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10.01.2011

15:25 Uhr

Dioxin-Skandal

Ministerin Aigner will Futterhersteller strenger kontrollieren

Die Politik reagiert immer schärfer auf die Dioxin-Verseuchung von Tiernahrung: Agrarministerin Ilse Aigner will Futterhersteller deutlich strenger kontrollieren und die Strafen für Gesetzesverstöße bei den Kontrollen überprüfen. Gleichzeitig geben immer mehr Behörden Entwarnung – entschädigen wollen sie betroffene Bauern aber nicht.

Agrarministerin Aigner will die Strafen für Verstöße gegen Futtermittelkontrollen überprüfen. DAPD

Agrarministerin Aigner will die Strafen für Verstöße gegen Futtermittelkontrollen überprüfen.

HB BERLIN. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner will die Kontrollen von Futtermittelbetrieben verschärfen. Außerdem sollte die Verarbeitung von Futtermittelfetten und Industriefetten streng getrennt werden, sagte die CSU-Politikerin am Montag in Berlin nach einem Treffen mit Vertretern der Landwirtschaft, Verbraucherorganisationen und Lebensmittelwirtschaft. Zu überlegen sei auch, ob die allgemeine Belastung mit Dioxin besser überwacht werde. Die Ministerin sprach sich zudem dafür aus, das Strafmaß für Verstöße gegen das Futtermittelrecht zu überprüfen.

„Der entstandene Schaden ist immens“, sagte Aigner. Vor allem sei Vertrauen verloren gegangen. Die Täter hätten offenbar in völlig unverantwortlicher und skrupelloser Weise gehandelt. „Dieser Fall muss und er wird Konsequenzen haben.“ Für die Konsumenten bestehe nach der vorläufigen Sperrung tausender landwirtschaftlicher Betriebe jedoch keine Gefahr: „Es ist kein Grund zur Panik, es ist aber auch kein Grund zur Verharmlosung.“

Trotz der scharfen Reaktionen aus der Politik entspannt sich die Lage im Dioxin-Skandal. Während am Freitag noch rund 4700 Betriebe gesperrt gewesen seien, seien es am Montagmorgen noch 1635 Höfe gewesen, sagte ein Sprecher des Verbraucherministeriums. „Die Lage hat sich über das Wochenende entspannt.“ Die Einschränkungen für sämtliche bisher gesperrten 460 Milchproduzenten seien aufgehoben worden. Ein Sprecher des Agrarressorts in Hannover sagte ergänzend, man rechne damit, dass weitere mehrere Hundert Höfe im Laufe des Tages freigegeben würden.

Weiterhin ungeklärt ist laut Aigner noch die Herkunft des Dioxins, das offenbar in industriellen Fetten enthalten war, die nach bisherigen Erkenntnisse von der Firma Harles und Jentzsch in Schleswig-Holstein Futterfetten beigemischt worden waren. Angaben der Verbraucherorganisation Foodwatch, die Dioxine stammen von Pestiziden, bezeichnete sie als Spekulation.

Auch das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bezweifelte die Angaben der Verbraucherorganisation. Eine Sprecherin der Behörde erklärte, die chemische Zusammensetzung des Giftes in den Futterfetten deuteten nicht auf Pestizide hin. Foodwatch hatte erklärt, bestimmte chemische Verbindungen in einer Futterfett-Probe aus dem Betrieb Harles und Jentzsch in Schleswig-Holstein wiesen darauf hin, dass diese von einem Mittel gegen Pilzbefall in der Landwirtschaft stammten. Laut Foodwatch ist in der Probe der Dioxin-Grenzwert 164-fach überschrittenen.

Kommentare (4)

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Aigner lenkt vom Hauptproblem ab.....

10.01.2011, 17:46 Uhr

Aigner will Prozesse zur Herstellung von industrie- und Futter- Fetten trennen ....

Darum gehts doch überhaupt nicht. Es geht um strenge Kontrollen bei der Auslieferung jeglicher Art von Lebensmitteln, dazu gehören auch Vorprodukte wie Futterfette.

Aigner will davon ablenken, dass die staatlichen Kontrolleure versagt haben und das seit Monaten. Sonst hätten bereits vor 9 Monaten die hohen Dioxingehalte in Hühnerfleisch und Eiern auffallen müssen.

Diese Kontrolleure - natürlich beamte - haben auf der ganzen Linie versagt. Die müssten zuerst wegen grober Vernachlässigung ihrer Dienstpflichten zur Rechenschaft gezogen und bestraft werden.

Weinschenck

10.01.2011, 18:48 Uhr

Hallo,

ich habe gänzlich kein Verständnis für den laxen Umgang von Frau Aigner mit den Unternehmen, die vorsätzlich Gift in die Nahrungsmittelkette schleusen. bei Finanzberatungen wird mit verdeckten Ermittlern geprüft, beim Thema Gesundsgefärdung durch Dioxin von schärferen Kontrollen. Letzteres Vergehen ist aus meiner Sicht eine echte Straftat. Hoffentlich kümmert sich Frau Aigner mal um die wirklich wichtigen Dinge! Eine lückenlose Kontrolle der Futtermittelhersteller sollte doch wohl kein Problem darstellen.

Margrit Steer

11.01.2011, 15:42 Uhr

Och Gottele, mir kommen die Tränen.
Die redet wie ein Schulmädchen.
Was sie denn so alles will.
Hat in diesem Land eigentlich keiner mehr nen Arsch in der Hose, stellt sich hin, haut mit der Faust auf den Tisch und verkündet "ab morgen läuft das so und so und so"
Alles nur dumme Schwätzer ohne jede Kenntnis

Meine Güte, wenn Hamburg 1963 beim Hochwasser solche Schwätzer gehabt hätten in der Politik, dann gäbe es Hamburg heute nicht mehr
Wenn unre Großeltern und z. T. auch noch Eltrn nach dem Krieg so lahmarschig und grotten dämlich gehandelt hätten, würden wir heute noch in Trümmern leben

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