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05.01.2011

16:43 Uhr

Dioxin-Skandal

Aigner nennt Futterverseuchung "nicht versehentlich"

Das dioxinbelastete Fett ist nach Ansicht von Bundesagrarministerin Ilse Aigner nicht versehentlich ins Viehfutter geraten. Der Futtermittelhersteller Harles & Jentsch aus Uetersen in Schleswig-Holstein gerät damit nach einer Razzia der Staatsanwaltschaft Itzehoe weiter unter Druck.

Verbraucherschutzministerin Aigner dpa

Verbraucherschutzministerin Aigner

HB DÜSSELDORF. Aigner sagte am Mittwoch am Rande des Treffens der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth, sie halte die Erklärung der Futterfettfirma Harles und Jentzsch, technische Fette seien durch ein Versehen zu den Fetten für Tierfutter gemischt worden, nicht für glaubwürdig. Aigner sagte, es sei eigentlich bekannt, dass Fett für die technische Herstellung nichts in Futtermitteln verloren habe. "Aber letztendlich müsse diese Frage die Staatsanwaltschaft klären. "Das ist kein Kavaliersdelikt", betonte die Ministerin.

Der Geschäftsführer des Futterfett-Lieferanten Harles und Jentzsch, Siegfried Sievert, hatte dem "Westfalen-Blatt" erklärt: "Wir waren leichtfertig der irrigen Annahme, dass die Mischfettsäure, die bei der Herstellung von Biodiesel aus Palm -, Soja- und Rapsöl anfällt, für die Futtermittelherstellung geeignet ist." Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit war das Mischfett aber klar für den technischen Gebrauch gekennzeichnet.

Zuvor war am Mittwoch das Betriebsgelände von Harles & Jentzsch durchsucht worden. Polizisten und Staatsanwälte gingen am Mittag in den Betrieb, um Beweismittel sicherzustellen. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe führt ein Ermittlungsverfahren gegen die Leitung des Unternehmens.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass es eine gerichtlich angeordnete Durchsuchung gegeben habe. Das betreffe auch einen Betrieb im niedersächsischen Bösel, sagte Behördensprecher Friedrich Wieduwilt. Das Werk bei Cloppenburg betreibt ein Tanklager und eine Futterfett-Rührstation für Harles & Jentzsch.

Bis zu 3000 Tonnen verseuchtes Futterfett wurden nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums im November und Dezember hergestellt und gingen an 25 Futtermittelhersteller in mindestens vier Bundesländern. Anders als zunächst angenommen, wurden auch Agrarbetriebe in Schleswig-Holstein mit belastetem Futter beliefert. Es kam von einem Hamburger Händler, der Vorprodukte aus Uetersen bezogen hatte.

Die Staatsanwaltschaft in Oldenburg geht im Dioxin-Skandal einer weiteren Spur nach. Gegen eine Firma in Bösel (Kreis Cloppenburg) laufe ein Vorermittlungsverfahren, sagte Staatsanwalt Rainer du Mesnil. "Es besteht derzeit noch kein Tatverdacht."

Die Firma betreibt ein Tanklager und eine Rührstation für den Futtermittelhersteller Harles und Jentzsch. Harles und Jentzsch hat 3000 Tonnen mit Dioxin belastetes Futtermittel ausgeliefert. "Wir wollen wissen: Was ist in den Tanks, wo kommt es her und wo ging es hin?", sagte der Staatsanwalt. Es seien Proben genommen worden, deren Analyse noch mehrere Tage dauern werde.

Kommentare (11)

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widerstand10

05.01.2011, 18:26 Uhr

Futterverseucheung in diesen Umfang ist gewollt. Hier kann gutes Geld verdient werden die Strafen sind gering und der Staat schützt einen noch. Wer Steuerschulden hat dem wird sein Laden geschlossen, wenn sie Leute vergiften aus Raffgier gibt es einen Klaps auf den Hintern. Es muss ja weiter gegessen werden, sonst gibt es Aufruhr in der bevölkerung.
Die Lebensmittelerzeugung bringt mehr Geld ein als Gold. Darum gibt ss auch keine genauen Auskünfte
über die vielen Schwarzen Schafe. Eine starke Lobby
eben.

MS

05.01.2011, 19:27 Uhr

Wenn der Geschäftsführer der Ansicht war, dass das Vorprodukt für die Erzeugung von Futtermittel geeignet ist, obwohl dieses gemäss Kennzeichnung nur für technische Zwecke vorgesehen war, hätten längst bereits Handschellen klicken müssen.

in China hätte man zur Abschreckung außerdem ein Erschießungskommando bereitgestellt!

jugen

05.01.2011, 19:30 Uhr

http://alpenparlament.tv/playlist/68-codex-alimentarius-dr-gottfried-lange-im-interview-mit-tomas-eckardt

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