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27.08.2012

16:44 Uhr

DIHK

Firmen rebellieren gegen Nachhaltigkeits-Bürokratie

VonDietrich Creutzburg

ExklusivEngagements für soziale oder ökologische Ziele sind bei vielen Unternehmen in – zumindest so lange sie freiwillig sind. Rechtliche Vorgaben lehnen die meisten Firmen dagegen ab.

Kraftwerk: Die deutschen Unternehmen bevorzugen freiwilliges Engagement. dpa

Kraftwerk: Die deutschen Unternehmen bevorzugen freiwilliges Engagement.

Mehr als jedes fünfte Unternehmen in Deutschland würde sein freiwilliges Engagement für soziale und ökologische Ziele reduzieren, falls die Politik neue gesetzliche Regelwerke zur Förderung der sozialen Verantwortungsbereitschaft erlässt. Das zeigt eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zur Praxis der „Corporate Social Responsibility“ (CSR), deren Ergebnisse dem Handelsblatt (Dienstagausgabe) vorliegen. Weitere 57 Prozent der insgesamt 2.000 befragten Unternehmen gaben, sich durch neue Regulierungen zumindest zu keinem stärkeren Engagement drängen zu lassen. In Berlin tagt in dieser Woche (Donnerstag) das sogenannte Nationale CSR-Forum, ein 44-köpfiger Expertenkreis aus Wirtschaft und Wissenschaft, der das Bundesarbeitsministerium in Sachen CSR berät.

Angesichts des bereits „vielfältigen Einsatzes der Wirtschaft“ seien neue Regulierungen „das völlig falsche Signal“, warnte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann. Die Umfrage unter rund 2.000 Unternehmen zeige, dass sich schon heute 98 Prozent der Unternehmen „über die gesetzlichen Anforderungen hinaus engagieren“, betonte er. Unter den Begriff CSR fassen Fachleute ein breites Verantwortungskonzept, das von weitsichtiger Personalentwicklung über Ressourceneffizienz und ökologisch sensible Beschaffungspolitik bis hin zu kulturellem Engagement reicht. CSR gilt als zentraler Baustein aller sogenannten Nachhaltigkeitsstrategien.

Driftmann bezog sich mit seiner Mahnung insbesondere auf Pläne der Brüsseler EU-Kommission, den Unternehmen im Rahmen der europäischen „CSR“-Strategie künftig neue Berichtspflichten aufzuerlegen. „Gesellschaftliches Engagement ist fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur in Deutschland“, sagte Driftmann. Gerade in der mittelständisch geprägten deutschen Unternehmenslandschaft sei die Bereitschaft zur Übernahme sozialer Verantwortungsbereitschaft besonders verwurzelt. Die Brüsseler Kommission hatte Ende 2011 eine neue „CSR“-Strategie vorgestellt, in der sie vom bisher favorisierten Freiwilligkeitsprinzip abrückt.

Die Bundesregierung setzt mit ihrer 2010 verabschiedeten CSR-Strategie vorrangig auf das Freiwilligkeitsprinzip. „Sinnvoller“ als neue Rechtsvorschriften sei die Strategie „die Unternehmen durch Informationen sowie das Hervorheben guter Beispiele zu fördern, wie es die Bundesregierung auf Empfehlung des CSR-Forums tut“, lobte ergänzend der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks, der seine Organisation in dem Forum vertritt.

Kommentare (1)

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WFriedrich

27.08.2012, 20:01 Uhr

Weite Teile Europas leiden an Wachstumsschwäche, weil sich Politik immer stärker berufen fühlt, betriebliche Sachfragen und -entscheidungen zu okkupieren. Die geistig-mentale Verfettung des gesellschaftlichen Überbaus hindert Europa aktuell an der Überwindung seiner Probleme. Die EU, die sich als Gralshüter des europäischen Werks betrachtet (und diese Rolle auch ausfüllen soll) wird mehr und mehr zum Hemmnis für den europäischen Prozess. Viele Unternehmer wünsche nur aus diesem Grunde einen Reset auf die dynamische, jugendlich-vitale EWG. Der Euro widerspiegelt die Malaise - und dies trotz der Schwächen in anderen Teilen der Welt. So wundert es nicht, wenn die Rettungsprogramme in der Realwirtschaft (im Saldo) nichts bewegen - zumindest nichts Positives. In diesem Kontext werte ich die Meldung der DIHK als bedeutsam und überfällig, wohl befürchtend, dass sie arrogant abgetan werden könnte. Mitunter entsteht sogar der Eindruck, dt. Bürokraten nutzen Brüssel, um Abwegiges widerstandsarm auf den Weg bringen zu können.

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