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18.01.2011

07:06 Uhr

DIHK-Umfrage

Bachelor-Absolventen enttäuschen die Wirtschaft

VonBarbara Gillmann

ExklusivDie Kritik der Wirtschaft am Bachelor-Studiengang wächst. Eine DIHK-Umfrage zeigt steigenden Unmut, die Firmen vermissen vor allem den Praxisbezug der Absolventen. Nur noch 63 Prozent der Unternehmen sehen ihre Erwartungen an die Absolventen erfüllt.

Die Kritik am Bachelor-Studiengang wächst dpa

Die Kritik am Bachelor-Studiengang wächst

BERLIN. In der Wirtschaft wächst die Kritik an den neuen Bachelor-Studiengängen. Nach einer Umfrage des DIHK, die dem Handelsblatt vorliegt, sehen nur noch 63 Prozent der Unternehmen ihre Erwartungen an die Absolventen erfüllt - 2007 lag der Anteil noch bei 67 Prozent. "Die Unternehmen vermissen vor allem die Verknüpfung von Theorie und Praxis bei den Absolventen der neuen Studiengänge", sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann dem Handelsblatt. "Das sollte ja gerade durch die Neuordnung verbessert werden."

Driftmann forderte eine bessere Vorbereitung der Studenten auf ihre späteren Jobs in der Wirtschaft. Dazu müssten die Hochschulen viel häufiger Praxisphasen ins Studium integrieren: Pflichtpraktika, Projektarbeit "und Vorlesungen, in denen Unternehmer Einblick in den Unternehmensalltag geben". Dafür sollten die Hochschulen das Bachelor-Studium lieber auf sieben oder acht statt auf sechs Semester anlegen. An der DIHK-Umfrage beteiligten sich 2175 Unternehmen.

Die meisten Bachelor-Studien sind auf sechs Semester angelegt

Die Kritik der Unternehmer zielt auf ein Kernproblem der Bologna-Reform: Was und wie viel soll ein Bachelor wissen, wo sind Abstriche vom Diplom-Stoff sinnvoll? Früher beklagte die Wirtschaft stets die lange Dauer des Studiums. Zu Beginn der Reform drängte sie dann massiv auf kurze, möglichst nur sechssemestrige Studiengänge.

Die Forderung wurde erfüllt: Derzeit beträgt die Regelstudienzeit für einen Bachelor an den Unis fast durchgängig nur sechs Semester. An den Fachhochschulen gibt es ebenso viele sechs- wie siebensemestrige Bachelor-Studiengänge. Seit die Unternehmen jedoch konkrete Erfahrungen mit den Bachelor-Absolventen machen, hat sich der Wind gedreht: Nicht nur der DIHK, auch die Industrie und die Arbeitgeber reklamieren nun, da sie die Nachteile des Turbo-Studiums kennengelernt haben, wieder mehr Zeit fürs Studieren.

Kommentare (22)

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aruba

18.01.2011, 08:25 Uhr

Guten Tag,.... Das beruht auf Gegenseitigkeit. im uebrigen danken wir RTL;.. ohne die Sendung fuer Vollidioten " Der bachelor " wuerde ich noch immer glauben es handle sich bei besagtem bachelor um eine Wildscheinrasse aus der Lorraine. Arme Welt. besten Dank

Silberstein

18.01.2011, 09:11 Uhr

Als bachelor of Engineering gehörte ich an einer Fachhochschule zum ersten Studiengang der bachelors.

Während die Diplomer, wenn ich sie mal so nennen darf, fröhlich in den Labors Praktische Erfahrungen sammeln konnten, rannten wir von einer Vorlesung in die nächste. Unterricht von morgens bis abends war bei uns üblich. Praktika kammen hauptsächlich durch Praktische Unterrichtsstunden. Erst im letzten Semester hatten wir mehr Zeit. Für eigene Projekte. Zum Ausprobieren der umfangreichen technischen Möglichkeiten.

Das Praxissemester sollte in den Semesterferien gemacht werden: einmal 8 Wochen, einmal 10 Wochen. Für mich Schwachsinn: 2 Monate im Unternehmen, dann 6 Monate Pause und dann nochmal 2,5 Monate? Die können doch mit dir gar nichts anfangen. ich hab mein Praxissemester komplett gemacht, obwohl dadurch die 6-Semester sich ausdehnten auf 7 ausdehnten. Dann Praxis für die Abschlussarbeit geholt - 8.Semester. Super! Jetzt ist man noch der faule Hund, weil man es nicht in 6 Semestern geschafft hat.

Übrigens wurde der Studiengang mittlerweile überarbeitet. Jetzt gibt es wieder ein Praxissemester. Dafür sind die anderen Semester mit Unterricht vollgestopft.

Mein Messtechnik-Professor sprach folgende Worte (sinngemäß) zur ersten Vorlesung:

ich bin von der Hochschule angewiesen den Lernstoff zu kürzen. Das geht nicht in der Messtechnik. Also habt ihr Pech gehabt. ihr müsst einfach denselben Stoff wie die Diplom-Studiengänge in kürzerer Zeit machen.

spar_fuchs

18.01.2011, 09:29 Uhr

Und wieder haben wir ein Paradebeispiel für die maßlose Verschwendung von Steuergeldern. Dabei wollte der Staat nur Geld einsparen, in dem er die Studienzeit verkürzt und so Studenten kürzer finanziert werden müssen! Leider ist genau ds Gegenteil der Fall und das dann auch noch zu Lasten der Studierenden. Hätte man mal lieber das Geld verwendet, um die Grundschulen zu fördern.

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