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02.09.2016

07:35 Uhr

DIW-Studie

Eine Flüchtlingswelle als Hoffnung für den Arbeitsmarkt

Neue Erkenntnis: Flüchtlinge, die zwischen 1990 und 2010 nach Deutschland gekommen sind, haben oftmals eine geringere Berufsqualifikation. Dennoch haben sie sich in den Arbeitsmarkt integriert. Aber wie?

Gerade die Sprachbarriere und die formalen Hürden erschweren Flüchtlingen die Jobsuche. Das könnte sich bald ändern. dpa

Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren

Gerade die Sprachbarriere und die formalen Hürden erschweren Flüchtlingen die Jobsuche. Das könnte sich bald ändern.

Die Flüchtlingsfrage entscheidet gleichermaßen über Landtagswahlen und die Zukunft der Europäischen Union. Dabei sind die Streitpositionen oft rein hypothetisch. Parallelgesellschaften würden entstehen, sagen die einen. Die vielen Geflüchteten sind eine (nicht nur) ökonomische Bereicherung für den alternden Kontinent, sagen die anderen.

Dabei gibt es kaum verlässliches Datenmaterial, dass die Frage sachgerecht beantworten könnte. Eine Gruppe von Forschern hat deshalb untersucht, wie die Integration von Flüchtlingen gelungen ist, die bereits vor der letzten Migrationswelle nach Deutschland gekommen sind – und daraus Rückschlüsse auf die gegenwärtige Situation gezogen.

Etappen der Flüchtlingskrise

25. August 2015

Deutschland setzt das Dublin-Verfahren für Syrer aus. Das bedeutet, die Flüchtlinge werden nicht mehr in das Land zurückgeschickt, in dem sie zuerst EU-Boden betreten haben.

31. August 2015

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nennt die Bewältigung des Flüchtlingszuzugs eine „große nationale Aufgabe“ und beteuert: „Wir schaffen das.“

04. September 2015

Deutschland und Österreich entscheiden, Tausende Flüchtlinge und Migranten aufzunehmen, die in Ungarn gestrandet sind. Bei der Ankunft in Deutschland werden die Menschen bejubelt. CSU-Chef Horst Seehofer fühlt sich übergangen und warnt vor Überforderung.

23. September 2015

Die EU-Staats- und Regierungschefs beschließen, die Hilfen zu erhöhen und 160.000 Flüchtlinge auf die Mitgliedsländer zu verteilen. Eine große Entlastung für Deutschland bleibt aus.

15. Oktober 2015

Der Bundestag beschließt ein neues Asylrecht. In die Länder Albanien, Kosovo und Montenegro können Menschen nun leichter abgeschoben werden. Asylbewerber sollen möglichst nur Sachleistungen erhalten.

05. November 2015

Die Koalition verständigt sich auf besondere Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge mit geringen Bleibechancen. Zudem wird eine zweijährige Aussetzung des Familiennachzugs bei Flüchtlingen mit niedrigerem Schutzstatus beschlossen.

20. November 2015

Auf dem CSU-Parteitag in München lehnt Merkel die CSU-Forderung nach einer Obergrenze für die Zuwanderung strikt ab.

09. März 2016

Nach Slowenien, Kroatien und Serbien schließt auch Mazedonien seine Grenzen für Flüchtlinge und andere Migranten. Damit ist die Balkanroute faktisch dicht, über die 2015 mehr als eine Million Menschen nach Deutschland und Österreich gekommen waren.

18. März 2016

Die EU und die Türkei einigen sich darauf, Migranten, die illegal in Griechenland ankommen, in die Türkei zurückzuschicken. Im Gegenzug soll für jeden zurückgenommenen Syrer ein anderer Syrer legal und direkt von der Türkei aus in die EU kommen.

04. April 2016

Die Rückführung von Flüchtlingen und anderen Migranten von Griechenland in die Türkei sowie die Umsiedlung von Syrern aus der Türkei in die EU beginnt.

Flüchtlinge bringen im Durchschnitt eine geringere formale Berufsqualifikation mit als andere Migranten. Das zeigt die Studie, in der Forscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Berliner Humboldt-Universität untersuchen, wie sich Geflüchtete, die zwischen 1990 und 2010 nach Deutschland gekommen sind, in den Arbeitsmarkt integriert haben. Demnach hat mehr als die Hälfte aller Geflüchteten, die bei der Zuwanderung älter als 23 waren, keinen Berufsbildungsabschluss aus dem Ausland mitgebracht. Jedoch berichteten 86 Prozent, bereits Berufserfahrung im Ausland gesammelt zu haben.

Zerrin Salikutluk, die an der Studie beteiligt war, begrüßt deshalb die jüngsten Bestrebungen, im Ausland erworbene Qualifikationen anzuerkennen: „Zudem sollten Geflüchtete besser über Möglichkeiten informiert werden, ihre Abschlüsse und Erfahrungen aus dem Ausland in Deutschland anerkennen zu lassen.“

Denn oft scheitern Flüchtlinge am heimischen Arbeitsmarkt an den hohen formalen Hürden, die viele Arbeitgeber setzen. Oft gilt: Ohne Schulabschluss oder absolvierte Lehre gibt auch keinen Job. Das schlägt sich auch in weiteren Zahlen nieder: So waren Geflüchtete 2013 besonders stark von Erwerbslosigkeit betroffen. Wer dennoch einen Job gefunden hat, war oft auf informellem Weg erfolgreich.

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