einen Kanzlerkandidaten kaum herum.

Ginge es nach Popularität, wäre Fischer erste Wahl. In Umfragen wird ihm am ehesten zugetraut, das Zeug zum Kanzler zu haben. Als Außenminister war er sehr beliebt, seine Durchsetzungsfähigkeit stellte er unter Beweis, als er den pazifistisch ausgerichteten Grünen die Zustimmung zum Kosovo-Krieg abrang. Allerdings löst der 63-Jährige nicht bei jedem Grünen eitel Freude aus, unvergessen sind die rüden Auftritte des politischen Alpha-Tiers.

Zu befürchten wären zudem neue Rivalitäten. Die jetzigen Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Renate Künast und Jürgen Trittin, würden Fischer kaum ohne weiteres akzeptieren. Da Fischer sich 2005 aus dem aktiven politischen Parteigeschäft verabschiedet hat, fehlt ihm auch die eigentlich notwendige enge Bindung an die einzelnen Partei-Gremien und -Zirkel. "Ich glaube nicht, dass er es machen wird", meinte denn auch Kretschmann.

Infrage kämen auch Künast und Trittin. In der Tat geben sich die beiden früheren Bundesminister schon seit Monaten betont staatstragend. Trittin im feinen Zwirn und mit wohlgesetzten Argumenten in Bundestagsdebatten erfüllt schon rein formell Voraussetzungen für höhere Ämter. Künast schickt sich an, im September in Berlin den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) abzulösen und damit ihre Regierungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Beide stehen jedoch jeweils für einen Flügel der Partei und gelten nicht als Integrationsfiguren für den Zusammenhalt von Realos und linkem Flügel. Bleiben als Alternativen die Parteivorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir. Aber Roth werden für den Job kaum Chancen zugerechnet. Özdemir, der als Migrantenkind und recht junger Politiker einen echten Aufbruch darstellen würde, hat zu wenig Rückhalt in der Partei.

Sucht man weiter nach grünen Spitzenpolitikern, kommt man an Kretschmann kaum vorbei. Der könnte sich bis 2013 als erfolgreicher Regierungschef empfohlen haben. Außerdem wäre unter ihm ein Bündnis mit SPD oder Union denkbar.

Womöglich stellt sich die K-Frage für die Grünen aber doch nicht. "Im Augenblick ist es dafür noch viel zu früh", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. Die Grünen müssten erst einmal ihre hohen Werte bis Anfang 2013 halten. "Es passiert ja nicht jeden Tag ein neues Fukushima", sagt er mit Blick auf die japanische Atomkatastrophe, die den Grünen scharenweise Wähler zutrieb.

Von

rtr

Kommentare (14)

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Alfred_H

13.05.2011, 17:06 Uhr

Kein deutscher Politiker hat das Zeug zum Kanzler. Und ehrlich gesagt, wir brauchen keinen Kanzler mehr. Wir haben im Moment doch auch kein(e) KanzlerIn. Höchstens vom Titel her vielleicht. Ansonsten werden wir doch von der Eu regiert. Merkel ist doch nur noch der Vollzugsgehilfe der Banken und der EU. Aber der Witz mit dem steinewerfenden Joschka als Kanzler war trotzdem gut. Eigentlich reicht der Pförtner vom Kanzleramt für den Job. Der macht dann auch was ihm andere sagen. Und wenn er mal nicht weiter weiß, sagt er einfach nichts. Genau wie Merkel.

Nichtwaehler

13.05.2011, 17:21 Uhr

Haha. Die Grünen leiden unter Größenwahn. Bevor von den Spinnern einer Kanzler wird müssen sie aber erstmal ein AKW sabotieren. Außerdem hatten sie das Glück, dass Speckbacke Mappus sich zu sehr auf seine Arroganz verlassen und den Widerstand der Bürger gegen das Verpulvern von Steuergeldern für S21 unterschätzt hatte. Nur solche Punkte zur Wahlzeit bringen den Grünen Stimmen. Wenn die ersten Menschen wieder zu Verstand gekommen sind, weil sie ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können, dann wird Kernkraft nicht mehr verteufelt. E10 will auch keiner und die Grünen müssen da doch auch voll hinter stehen. Nachwachsender Kraftstoff ist doch das Schönste was es gibt. Wie wollen die Grünen es unter einen Hut bringen den Bossen in den Banken und in den Konzernen den Spaß an der Produktion in Deutschland nicht zu vermiesen und gleichzeitig die Unterhaltskosten der Firmen nicht zu verdoppeln? Klar, sie subventionieren den Strom bei den Firmen noch mehr und holen sich den Rest einfach noch mehr vom Privatverbraucher. Und dann sind die Grünen auch schnell wieder aus dem Geschäft. Außerdem werden die sowieso von den Wirtschaftsbossen und Bankstern wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. In Deutschland regieren doch nicht die Politiker, sondern die Bosse.

Schulte

13.05.2011, 17:23 Uhr

Die Qualität in der Politik läßt manchmal zu wünschen übrig. Aber im Vergleich zu einigen Foristen hier glänzt noch der letzte Hinterbänkler mit intellektueller Brillianz. Nicht wahr, Alfred?

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