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25.08.2016

15:31 Uhr

Digitalisierung in Europa

Merkel lobt Estland als „eines der innovativsten Länder“

Angela Merkel zu Gast in „E-Estonia“: Die Bundeskanzlerin schwärmt von der Digitalisierung in Estland und will enger mit dem Baltenstaat kooperieren – vor allem bei der Industrie 4.0.

In Tallinn traf Merkel auf den estnischen Präsidenten Toomas Hendrik Ilves. AFP; Files; Francois Guillot

Merkel in Estland

In Tallinn traf Merkel auf den estnischen Präsidenten Toomas Hendrik Ilves.

TallinnBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei einem Besuch in Estland den kleinen Baltenstaat als eine der technologisch fortschrittlichsten Nationen in der EU bezeichnet. Estland habe „sehr frühzeitig die Chancen der Digitalisierung für sich erkannt“ und man könne „mit Fug und Recht sagen, dass Estland eines der innovativsten Länder ist“, sagte Merkel am Donnerstag in der Hauptstadt Tallinn. Zuvor hatte sie den sogenannten e-Estonia-Showroom besucht, in dem die Regierung die Digitalisierung Estlands erklärt.

Die Ostseerepublik habe digitale Bürgerdienste im Alltag verankert. „Deutschland schaut mit großen Interesse auf diese bereits bestehende Situation hier“, sagte Merkel zum Abschluss ihres zweitägigen Besuchs. Gemeinsam mit ihrem estnischen Amtskollegen Taavi Roivas sprach sich bei einer Diskussion für eine stärkere Kooperation zwischen Deutschland und Estland aus. Potenzial dafür sahen beide Regierungschefs insbesondere bei der Industrie 4.0.

Zur künftigen Ausrichtung der EU nach dem Brexit-Votum sagte Merkel: „Es kann uns gelingen, den Beschluss Großbritanniens zu verkraften, aber dafür müssen wir hart arbeiten.“ Deshalb haben die verbliebenen 27 EU-Staaten einen „Reflexionsprozess“ und eine „Phase des Nachdenkens“ begonnen. Dies sei in Familien so üblich, sagte sie.

Merkel versicherte Estland in ihrer Rede den sicherheitspolitischen Beistand der Nato. Sie verwies darauf, dass Deutschland ab September für vier Monate wieder die Luftraumüberwachung im Baltikum übernehmen werde. „Mir persönlich ist dieses Bekenntnis zur Solidarität auch sehr wichtig“, sagte sie. Merkel verurteilte Russlands Vorgehen in der Ukrainekrise, will aber Dialog mit Moskau aufrechterhalten.

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Estland gehört zu den direkten Nato-Nachbarn Russlands und sorgt sich wegen der Ukrainekrise um seine Sicherheit. Der kleine Baltenstaat mit starker russischer Minderheit hatte vor 25 Jahren in der „Singenden Revolution“ seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion wiedererlangt. Merkel würdigte in ihrer Rede den „unbändigen Freiheitswillen und auch den großen Mut der Menschen im Baltikum.“

Zuvor war Merkel mit dem estnischen Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves zu einem Gespräch über die Zukunft Europas zusammengetroffen. Dabei befürwortete Ilves einer Mitteilung der Präsidialkanzlei zufolge eine Führungsrolle Deutschlands. Zuvor hatte sich Merkel auch mit jungen estnischen Führungskräften ausgetauscht.

Am Mittag reiste Merkel auf ihrer Europa-Tour zur Vorbereitung des EU-Sondergipfels nach Prag weiter. In Tschechien stand die Kanzlerin wegen ihrer Flüchtlingspolitik zuletzt häufig in der Kritik.

Von

dpa

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