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11.07.2014

17:49 Uhr

Die Sicht der Palästinenser

„Israel verhängt Kollektivstrafe gegen ein ganzes Volk“

VonMarcel Reich

Für Khouloud Daibes, palästinensische Botschafterin in Berlin, ist Israel durch seine Besatzung Schuld an der Gewalt im Gazastreifen. Im Interview erklärt sie, wie es doch noch zu einer friedlichen Lösung kommen kann.

Völlig zerstört: Im Gazastreifen sind vor allem Zivilisten Opfer der Raketen aus Israel. Die Zerstörung ist groß.

Völlig zerstört: Im Gazastreifen sind vor allem Zivilisten Opfer der Raketen aus Israel. Die Zerstörung ist groß.

Düsseldorf/BerlinWährend Handelsblatt Online-Korrespondent Pierre Heumann die Angst der Menschen in Tel Aviv in Israel beschreibt, erklärt Khouloud Daibes, Leiterin der palästinensischen Mission in Berlin, die Lage aus palästinensischer Sicht. Im Interview mit Handelsblatt Online macht sie ihre Sicht der Dinge deutlich: Der Grund für die Gewalt im Gazastreifen sei die Besatzung der Israelis. Für die Vertreterin ihres Landes hat die Herstellung des Friedens oberste Priorität. Doch sie glaubt, dass dies in der Verantwortlichkeit von Israels Premier Benjamin Netanjahu liegt. Im Interview mit Handelsblatt Online fordert sie die internationale Gemeinschaft auf, Israel mit einem klaren Signal in die Schranken zu weisen.

Frau Daibes, Israel hat aktuell 20.000 Reservisten für eine mögliche Bodenoffensive eingezogen. Was glauben Sie, wie weit würde die Situation eskalieren, wenn es tatsächlich dazu kommt?
Khouloud Daibes: Wir haben das ja schon von 2008 auf 2009 erlebt, 2012 auch schon. Eine Bodenoffensive wäre vernichtend, sie würde noch mehr Leben von unschuldigen Menschen kosten. Da ist eine starke Armee, die gegen das ganze Volk in Gaza eine Kollektivstrafe verhängt. Der Sicherheitsrat muss das verhindern.

Dr. Khouloud Daibes ist Botschafterin des Staates Palästinas in der Bundesrepublik Deutschland und Leiterin der Palästinensischen Mission in Berlin.

Dr. Khouloud Daibes ist Botschafterin des Staates Palästinas in der Bundesrepublik Deutschland und Leiterin der Palästinensischen Mission in Berlin.


Wie sehen Sie das persönlich: Ist eine friedliche Lösung noch möglich?
Leider gibt es keine Anzeichen, dass sich die Situation entschärfen wird. Ich als Palästinenserin darf die Hoffnung nicht aufgeben, dass es eine bessere Zukunft für mein Volk geben wird. Dafür setze ich mich ein, dafür setzt sich die politische Führung in Palästina ein. Wir setzen uns für unsere Freiheit im Rahmen des internationalen Rechts ein und wünschen uns eine politische Lösung. Die Weltgemeinschaft ist verpflichtet, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.

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Was ist die Ursache für den aktuellen Konflikt?
Der Konflikt hat nicht erst vor ein paar Tagen angefangen. Die Tötung der drei israelischen Siedler wurde als Vorwand benutzt, um weiter zu töten. Sowohl durch die Besatzungsmacht als auch durch die bewaffneten Siedler, die nun randalieren. Der Konflikt ist ein Ergebnis der andauernden Besatzung und des Scheiterns jeglicher friedlicher Bemühungen, die zu einer Beendigung des Konflikts hätten führen können.

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