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15.12.2015

14:48 Uhr

Die „neue“ CDU

Merkel tadelt Mitglieder ohne E-Mail-Adresse

Das Ringen um die Flüchtlingspolitik beherrscht den CDU-Parteitag. Dabei muss sich die Partei dringend noch mit so vielen anderen Dingen beschäftigen – zum Beispiel damit, dass nicht alle eine E-Mail-Adresse haben.

Diana Kinnert ist Mitglied der CDU-Parteireformkommission. Jung, weiblich, Migrationshintergrund – ein idealer Mix für die „neue“ CDU. dpa

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Diana Kinnert ist Mitglied der CDU-Parteireformkommission. Jung, weiblich, Migrationshintergrund – ein idealer Mix für die „neue“ CDU.

KarlsruheMeist steht sie breitbeinig und mit verschränkten Armen auf einem Podium oder sitzt leicht vorgebeugt auf einem Stuhl und diskutiert. Sie ist auf fast unheimliche Weise eloquent, spricht druckreif, schreibt bildschön und schön gebildet. Sie ist erst 24, seit sieben Jahren Parteimitglied und spätestens in den vergangenen zwölf Monaten zu einer Art Poster-Girl für die „moderne CDU“ geworden. „Ein komisches Gefühl“, sagt Diana Kinnert. „Ich mache nichts anders als all die Jahre zuvor auch schon.“ Parteiarbeit kennt sie bereits aus dem Effeff; der Parteitag am Montag und Dienstag in Karlsruhe ist ihr zweiter.

Gemeinsam mit Mitstreitern verkörpert die 24-Jährige eine neue Form von Volkspartei. Eine „Mitmachpartei“, sagt Kinnert, die maßgeblich am Reformpapier „Meine CDU 2017“ mitgearbeitet hat, das am Montagabend mit deutlicher Mehrheit angenommen worden war. „Hierarchiefrei, digital, themenspezifisch und projektorientiert.“ Frauenfreundlich, jung, offen und mit der Basis eng verzahnt.

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So soll es zumindest werden. So ist es noch: Ein Frauenanteil von lediglich 26 Prozent. Ein Altersdurchschnitt von 59 Jahren. Weniger als fünf Prozent der Mitglieder unter 25. Oft behäbige Strukturen auf Kreisebene, die altgedienten Parteigranden das Feld überlassen, während junge Mitglieder oft außen vor bleiben und die Partei nicht selten ein paar Monate nach Eintritt frustriert wieder verlassen.

Angeblich hat nur jedes dritte CDU-Mitglied eine E-Mail-Adresse – das findet auch Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel so bedenklich, dass sie es im Schlusswort zum Parteitag aufgreift: „Ich muss noch einmal was ganz Profanes sagen. Unser allergrößtes Problem ist, mit den normalen elektronischen Möglichkeiten unsere Mitglieder zu erreichen. Wir haben nicht von allen eine E-Mail-Adresse.“

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„Meine CDU 2017“, soll vieles ändern und eine neue Generation ins Parteiboot holen: „Die CDU wird ihr Online-Angebot und ihre Präsenz in allen wichtigen Sozialen Netzwerken weiter ausbauen. Klassische Kommunikation soll noch stärker mit Online-Elementen vernetzt werden“, heißt es darin.

„Parteiveranstaltungen dürfen nicht die langweiligsten sein“, sagt Kinnert. „Ich weiß von Fortschritten vor Ort, von CDU-WhatsApp-Gruppen zur Terminkoordination, von neuen Veranstaltungsformaten, von digitalen Partizipationswerkzeugen“, erzählt sie. „Aber es dauert. Und es braucht auch, bis sich neue Netzwerke gründen, neue Köpfe selbstständig organisieren.“

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