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28.01.2014

13:03 Uhr

Die Macht der Senioren

Senioren beeinflussen zunehmend den Wahlausgang

Union und SPD wurden wegen ihrer großzügigen Rentenpläne schon als „Koalition der Alten“ geschmäht. Eine neue Auswertung zur Bundestagswahl zeigt: Die Älteren haben in der Tat übergroße Bedeutung für den Wahlausgang.

Bestimmt die „Koalition der Alten” die Bundespolitik? dpa

Bestimmt die „Koalition der Alten” die Bundespolitik?

BerlinDie ältere Generation hat wachsenden Einfluss auf den Wahlausgang. Bei der Bundestagswahl 2013 stellten die über 60-Jährigen bereits gut ein Drittel der Wahlberechtigten. Außerdem fiel die Wahlbeteiligung dieser Altersgruppe überdurchschnittlich hoch aus, auch bei den über 70-Jährigen. Das ergab die repräsentative Wahlstatistik, die Bundeswahlleiter Roderich Egeler am Dienstag in Berlin vorstellte. Die Folgen des demografischen Wandels seien damit deutlich erkennbar, sagte er. CDU, CSU und SPD profitierten von der Entwicklung. Sie schnitten besonders stark bei den älteren Wählern ab. Die CDU war zwar in allen Altersgruppen die stärkste Partei. Ihr bestes Ergebnis erzielte sie aber bei den Wählern ab 70 Jahren.

Die Union hatte die Bundestagswahl im vergangenen September klar gewonnen. SPD und Grüne verfehlten den Regierungswechsel. Die bis dahin mitregierende FDP flog aus dem Parlament. Die nun veröffentlichte Wahlstatistik ist eine detaillierte Analyse des Wahlverhaltens - also der Wahlbeteiligung und Stimmabgabe - nach Alter und Geschlecht. Demnach machte die Generation der 30- bis 59-Jährigen bei der Bundestagswahl knapp die Hälfte der 61,9 Millionen Wahlberechtigten aus. Die Generation ab 60 Jahren stellte ein gutes Drittel und damit fast doppelt so viel wie die der unter 30-Jährigen.

Der wachsende Einfluss der älteren Generation verstärkt sich durch die tatsächliche Wahlbeteiligung. Seit langem zeigt sich, dass die Jüngeren nur unterdurchschnittlich häufig wählen gehen, die Älteren dagegen überdurchschnittlich oft. Die Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen beteiligte sich 2013 am aktivsten an der Bundestagswahl. Ein neuer Trend ist laut Egeler bei den über 70-Jährigen zu beobachten: Sie gingen früher im Vergleich eher seltener zur Wahl. Inzwischen liegt ihre Wahlbeteiligung über dem Durchschnitt.

Die Entwicklung kommt vor allem Union und SPD zugute. Die Wählerschaft dieser Parteien ist überdurchschnittlich alt. Bei der CDU waren fast 43 Prozent der Wähler 60 Jahre und älter, bei der CSU und der SPD waren es jeweils rund 40 Prozent.

Die schwarz-roten Pläne zur Mütterrente

Einen Rentenpunkt mehr

Mütter bekommen für Kinder, die vor 1992 geboren sind, einen Rentenpunkt mehr. Das erhöht im Westen die Rente um gut 28 Euro im Monat und im Osten um knapp 26 Euro. Mütter von später geborenen Kindern erhalten weiterhin drei Rentenpunkte.

Zum 1. Juli

Die Rentenversicherung will das zusätzliche Geld als Zuschlag zahlen. Andernfalls müsste sie 9,5 Millionen laufende Renten neu berechnen. Da die Umstellung Zeit kostet, werden viele erst im Oktober oder später mehr Geld auf dem Konto haben. Gezahlt wird aber rückwirkend vom 1. Juli an.

Kosten der Mütterrente

Auf ein Jahr bezogen kostet die höhere Mütterrente laut Entwurf 6,7 Milliarden Euro, für 2014 schlagen 3,3 Milliarden Euro zu Buche. Bis 2030 sinkt nach Annahmen des Arbeitsministeriums die jährliche Summe auf 6,1 Milliarden Euro.

Die CDU steht laut Statistik auch besonders bei Frauen hoch im Kurs. Die Partei gewann bei den Frauen deutlich mehr Stimmenanteile als bei den Männern. Einen ähnlichen Vorsprung in der Gunst der weiblichen Wähler verzeichneten ansonsten nur noch die Grünen.

Der Anteil der ungültigen Stimmen - etwa durch leere oder durchgestrichene Wahlzettel - blieb auf niedrigem Niveau: 1,5 Prozent bei den Erststimmen und 1,3 Prozent bei den Zweitstimmen. Der Anteil der Briefwähler erreichte mit 24,3 Prozent dagegen einen neuen Rekordwert - den höchsten Stand seit Einführung der Briefwahl 1957.

Von

dpa

Kommentare (8)

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opa39

28.01.2014, 14:26 Uhr

Ich war des öfteren Leiter eines Wahllokals. Meine Erfahrung ist: Eine niedrige Wahlbeteligung stärkt die Linken und Rechten, von einer hohen Walbeteiligung profitieren die großen Parteien.
Politisch muntere Senioren haben der GROKO indirekt zur Macht verholfen, ob sie es wollten oder nicht.


Account gelöscht!

28.01.2014, 14:32 Uhr

Die "Rentnerparteien" CDU und SPD.
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Die Generation 60+ sind die typischen Wähler von CDU und SPD. Sie lassen sich am leichtesten von ihnen verars....
Das sieht man schon bei dem neuen Rentenbeitrag. Er wurde nicht wie gesetzlich vorgeschrieben, auf 18,3% abgesenkt. Das entspricht einer realen Rentensenkung. 2013 wurden die Renten im Westen um sagenhafte 0,25% angehoben. Und wenn die Rentenkasse wieder einmal geplündert ist, wir der Beitrag - natürlich - auf 22 - 25% angehoben.
Und ab 2030 soll das Rentenniveau auf satte 43% abgesenkt werden.
Aber das verstehen die heutigen Rentner nicht mehr.
Sie glauben den Sprechblasen von CDU und SPD.
Dann haben sie es auch nicht besser verdient!

AndreasBartel

28.01.2014, 15:33 Uhr

@Pandora
Ich freue mich über Ihren konstruktiven Beitrag und darüber, dass ich endlich mal erfahre wie dumm ich mit 65 bin und was ich denn so verdient habe. Immer langsam mit der Arroganz; es gibt auch viele Ältere, die die Entwicklung der Rentenpolitik äußerst kritisch sehen. Aber muss ich bei den vielen politischen Themen die zu entscheiden sind eine gleichmacherische linke, eine nicht ernstzunehmende AFD oder ähnliches wählen? Sie haben da mit Sicherheit eine exzellente und unfehlbare Empfehlung, oder?
Viele Grüße
Andreas Bartel

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