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03.04.2017

11:13 Uhr

Digitaler Wahlkampf

Posten ist Silber, zuhören ist Gold

VonDaniel Mack

Deutschland diskutiert und streitet online. Nach Brexit und Trump kann es sich die Politik nicht mehr leisten, Wahlkämpfe mit konservativen Methoden zu führen. Bis zur Bundestagswahl kann viel passieren. Ein Gastbeitrag.

Vom Netz auf die Straße: Politische Inhalte gehen andere Wege. dpa

Plakate allein reichen nicht

Vom Netz auf die Straße: Politische Inhalte gehen andere Wege.

BerlinDie deutschen Parteien müssen in die technologische Infrastruktur und digitales Know-how für ihre Kampagnen investieren. Die graduelle Machtverschiebung in der Medienlandschaft von klassischen Medien hin zu Social Media darf es nicht nur Populisten ermöglichen, erfolgreich zu sein. Wer es schafft, Fragen und Themen der Bevölkerung frühzeitig zu erkennen und anschließend versucht, ihnen mit Antworten in richtigen Formaten und der richtigen Tonalität zu entgegnen, hat die Chance im Netz sehr effizient Sympathisanten oder sogar Unterstützer für sich zu gewinnen und zu aktivieren. Oder eben auch: Wähler.

Das bedeutet, nicht das Reden, sondern das Zuhören in den Mittelpunkt der digitalen Aktivitäten zu stellen. Es wäre ein Fehler, Facebook, Twitter und Co. weiterhin als reine Verlautbarungskanäle im digitalen Raum zu verstehen. Social Media ist vor allem in der politischen Anwendung ein Frühwarnsystem und Themenradar, ein Ohr in der Zielgruppe.

Daniel Mack ist Berater für Public Affairs und Kommunikation bei den 365 Sherpas in Berlin und früherer hessischer Landtagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen. privat

Der Autor

Daniel Mack ist Berater für Public Affairs und Kommunikation bei den 365 Sherpas in Berlin und früherer hessischer Landtagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen.

Big-Data-Systeme spiegeln, richtig eingesetzt, Stimmungen in Echtzeit wider, messen, welchen Einfluss Argumente und Handlungen haben, zeigen die Bedeutung von Themen und Ereignissen auf und legen dar, ob über Politiker mehrheitlich positiv oder negativ diskutiert wird.

Diese Daten können einen enormen Mehrwert liefern, wenn es um die Entwicklung der Botschaft und das Ausspielen von Inhalten an die Zielgruppe geht. Moderne Kommunikation wird heute von Kampagnenprofis geplant und im Netz mit Tests durch Leistungsvergleiche verfeinert. Wer überprüfen kann, ob Motive, Unterstützermails, Facebook- und Google-Anzeigen und Videos von der Zielgruppe angenommen und verstanden werden, sollte das tun.

Parteimitglieder, Anhänger, potenzielle Wähler und Unentschlossene können unterschiedlich und treffsicher angesprochen werden. Die One-Size-Fits-All-Kampagne wird nicht weiter funktionieren. Ein Beispiel aus der Wirtschaft: Adidas und Nike verfahren ähnlich, wenn sie fast im wöchentlichen Rhythmus neue Produkte für unterschiedliche Personenkreise einführen und diese mit passgenauen Kampagnen erreichen.

Was für die Sportgiganten der in Echtzeit generierte Umsatz ist, lässt sich in der Politik in Reichweite und Zustimmung messen. Bei allem Hype über Big-Data-Kampagnen gilt aber immer noch: Am Ende gewinnt nicht die bessere Technik, sondern Kandidaten mit starken Themen.

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