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06.05.2013

07:41 Uhr

Die Hauptangeklagte

Eiskalt und zugleich besorgt um ihre Liebsten

Beate Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Ihr droht eine Verurteilung wegen zehnfachen Mordes. Ein Gerichtsgutachter hält sie offenbar für voll schuldfähig. Die 38-Jährige hüllt sich bislang in Schweigen.

Sie ist die Überlebende des Neonazi-Trios: Beate Zschäpe. ap

Sie ist die Überlebende des Neonazi-Trios: Beate Zschäpe.

MünchenIn Handschellen und Fußfesseln soll Beate Zschäpe heute vor Gericht erscheinen. Beamte eines Spezialeinsatzkommandos werden sie begleiten. Die 38-Jährige ist die Hauptangeklagte im Verfahren vor dem Münchner Oberlandesgericht. Angeklagt sind neben Zschäpe noch vier mutmaßliche Unterstützer und Gehilfen des rechtsextremen Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Zschäpe wirft die Bundesanwaltschaft eine Serie schwerster Verbrechen vor – bei einer Verurteilung gemäß der Anklage würde sie eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten.

Die zentralen Anklagepunkte gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin lauten auf Mittäterschaft bei zehn Morden, auf mehrfachen Mordversuch und besonders schwere Brandstiftung. Zwar führte Zschäpe demnach die Mordanschläge nicht selbst aus. Laut Bundesanwaltschaft verstand sich das NSU-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Zschäpe aber als „einheitliches Tötungskommando“. Sollte Zschäpe als Mittäterin bei der NSU-Mordserie verurteilt werden, wäre lebenslänglich das einzig mögliche Strafmaß – denn Mittäter werden wie Täter bestraft, und auf Mord steht zwingend lebenslange Haft.

Anders verhält es sich bei der Beihilfe zum Mord, die die Bundesanwaltschaft in dem Prozess dem früheren NPD-Politiker Ralf Wohlleben und dem ebenfalls angeklagten Carsten S. zur Last legt. Beide sollen dem Neonazi-Trio die Pistole für neun der zehn Morde, eine Ceska 83 mit Schalldämpfer, besorgt haben. Damit wären sie im rechtlichen Sinne Gehilfen des NSU. Die Strafe für Beihilfe zum Mord liegt zwischen drei und 15 Jahren.

Angeklagt ist überdies André E. wegen Beihilfe zu einem der beiden Sprengstoffanschläge des NSU in Köln sowie wegen Beihilfe zum Raub. Auch wegen Unterstützung der Terrorgruppe muss sich E. verantworten, ebenso wie der fünfte Angeklagte Holger G. Für Unterstützung einer terroristischen Vereinigung sieht das Gesetz Strafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren vor.

Nach Ansicht eines Gerichtsgutachters ist Beate Zschäpe voll schuldfähig. Zu diesem Schluss komme der Psychiater Henning Saß vom Universitätsklinikum Aachen in seinem Gutachten für das Oberlandesgericht München, berichtete jüngst die „Bild“. In der 71-seitigen Expertise sehe der Mediziner bei Zschäpe keine Anhaltspunkte für eine relevante psychische Störung. Offen lasse er, ob Zschäpe als so gefährlich einzustufen sei, dass eine Sicherungsverwahrung notwendig werde.

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