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28.12.2011

06:40 Uhr

DIW-Chef zur Euro-Krise

„Lohnzurückhaltung wäre volkswirtschaftlicher Unsinn“

Angesichts der Ungleichgewichte in der Euro-Zone plädiert DIW-Chef Gert Wagner für höhere Löhne in Deutschland. Die Lohnpolitik müsse sich am volkswirtschaftlichen Verteilungsspielraum ausrichten.

Gert Wagner, Vorstandsvorsitzender des DIW. Reuters

Gert Wagner, Vorstandsvorsitzender des DIW.

BerlinDas Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält im neuen Jahr eine Zurückhaltung bei Lohnerhöhungen als Reaktion auf die Euro-Schuldenkrise nicht für notwendig. Der DIW-Vorstandsvorsitzende Gert Wagner sagte der Nachrichtenagentur dapd, die Lohnpolitik sollte sich „am volkswirtschaftlichen Verteilungsspielraum ausrichten“. Er halte Lohnabschlüsse „von im Schnitt gut drei Prozent“ für möglich.

Wagner fügte hinzu: „In manchen Branchen kann es auch deutlich mehr sein, in anderen Wirtschaftszweigen weniger.“ Insgesamt wären Lohnabschlüsse am besten, „die sich an den Produktivitätsfortschritten und der Teuerung auf mittlere Sicht orientieren und nicht dem konjunkturellen Auf und Ab nachrennen“.

Wagner mahnte: „Gerade wegen der Eurokrise wäre es volkswirtschaftlicher Unsinn, zur Lohnzurückhaltung aufzurufen.“ Deutschland müsse seine Binnennachfrage stärken. Wagner erläuterte: „Nur so kommen wir einer ausgeglichenen Leistungsbilanz näher - und das würde mit dazu beitragen, aus der Eurokrise herauszukommen.“ Die jahrelang schwache Lohnentwicklung hierzulande habe „zu den außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten beigetragen, die nun die Eurozone in die Krise gebracht haben“.

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Der DIW-Vorstandsvorsitzende betonte: „Man kann Griechenland zu Recht dafür kritisieren, dass das Land über seine Verhältnisse gelebt hat. Deutschland hat aber unter seinen Verhältnissen gelebt.“ Denn wegen der „immer ungleicheren Verteilung der Einkommen und Vermögen“ sei der private Konsum schwach geblieben - „und es lohnte sich deshalb auch immer weniger, in Deutschland zu investieren“.

Wagner fügte hinzu: „Entsprechend floss das Geld ins Ausland ab - und hat dort die Krise mit verursacht, indem es in Griechenland zu einem aufgeblähten Staatssektor und in Spanien zu einer riesigen Immobilienblase geführt hat, deren Platzen jetzt die Arbeitslosigkeit auf fast 25 Prozent hochgetrieben hat.“

Von

dapd

Kommentare (36)

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Account gelöscht!

28.12.2011, 08:08 Uhr

Es reicht keineswegs aus, nur die Entstehungseite von Einkommen zu betrachten. Über Jahrzehnte hinweg wurde es versäumt, eine breitgestreute Bildung von Beteiligungen an produktivem Vermögen, sprich betrieblichem Kapital, zu fördern.

Anteile an produktivem Vermögen mit dauerhaften Kapitalerträgen in der Hand von vielen Angestellten (und auch Unbeschäftigten) würden einen wichtigen Teil zu einem permanenten Basiseinkommen beitragen und auf diesem Weg gegen Armut und staatliche Sozialhilfe wirken.

Account gelöscht!

28.12.2011, 08:26 Uhr

Lieber Ernst,
jetzt reicht uns der DIW den kleinen Finger und sie fordern die ganze Hand.

Für mich ist es schon eine Sensation, dass einer aus diesen Kreisen so klare Worte über "Schuld" äussert. Jetzt bin ich gespannt, wie die Anderen aus diesen Kreisen, wie z.B. Herr Hundt, auf diese Meldung reagieren.

Maxwell

28.12.2011, 08:28 Uhr

Das sind doch alles Erkenntnisse die auch den großen Parteien lange vorgelegen haben.Trotzdem zog dir Mär von den AG das Deutschland nicht Wettbewerbsfähig sei.Dazu gehörte wie in der Vergangenheit Nullrunden,Rentenanpassung,ein vorenthaltener Mindestlohn usw.Alles nur den Südeuropäern an Ihrer Mißwirtschaft festzumachen ist zu wenig.Auch die Gewerkschaften haben dieses Spiel mitgemacht.Mit dem Ergebniss das der ganze Osten Wildwestlöhne zahlt.Hier ist die Politik in der Bringschuld und lenkt mit Ihrer Starrheit von ihren eigenen Versäumnissen ab.Den Deutschen sollte langsam ein Licht aufgehen was hier geschehen ist.

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