Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.04.2015

18:21 Uhr

Diskussion um Bezahlung in Kitas

Schwesig will Lehrergehalt für Erzieher

Zuletzt standen manche Eltern mit den Kleinen vor verschlossenen Türen: Erzieher in vielen Betreuungseinrichtungen streikten für bessere Arbeitsbedingungen. Jetzt mischt sich Sozialministerin Schwesig ein.

Bundesfamilienministerin Schwesig (SPD) setzt sich häufig für Belange wenig beachteter Gesellschaftsgruppen ein – mit eher mäßigem Erfolg innerhalb der Koalition. dpa

Sie will mehr Gerechtigkeit – für Frauen und Geringverdiener

Bundesfamilienministerin Schwesig (SPD) setzt sich häufig für Belange wenig beachteter Gesellschaftsgruppen ein – mit eher mäßigem Erfolg innerhalb der Koalition.

Berlin/ DüsseldorfBundessozialministerin Manuela Schwesig (SPD) hat deutliche Verbesserungen für Erzieher und Kinderpfleger bei den laufenden Tarifverhandlungen mit den Kommunen angemahnt. „Wir müssen langfristig die Löhne der Erzieherinnen und Erzieher auf das Niveau von Grundschullehrern anheben“, sagte Schwesig dem Deutschlandfunk. Man werde einen solchen Gehaltssprung nicht mit einem Mal machen können. Schwesig betonte aber, dass die Betreuung von Kleinkindern deutlich mehr Wertschätzung erfahren müsse. Laut einer Umfrage sind 76 Prozent der Kita-Mitarbeiter der Ansicht, dass ihre Arbeit nicht ausreichend gewürdigt wird.

Mit Warnstreiks wollen die Gewerkschaften in der kommenden Woche weiter Druck auf die Tarifverhandlungen für den kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst machen. Am Donnerstag steht in Hannover die vierte Gesprächsrunde an. Bereits in den vergangenen Wochen waren viele Kitas in mehreren Bundesländern geschlossen geblieben.

Kinder in Deutschland

Wie viele Kinder leben in Deutschland?

In Deutschland lebten 2012 rund 12,9 Millionen Mädchen und Jungen unter 18 Jahren. Im Jahr 2000 waren es noch 15,3 Millionen.

Geburten

2012 wurden rund 673 500 Kinder geboren, halb so viel wie 1964.

Familien

Es gab 2012 knapp 8,1 Millionen Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind. In 1,2 Millionen dieser Familien leben drei oder mehr Kinder im Haushalt, in 76 000 waren es fünf oder mehr.

Scheidungen

Rund 136 000 minderjährige Kinder waren 2013 von der Scheidung ihrer Eltern betroffen.

Kitas

Zum 1. März 2014 wurden rund 662 000 Kinder unter 3 Jahren in einer der etwa 53 500 Kitas oder bei 44 800 Tagesmüttern betreut.

Schülerinnen und Schüler

11,1 Millionen Schülerinnen und Schüler wurden im Schuljahr 2013/14 an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen unterrichtet.

Taschengeld

Kinder zwischen 6 und 13 Jahren hatten 2013 im Schnitt monatlich 27,56 Euro Taschengeld zur Verfügung.

Armut

Das Armutsrisiko von Kindern und Jugendlichen zwischen 11 und 20 Jahren liegt bei 18,9 Prozent, in Ostdeutschland bei 26,3 Prozent.

Gesundheit

94 Prozent der Eltern schätzen den allgemeinen Gesundheitszustand ihrer Kinder als gut oder sehr gut ein. 3,2 Prozent der bis 17-Jährigen werden durch ein chronisches Gesundheitsproblem eingeschränkt, Dinge zu tun, die Gleichaltrige tun können.

Gefährdung

Für 17 000 Kinder und Jugendliche haben die Jugendämter 2013 nach Hinweisen von außen eine akute Gefährdung festgestellt. Bei weiteren 21 000 wurde eine latente Gefährdung erkannt. Alle 19 Minuten verunglückte 2013 ein Kind unter 14 Jahren auf deutschen Straßen. 58 Kinder kamen bei Unfällen ums Leben, mehr als 28 000 wurden verletzt.

Kriminalstatistik

Mehr als 69 000 Kinder unter 14 Jahren und rund 190 000 Jugendliche von 14 bis 18 wurden 2013 in der Polizeilichen Kriminalstatistik als Tatverdächtige aufgeführt. Gut 65 300 Kinder unter 14 und 81 600 Jugendliche von 14 bis 18 wurden Opfer von Straftaten (die Statistik erfasst das Opferalter nur bei bestimmten Verbrechen wie Gewalt- und Sexualdelikten).

Für Mittwoch hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) Aktionen in allen großen Städten Nordrhein-Westfalens angekündigt. Einen Tag später sind Erzieher in Niedersachsen und Bremen dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen.

Die Gewerkschaften fordern für die bundesweit mehr als 220.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst eine höhere Eingruppierung und damit im Durchschnitt eine Gehaltserhöhung von zehn Prozent. Sie begründet das mit gestiegenen Anforderungen. So halten einer Umfrage der Hochschule Koblenz unter 2000 Erziehern zufolge zwei Drittel von ihnen den Personalschlüssel für zu gering. Empfohlen sei ein Verhältnis von 1:3 zwischen Betreuern und Kindern bei unter Dreijährigen. In der Realität sei es aber meist ein Schlüssel von 1:7, sagte der Bildungsexperte Professor Wassilios Fthenakis.

Von

dpa

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Niccolo Machiavelli

13.04.2015, 09:51 Uhr

Was sich Merkel mit dem Koalitionspartner SPD an Kabinettsmitgliedern eingefangen hat (Steinmeier vielleicht ausgenommen), ist einfach nur armselig, da anscheinend ohne jeden sozioökonomischen Sachverstand unausgegorene Schnellschüsse herausgestoßen werden, um sich auf billige Weise zu profilieren.. Schwesig schießt da wohl den Vogel ab, noch vor Nahles.

Das Kabinett ist nur ein Kabarett, ein denkbar schlechtes.

Herr Ingo Ulrich

13.04.2015, 10:01 Uhr

Nein es ist kein Kabarett, leider, dann könnte man noch schmunzeln !

Es ist ein ALPTRAUM mit diesen Kompetenzleeren, oder Lobbygesteuerten "Volksvertretern" !
Unsere Parlamente in D + in der EU scheinen damit verseucht zu sein, nicht alle aber zu viele !

Account gelöscht!

13.04.2015, 10:43 Uhr

Lehrergehalt für Erzieher?
Lehrer sind Erzieher!
Es sind halt Aufgaben die bislang im Elternhaus stattfanden (Sprache, Rücksichtnahme, usw) hinzu gekommen - und warum soll eine Leistung nicht honoriert werden?!
Ohne Wertung ob das Elterhaus dieses, z.B. bei doppelter Berufttätigkeit, noch leisten kann sind die Kosten letztlich von den Eltern zu tragen.
Im Falle von Migranten käme bei Unwilligkeit sich den Gepflogenheiten HIER einzuordnen (inbesondere Sprache) hinzu, diese Kosten den Betroffenen ggf dem jeweiligen Herkunftsland anzulasten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×