Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2014

08:05 Uhr

DIHK-Präsident

Eric Schweitzer warnt vor „Akademisierung“

Unternehmen suchen händeringend nach Azubis, im vergangenen Jahr gab es 4,5 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge. Das liegt vor allem daran, dass immer mehr junge Menschen studieren, glaubt der DIHK-Präsident.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) Eric Schweitzer dpa

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) Eric Schweitzer

BerlinDer Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, hat vor einer „Akademisierung“ des Ausbildungsmarktes gewarnt. Jahrelange und undifferenzierte Forderungen nach einer Erhöhung der Studierendenquote hätten dazu geführt, „dass Hörsäle aus allen Nähten platzen, während Unternehmen händeringend Azubis suchen“, sagte er den „Ruhr Nachrichten“. In allen Regionen Deutschlands könnten Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. „Dem Wirtschaftsstandort Deutschland droht nachhaltiger Schaden, wenn der Trend zur Akademisierung um jeden Preis nicht gestoppt wird.“

Bei den in den Industrie- und Handelskammern vereinten Unternehmen wurden 2013 nach Schweitzers Angaben 4,5 Prozent weniger Ausbildungsverträge als im Vorjahr abgeschlossen. „Bei neuen Ausbildungsverträgen gab es einen Rückgang von rund 330 000 auf 315 000.“ Es sei absurd, dies den Unternehmen anzulasten.

Eine weitere ungebremste Akademisierung könne sogar zu einer höheren Arbeitslosigkeit führen, wenn bestimmte Qualifizierungsprofile am Arbeitmarkt nicht gebraucht würden, fügte Schweitzer hinzu. Rund 25 Prozent der Studienanfänger - in den Ingenieurwissenschaften sogar 50 Prozent - beendeten ihr Studium ohne Abschluss, weil sie offensichtlich falsche Vorstellungen hätten.

Alba-Chef und DIHK-Präsident Schweitzer

„Ich bin früher Müllwagen gefahren“

Alba-Chef und DIHK-Präsident Schweitzer: "Ich bin früher Müllwagen gefahren"

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Von

dpa

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Walter

03.02.2014, 10:51 Uhr

Es besteht in der Tat die Gefahr,dass sich z. B. die Kinder von gut bezahlten Technikern oder Meistern über ein nutzloses Studium mit späterem Niedriglohn auf ein Abstellgleis begeben und die offenen Techniker- und Meisterstellen von Eu- Ausländern besetzt werden (müssen). Viele Politiker der sog. Altparteien würden so etwas als Erfolg einer konsequenten Bildungsrevolution propagieren, Hauptsache der Wähler glaubt an diese Utopien undwählt solche Politiker.

Account gelöscht!

03.02.2014, 11:53 Uhr

Das Problem, das er aufgreift, hat eine lange Geschichte und ist u.a. das Ergebnis von zahlreichen ideologisch getriebenen Schulreformen. Diese haben u.a. dazu geführt, daß ein Teil der Schulabgänger für das Handwerk nicht mehr zur Verfügung stehen. Nicht weil sie studieren, sondern weil ihr Bildungsniveau so gesenkt wurde, daß ihnen die nötige Bildung fehlt. Sie haben einen Hauptschulabschluß, mit dem sie in viel zu vielen Fällen nichts anfangen können, weil das, was im Handwerk heute verlangt wird, in der Schule nicht mehr gelehrt wird und die Hauptschule von Politikern zur Restschule gemacht und von ihnen auch so bezeichnet wird.
Ein anderer Punkt ist, daß sich in diesem Land ein Dünkel breit gemacht hat, bei dem nur der etwas gilt, der Abitur und studiert hat. Alle anderen haben den Status der Minderwertigkeit. Diese Haltung wird von viel zu vielen Gym-Lehrern vertreten und verbreitet. Was in D fehlt, ist eine Schulpolitik, die darauf ausgerichtet ist den jungen Menschen den Horizont zu verbreitern, sie neugierig zu machen sich zu interessieren. Lehrer, die dies heute tun, werden ihn ihren Kollegien geschnitten, sind störende Außenseiter. Der eigentliche Störfaktor in Bezug zur Schule sind allerdings Politiker und Gewerkschaften, die jede wirkliche Schulreform verhindern und ihre, stets mit politischer Indoktrination verbundenen Ziele, einen „neuen Menschen“ schaffen zu wollen, durchsetzen. Auf diesem Wege verblöden immer mehr junge Menschen zu reinen Konsumenten. Den Firmen sei angeraten ihre Lehrstellen attraktiver zu machen, indem sie den jungen Menschen nach erfolgreicher Ausbildung einen gut bezahlten Arbeitsplatz bieten, der ihnen ein auskömmliches Leben ermöglicht und sie zu einem Teil der Firma werden läßt, mit der sie sich identifizieren. Ich hatte noch das Glück eine Volksschule besuchen zu dürfen.

Account gelöscht!

03.02.2014, 15:50 Uhr

Inzwischen werden Abiturienten in vielen Berufen bevorzugt. Selbst Realschüler bleiben zunehmend auf der Strecke. Das Schulsystem krankt.

Und trotzdem: Perspektive hat nur der Akademiker, wenigstens mal mehr als einen mickrigen Durchschnittslohn eines Facharbeiters im Mittelstand zu verdienen und Aufstiegschancen zu haben. Und genau das aber ist die soziale treibende Kraft zum Studium.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×