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13.10.2015

09:49 Uhr

DIHK-Umfrage

So hart trifft Chinas Wachstumsschwäche deutsche Firmen

VonDana Heide

Werden es wenigstens sieben Prozent oder tatsächlich noch weniger Wachstum? Chinas Schwäche nimmt deutsche Unternehmen bereits jetzt mit. Wer besonders betroffen ist und wie die Gesamtaussichten für 2015 sind.

Experte zur China-Krise

„Die Wachstumsdynamik bezogen auf China wird abschwächen“

Experte zur China-Krise: „Die Wachstumsdynamik bezogen auf China wird abschwächen“

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BerlinKnapp ein Drittel der deutschen Unternehmen fürchtet negative Auswirkungen der chinesischen Wachstumsschwäche auf ihr China-Geschäft. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter 1200 Firmen aus dem kompletten Bundesgebiet hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorab vorliegt.

„Chinas Wachstumsabschwung schlägt auch auf die deutschen Ausfuhren durch“, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. „Das Volumen ist im Jahresvergleich zwar bisher nur leicht rückläufig, die rundum schlechten Nachrichten beunruhigen die deutschen Unternehmen aber zusehends.“ Für das laufende Jahr rechnet der DIHK nur noch mit einer schwarzen Null beim Exportgeschäft mit China.

China strebt derzeit für 2015 ein Wirtschaftswachstum von rund sieben Prozent an, einige Experten rechnen mit weniger. Was für ein hochentwickeltes Industrieland wie Deutschland Traumwerte wären, ist für das aufstrebende China enttäuschend. Und es könnte noch schlimmer kommen: Die Ratingagentur S&P rechnet für das kommende Jahr sogar nur noch mit einem Wachstum von 4,4 Prozent.

Warum in China die Börse abstürzt

Wie tief fallen die Kurse noch?

Am 27. Juli erlebte Chinas Börse den größten Tageseinbruch seit acht Jahren. Wie weit es noch nach unten geht, kann niemand sagen. Doch der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten.

Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?

Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

Welche Nachteile ergeben sich hieraus?

Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten.

Warum greifen die staatlichen Maßnahmen nicht?

Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben.

Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?

Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt.

Wie hart trifft der Börsencrash die chinesischen Sparer?

Chinesen sind zwar emsige Sparer. Sie haben aber nur einen kleinen Teil ihres Geldes in Aktien investiert. Fünf Prozent der Ersparnisse stecken in Wertpapieren.

Welche deutschen Aktien geraten durch die Turbulenzen in China unter Druck?

Besonders exportorientierte deutsche Unternehmen. Für Volkswagen und Daimler ist China enorm wichtig. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und BASF geraten unter Druck.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an den Börsen der Welt?

Lange Zeit durften Ausländer nicht an Chinas Börsen handeln. Peking hatte seine Finanzmärkte weitgehend abgeschottet. Dadurch schlagen Turbulenzen in China nur sehr abgeschwächt auf internationale Börsen durch.

Welche Rollen spielen ausländische Anleger bei dem Börsen-Crash?

Seit den Turbulenzen ziehen viele internationale Anleger ihr Geld über die Börse in Hongkong wieder aus dem chinesischen Festland ab. Bis Wochenanfang waren auf diesem Weg bereits mehr als sechs Milliarden US-Dollar abgeflossen.

19 Prozent der von der DIHK befragten Unternehmen haben ihre Geschäftsziele für das Gesamtjahr aufgrund der Entwicklungen in China bereits nach unten korrigiert. Vor allem die Automobilhersteller und die Maschinenbauer sind betroffen. So gaben fast 40 Prozent der befragten Autofirmen an, ihre Geschäftsziele für 2015 bereits herabgesetzt zu haben, von den Maschinenbauern sagen das rund ein Viertel.

Rund ein Viertel aller befragten Firmen beunruhigen zudem die Turbulenzen an Chinas Börsen, der weit überwiegende Teil sieht jedoch keine Auswirkungen der Turbulenzen. Mehr Sorgen macht den Unternehmen die Abwertung des Renminbi, rund ein Drittel gab an, dass sie negative bis sehr negative Folgen für ihre Geschäftstätigkeit habe.

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Das G20-Finanzministertreffen in Ankara steht ganz im Zeichen des asiatischen Schwächeanfalls. Deutschland als einer der größten Exporteure der Welt ist ebenso beunruhigt wie der IWF.

Wansleben macht den betroffenen Unternehmen wenig Hoffnung auf eine baldige Trendwende: „Eine Besserung im China-Export ist vorerst nicht absehbar“, sagte er dem Handelsblatt. Dennoch bleibe die wirtschaftliche Bedeutung Chinas für die deutsche Wirtschaft auch für die Zukunft unbestritten. Das Land gehört neben der Eurozone und den USA zu den TOP-3-Märkten deutscher Unternehmen. „Das rapide Wachstum Chinas wurde in der Vergangenheit als selbstverständlich erachtet“, erklärt Wansleben. „Die deutschen Unternehmen sehen sich nun mit einer neuen Realität konfrontiert und reagieren darauf.“

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