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09.01.2011

18:24 Uhr

Dioxin-Skandal

Aigner bemüht sich um Schadensbegrenzung

Nach dem Dioxin-Skandal geraten deutsche Lebensmittel international in Verruf. Einige Länder haben den Import bereits gestoppt. Die Bundesregierung will nun Vertrauen wieder herstellen und überprüft belastete Betriebe. Entwarnung kann Verbraucherministerin Aigner aber noch nicht geben.

Dioxin im Hühnerei erschüttert das Vertrauen in deutsche Lebensmittel. DAPD

Dioxin im Hühnerei erschüttert das Vertrauen in deutsche Lebensmittel.

HB BERLIN. Im Dioxin-Skandal gibt Agrarministerin Ilse Aigner noch keine Entwarnung. Das wäre voreilig, sagte die CSU-Politikerin am Wochenende, obwohl erstmals gesperrte Bauernhöfe wieder freigegeben wurden. Die Ankündigung der Slowakei, vorerst keine Eier und Geflügel mehr aus Deutschland zu beziehen, kritisierte Aigner als überzogen. „Wir stellen klar, dass zu keinem Zeitpunkt irgendeine Gesundheitsgefährdung von deutschen Exporten ausgegangen ist“, erklärte ihr Sprecher am Sonntag.

Die Slowakei hatte den vorläufigen Importstopp am Freitag angekündigt und eigene Tests gestartet. Ergebnisse werden für Dienstag erwartet. Der Dioxin-Skandal erschüttert deutsche Verbraucher und Bauern seit gut einer Woche. Im Zentrum steht der Futterfett-Hersteller Harles und Jentzsch, der rund 3 000 Tonnen dioxinbelastetes Futterfett an Abnehmer in mehreren Bundesländern geliefert hatte.

In Proben des Fetts wurden am Wochenende abermals extrem hohe Dioxinwerte gefunden. Waren am Freitag bereits teils 77-fache Überschreitungen der Dioxin-Grenzwerte festgestellt worden, so meldete das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium am Samstag weitere Extremwerte von bis zu 54,67 Nanogramm Dioxin - bei einem zulässigen Grenzwert von nur 0,75 Nanogramm.

Am Freitag war bekannt geworden, dass überhöhte Werte des unter Krebsverdacht stehenden Gifts schon im März 2010 festgestellt, aber nicht veröffentlicht worden waren. Nach einem „Spiegel“-Bericht wurde die Firma sogar im Sommer von staatlichen Prüfern kontrolliert, legte ihnen aber alarmierende Testergebnisse angeblich nicht vor. Aus Sicht des niedersächsischen Agrarministeriums könnte sich der Hersteller nicht nur Verstößen gegen das Lebensmittel- und Futtermittelrecht, sondern auch des Betrugs und der Steuerhinterziehung schuldig gemacht haben.

Aigner verlangte in der Zeitung „Bild am Sonntag“ ein hartes Durchgreifen der Justiz: „Sieht man jetzt die ersten Hintergründe, wird man den Verdacht nicht los, dass sich hier kriminelle Energie mit erschreckender Skrupellosigkeit paart.“ Zudem kündigte die CSU-Politikerin an, Gesetzesverschärfungen zu prüfen. Zunächst sei der Fall vollständig zu klären. „Vorrangig muss dafür gesorgt werden, dass belastetes Futtermittel zurückverfolgt wird und belastete Produkte nicht in den Handel gelangen“, sagte Aigner.

Kommentare (5)

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Margrit Steer

09.01.2011, 20:03 Uhr

----„Wir stellen klar, dass zu keinem Zeitpunkt irgendeine Gesundheitsgefährdung von deutschen Exporten ausgegangen ist“..
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Was für ein absolut dämliche Aussage.
Natürlich besteht eine Gesundheitsgefährdung und zwar schon seit März letzten Jahres.
Und wieso exportieren wir Eier nach Kroatien?
Die haben sleber Landwirte.
Genau dieser EU-irrsinn muß aufhören. Dann hbenwir auch wieder eine normale Tierhaltung.

Denkerist

09.01.2011, 20:32 Uhr

@ Margit Steer

Das ist es. Wieso Tiertransporte durch ganz Europa? Wieso Futter aus industrieabfällen (übrigens, Tiermehl wird auch seit Jahren wieder verfüttert)? Wieso Kunstkäse?

U
All das ist seit Jahren bekannt. Ein Skandal jagt den Nächsten. Gammelfleich allenthalben.
Und wir haben uns auch schon an Kunstkäse gewöhnen müssen, und können nichts dagegen tun. Es gibt keine Möglichkeit für den Verbraucher, etwas dagegen zu tun.

Schuld daran ist wie so oft unser politisches System. Die Politik wird ausschließlich von Wirtschaftsinteressen gesteuert. Unsere Marionettenregierung - gleich welcher Partei (mit einer Ausnahme) -wird von der Wirtschaft gesteuert. Ob das nun Nahrungsmittel- oder Pharmakartell ist.
Und auch das Geflecht aus sich behinderten behörden, sich blockierendem Föderalismus dient nur dem Zweck "Nichts Verändern".

Solange sich daran nichts ändert, sind wir der Wirtschaft ausgeliefert. Es wird Zeit, dass in diesem Staat mal Politik für den bürger gemacht wird. Freiwillig werden die Verbrecher das Feld aber nicht räumen.

nd dann immer das dumme Gelaber, dass Essen teurer werden muss! Meinethalben, aber selbst dann weiß ich nicht was ich esse. Und es ist in Deutschland nicht möglich, auch für mehr Geld, ordentliches Essen zu bekommen. Auch wenn ich für eine Pizza 20€ ausgebe, kann ich nicht sicher sein, daß kein Kunstkäse verwendet wurde.

A. Prenden

10.01.2011, 10:02 Uhr

Es ist einfach nur traurig wie wenig auf das Leid der Tiere eingegangen wird, welche solch unnatürlich Nahrung aufnehmen "müssen"! Sie sind eingesperrt, sehen keine Sonne und haben keinen natürlichen Auslauf. Es sind einfach nur unethische Tierfabriken. Die geschundenen Tiere dürfen dann auch noch mit ihrem Leben für solche "Skandale" bezahlen, welche eigentlich täglich sind. Es ist nicht die Ausnahme sondern die Regel. Wenn von bauernhöfen die Rede ist, dann kann man sich beim Lesen nur die Augen reiben. Es sind Tier- oder Agrarfabriken und produzieren keine "Lebensmittel", was nicht lebt darf eigentlich nicht als Lebensmittel bezeichnet werden. Da auch Frau Aigner eine Lobby vertritt, spielt sie den aktuellen Skandal herunter. Mehr Kontrolle wird niemal mehr Sicherheit bedeuten. Das bezieht sich nicht nur auf unsere nahrung sondern alle bereiche des Lebens!!!

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