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26.01.2015

15:56 Uhr

Diskussion um Protestbewegung

Wirtschaft stellt sich gegen Pegida

Politiker diskutieren, wie sie mit Pegida umgehen sollen. SPD-Chef Gabriel setzt auf das Gespräch mit den Anhängern. Andere, etwa der Autobauer Opel, beziehen deutlich und symbolträchtig Stellung gegen die Bewegung.

Erstmals Sonntagsdemo der Pegida

5.000 Dresdner beziehen Stellung gegen Pegida-Demo

Erstmals Sonntagsdemo der Pegida: 5.000 Dresdner beziehen Stellung gegen Pegida-Demo

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Dresden/BerlinDie Frage nach dem richtigen Umgang mit der islamkritischen Bewegung Pegida sorgt für heftigen Streit in den Parteien. In der SPD entbrannte nach dem Besuch von Parteichef Sigmar Gabriel bei einer Diskussionsrunde mit Pegida-Anhängern eine Kontroverse darüber, ob ein Dialog mit dem Bündnis nötig ist oder nicht.

Auch in den anderen Parteien gibt es darüber Uneinigkeit. Mehrere CDU-Minister unterstützten Gabriels Vorstoß. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) selbst plant dagegen vorerst kein Treffen mit Pegida-Sympathisanten. Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl warnte davor, die Bewegung durch zu große Annäherung salonfähig zu machen.

Teile der Wirtschaft haben sich bereits eindeutig positioniert. So schaltet das Opel-Werk in Rüsselsheim symbolisch für die Dauer der Demo in Frankfurt am Abend die Beleuchtung des Opel-Blitzes abstellen, twitterte Karl-Thomas Neumann. Der Vorstandsvorsitzende von Opel und Präsident von GM Europe hatte sich schon zuvor via Twitter kritisch gegenüber Pegida geäußert.

Pegida von Kopenhagen bis Prag

Viele Pegida-Ableger in Europa

Die islamfeindliche Pegida-Bewegung hat in Dresden und anderen deutschen Städten in den vergangenen Monaten Zulauf erhalten. Aber auch im europäischen Ausland stoßen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf Sympathie: In mehreren Ländern gibt es inzwischen Ableger der Bewegung. Von einer Teilnehmerzahl wie in Dresden am Montag vergangener Woche, als 25.000 Menschen auf die Straße gingen, waren die ersten Pegida-Proteste im Ausland allerdings weit entfernt. Nachfolgend eine Auswahl der europäischen Ableger.

Tschechien

In der tschechischen Hauptstadt Prag demonstrierten am vergangenen Freitag etwa 600 Menschen gegen den Islam. Es war die erste islamfeindliche Demonstration in Tschechien, wo Schätzungen zufolge zwischen 10.000 und 20.000 Muslime leben. Lediglich rund 20 Gegendemonstranten gingen auf die Straße. Die Organisatoren schlossen einen Zusammenschluss mit den Gleichgesinnten im nur 150 Kilometer entfernten Dresden nicht aus.

Dänemark

In Kopenhagen war für Montagabend der erste Protestzug des dänischen Pegida-Ablegers geplant. 300 Menschen hätten im Online-Netzwerk Facebook ihr Kommen zugesagt, sagte der Organisator des Protests, der Schulpsychologe Nicolai Sennels.

Norwegen

Am Montag vergangener Woche folgten in der norwegischen Hauptstadt Oslo rund 200 Menschen dem Aufruf des örtlichen Pegida-Ablegers. Man wolle die Aufmerksamkeit auf die Probleme im Zusammenhang mit der Einwanderung von Muslimen lenken, sagte der Organisator des Marschs, Gymnasiallehrer Max Hermansen. Auch Ausländer waren unter den Demonstranten, die ohne Zwischenfälle um das Osloer Rathaus herummarschierten. Nur eine Handvoll Gegendemonstranten stellten sich dem Protest entgegen.

Schweden

Der schwedische Pegida-Ableger zählt auf Facebook mehr als 8100 Anhänger. Die Gruppe verweist in zahlreichen Einträgen auf ihre Vorbilder in Dresden.

Österreich

Der österreichische Ableger, der auf Facebook mehr als 10.000 Sympathisanten zählt, bedauerte die Absage der Dresdner Pegida-Demonstration am Montag infolge von Anschlagsdrohungen. Ebenso wie die Dresdner Bewegung rief Pegida Österreich ihre Anhänger auf, anstelle des Protests am Montagabend eine Kerze ins Fenster zu stellen und die Landesflagge aus dem Fenster zu hängen.

Schweiz

In der Schweiz tauchte vergangene Woche auf Facebook ein örtlicher Pegida-Ableger auf und erhielt mehr als 3000 Unterstützer. Die Gruppe rief für den 16. Februar zu einem Protestmarsch gegen den Islam auf. Der Ort der Demonstration wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Auch die Mitglieder wurden nicht namentlich genannt, mit Ausnahme von Sprecher Ignaz Bearth. Dieser ist Chef der Direktdemokratischen Partei Schweiz, die enge Verbindungen zur rechtsextremen französischen Front National pflegt. Zuvor gehörte Bearth der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) an.

Belgien

In Belgien tauchte auf Facebook die Gruppe Pegida Vlaanderen auf, die sich mit der deutschen Pegida solidarisch erklärte. „Von Flandern aus unterstützen wir die Pegida-Bewegung in Deutschland“, heißt es in dem Eintrag der Gruppe. Rund 4500 Nutzer klickten auf die Sympathie-Bekundung „Gefällt mir“. Die Gruppe regte eine Demonstration in Antwerpen am kommenden Samstag an, legte aber keinen Termin fest.

Spanien

Auch in Südeuropa hat die Pegida-Bewegung Sympathisanten. In einem Eintrag im Kurzbotschaftendienst Twitter hieß es vergangene Woche, der spanische Ableger sei am 8. Januar gegründet worden – einen Tag nach dem islamistischen Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris.

Auch der Autobauer Ford bezog Stellung, allerdings deutlich zurückhaltender: „Vielfalt, Freiheit und Solidarität zählen in einer Gesellschaft zu den tragenden Säulen, die es zu schützen und zu fördern gilt“, teilte Ford auf Handelsblatt-Anfrage mit. AmCham Germany [das American Chamber of Commmerce in Deutschland, Anmerk. der Redaktion] sowie Ford setzten sich für diese Werte gleichermaßen wie für unternehmerische Verantwortung aktiv ein. „Wir sprechen uns dagegen aus, die Vielfalt in der Gesellschaft zu beschränken.“

Das Bündnis „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) organisiert seit Mitte Oktober wöchentlich Demonstrationen in Dresden. Am Sonntag hatte das Bündnis dort erstmals seit der Terrordrohung gegen den inzwischen zurückgetretenen Pegida-Frontmann Lutz Bachmann wieder demonstriert. Es kamen gut 17.000 Menschen. Damit war die Teilnehmerzahl erstmals rückläufig. Zeitgleich gingen in Dresden erneut mehrere tausend Pegida-Gegner auf die Straße.

Für Montagabend sind in zahlreichen Städten erneut Kundgebungen von Pegida-Ablegern und Gegenaktionen angekündigt. In Dresden war unter dem Motto „Offen und bunt - Dresden für alle“ ein großes Konzert geplant, bei dem unter anderem Herbert Grönemeyer auftreten wollte.

Kommentare (66)

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Herr Edmund Stoiber

26.01.2015, 16:09 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

26.01.2015, 16:09 Uhr

Opel ist GM aus USA, einem oft kritisierten Land auch bei der PEGIDA.
Wen wundert es also, daß von dort Kritik kommt?

Die übrige Wirtschaft ist auf die Altparteien angewiesen, mit denen sie sich seit Jahren verständigen können - oft zum Nachteil der Menschen im Lande.

Daher treibt die Angst um Wählerstimmen sowohl die Altparteien als auch deren Nutznießer zum Verriß neuer Entwicklungen bei den Wählern.

Das ist einfach zu durchschauen - und daher auch weder besorgniserregend noch von Bedeutung.

Herr Alexander Knoll

26.01.2015, 16:18 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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