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09.01.2011

13:07 Uhr

Dioxin-Skandal

Verbraucherschützer attackieren Bundesregierung

Die Verbraucherorganisation Foodwatch greift die Bundesregierung im Dioxin-Skandal an. Sie habe sich schwere Versäumnisse zuschulden kommen lassen und gehe zu lasch mit der Futtermittelindustrie um.

Verpackte Eier bei einem Produzenten: International wollen mehrere Länder keine Eier und kein Fleisch mehr aus Deutschland. Reuters

Verpackte Eier bei einem Produzenten: International wollen mehrere Länder keine Eier und kein Fleisch mehr aus Deutschland.

HB BERLIN. Immer neue Dioxin-Funde heizen die Debatte um den Verbraucherschutz in Deutschland an. Dabei gerät nun auch die Verantwortung der Bundesregierung in den Blick. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hielt der Regierung schwere Versäumnisse und die einseitige Bedienung der Interessen der Futtermittelindustrie vor. Um den Export deutscher Fleischprodukte nicht zu gefährden, habe die Regierung kein Interesse, die Futtermittelindustrie stärker zu belasten, sagte Foodwach-Chef Thilo Bode.

Der Fall weitet sich derweil an verschiedenen Fronten aus: Behörden stellten in Legehennen überhöhte Konzentrationen des Gifts fest. Eine Futterfett-Probe des Herstellers Harles und Jentzsch in Uetersen (Schleswig-Holstein) überschritt den zulässigen Grenzwert bei jüngsten Analysen fast um das 73-fache. International wollen mehrere Länder keine Eier und kein Fleisch mehr aus Deutschland. Und ein deutscher Professor rät, belastete Eier mit unbelasteten zu mischen - dann wäre das Gift so verdünnt wie im Essen üblich.

Für Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) haben Verbraucherschutz und die Aufklärung Priorität, sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (F.A.S.). Wenige "schwarze Schafe" hätten enormen wirtschaftlichen Schaden angerichtet. "Danach werden wir über die Konsequenzen zu sprechen haben. Die Verursacher müssen zur Rechenschaft gezogen und in Haftung genommen werden. Sie haben für die entstandenen Schäden geradezustehen."

Foodwatch-Geschäftsführer Bode hingegen beklagt, dass es viel zu wenig staatliche Kontrollen der 1700 Futtermittelbetriebe in Deutschland gebe. Bode verlangt, dass jeder Hersteller jede Charge einer Futtermittelzutat verpflichtend auf Dioxin testet, dokumentiert und bei Überschreitungen verpflichtend die Behörden informiert. "Nur das würde weiterhelfen, damit die schleichende Dioxinvergiftung durch Futtermittel aufhört."

In den Proben dreier Legehennen aus Nordrhein-Westfalen wurde der zulässige Grenzwert laut den Behörden um das 2,5-Fache des überschritten. Tests bei Hähnchen, Puten oder Schweinen zeigten bislang keine Überschreitungen, viele Ergebnisse stehen noch aus. Die Zahl der gesperrten Höfe sank derweil von 4700 auf rund 4000, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium mitteilte.

Kommentare (11)

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Weltenbummlerin

09.01.2011, 15:05 Uhr

Man traut diesem korrupten beamtenapparat und der lobbyhörigen Politikerbande durchaus zu den Grenzwert für Dioxin gravierend zu erhöhen, um den Skandal zu entschärfen und der industrie entgegen zu kommen. Die Gesundheit des bürgers interessiert niemand.

NGO's als flinke Abrechnungseinheiten

09.01.2011, 15:28 Uhr

food-watch: das ambitionierte bäumchen wechsle Dich in der Wertschöpfungskette: knallhart auf den Fersen des bösen. Anders gesagt: ne Spendentruppe, die derzeit aufzutreten wünscht, wie die katholische Kirche zu Zeiten der inquisition aufgetreten war: wir wissen zwar auch nix, Hauptsache, wir haben die Schuldigen daran verbrannt...

JaJa

09.01.2011, 15:29 Uhr

"Dioxinbelastete Produkte müssen nach Ansicht des Vorsitzenden der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, Prof. Thomas blaha, nicht unbedingt vernichtet werden. belastete Eier könnten mit unbelasteten gemischt werden, sagte der Leiter der Außenstelle für Epidemiologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover dem Magazin "Focus". So käme es zu Verdünnungsstufen, wie sie im Essen üblich seien. Ähnlich könne mit kontaminiertem Fleisch verfahren werden."

Das ist genau die Vorgehensweise in diesem Skandal gewesen. beim Gammelfleisch auch.
Herr blaha bitte essen sie diesen Dreck doch selbst.
Meine Güte ist das billig.
Durch die Hintertür dieses ganze Gepansche auch noch zu sanktionieren.
Aber es geht immerhin um Geld.

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