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08.10.2016

10:48 Uhr

Ditib

Kritik am Umgang mit Islamfeindlichkeit

Der islamische Dachverband Ditib hat eine Versachlichung der Islamdebatte gefordert. Öffentliche Beleidigungen von Muslimen blieben in der Regel weitgehend unbeachtet – selbst tätliche Angriffe würden ignoriert.

Der islamische Dachverband Ditib kritisiert eine ausbleibende öffentliche Abgrenzung von rassistischen Beleidigungen gegen Muslime in Deutschland. dpa

Islamfeindlichkeit

Der islamische Dachverband Ditib kritisiert eine ausbleibende öffentliche Abgrenzung von rassistischen Beleidigungen gegen Muslime in Deutschland.

KölnAngesichts jüngster Übergriffe auf Moscheen in Deutschland hat der islamische Dachverband Ditib vor zunehmender Islam- und Fremdenfeindlichkeit gewarnt - und Politik und Medien vorgeworfen, das Problem teilweise auszublenden. Eine Serie von Angriffen gegen Moschee etwa in Dresden oder Hamm sowie Drohungen und Hassbriefe an muslimische Gemeinden müsse alarmieren, erklärte die Türkisch-Islamische Union (Ditib) in Köln, die der staatlichen türkischen Religionsbehörde untersteht. Frauen mit Kopftuch würden offen beschimpft oder tätlich angegriffen.

„Gesellschaftliche Gegenreaktion oder Ächtung“ blieben oft lokal und zu schwach. Wichtig sei eine Versachlichung der Islamdebatte - und hier seien „in erster Linie nichtmuslimische Akteure unserer Gesellschaft in der Verantwortung“, hieß es in der Erklärung weiter.

Der Nazi-Jargon der AfD

Auffällige Nazi-Rhetorik bei einzelnen AfD-Politikern

Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, betont zwar, dass man nicht die gesamte (Alternative für Deutschland) AfD über einen Kamm scheren dürfe. „Doch einzelne Mitglieder pflegen eine auffällige Nazi-Rhetorik. Der Rhythmus, das sprachliche Diktum, die Emotionalisierung - es gibt einiges, was stark an die NSDAP-Sprache angelehnt ist.“ Und der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei ja schon „fanatisch in seiner Sprache“. Es folgen einige Beispiele.
Quelle: „Stern“, eigene Recherche.

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef

„3000 Jahre Europa! 1000 Jahre Deutschland!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (2)

„Erfurt ist … schön … deutsch! Und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (3)

„Das Boot ist übervoll und wird kentern.“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (4)

In einem Vortrag stellte Höcke das Bevölkerungswachstum Afrikas in einen Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, was weithin als biologischer Rassismus bewertet wurde. Er sprach von einem „Bevölkerungsüberschuss Afrikas“ und erklärte, der „lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp“ treffe in Europa auf den „selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp“. Dann schlussfolgerte er: „Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.“

André Poggenburg, Chef der AfD in Sachsen-Anhalt

In ihrem auf Facebook verbreiteten Weihnachtsgruß vom 24.12.2015 sprach die AfD Sachsen-Anhalt unter anderem davon, in der Weihnachzeit über die „Verantwortung für die Volksgemeinschaft und nächste Generation“ nachzudenken. Der verwendete Begriff „Volksgemeinschaft“ löste daraufhin eine Diskussion aus. Denn, so der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn von der Universität Göttingen bei „tagesschau.de“, der Begriff der Volksgemeinschaft sei historisch „eindeutig durch den Nationalsozialismus belegt“. Der Begriff sei in einer Demokratie unhaltbar, so der Professor, selbst wenn man sich auf den Standpunkt historischer Naivität zurückziehen würde. Die Idee einer Volksgemeinschaft sei generell nicht mit den Vorstellungen von Demokratie vereinbar.

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef

„Es wird Zeit, dass wir das Schicksal des deutschen Volkes, damit es ein deutsches Volk bleibt, aus den Händen dieser Bundeskanzlerin nehmen.“

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef (2)

„Das Boot ist voll. Auch um der Flüchtlinge willen muss Deutschland jetzt die Notbremse ziehen.“

Frauke Petry, AfD-Bundesvorsitzende

„Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen.“

Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der Jungen Alternative (JA)

„Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde.“

Deutsche Muslime würden von Rechtspopulisten und Rassisten als „demokratieunfähig, integrationsunwillig oder gar als gefährlich“ diffamiert. Dabei teilten sie ausdrücklich die gemeinsamen Grundwerte und lebten das auch in Alltag und Gemeindearbeit vor.

Ditib war vor kurzem in die Kritik geraten, weil die Organisation einen Comic der Religionsbehörde verwendet hatte, in dem der Märtyrertod verherrlicht wird. Nordrhein-Westfalen etwa hatte daraufhin die Zusammenarbeit abgebrochen.

Von

dpa

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