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13.02.2013

14:13 Uhr

DIW-Studie zu Selbständigen

Gebildet, frei – und arm

VonDietmar Neuerer

„Der arme Poet“ , so wie ihn Carl Spitzweg malte, wird in Deutschland zum Massenphänomen: Eine Studie zeigt, dass sich viele Menschen notgedrungen selbständig machen. Mit dem Geldverdienen allerdings hapert es dann.

Eine Geschäftsfrau mit Aktenordnern: Viele Alleinunternehmer sind gebildet und verdienen dennoch mit ihrer selbständigen Tätigkeit relativ wenig. dpa

Eine Geschäftsfrau mit Aktenordnern: Viele Alleinunternehmer sind gebildet und verdienen dennoch mit ihrer selbständigen Tätigkeit relativ wenig.

BerlinMit der Krise verloren viele Beschäftigte ihren Arbeitsplatz. Um nicht gänzlich aus dem Arbeitsleben zu verschwinden, wagten einige den Sprung in die Selbständigkeit. Das führte jedoch nicht etwa dazu, dass sich nun Unternehmen gründeten mit einer Vielzahl von Beschäftigten. Im Gegenteil: Der kräftige Anstieg der Zahl der Selbständigen in Deutschland ist fast ausschließlich auf die Ausweitung der so genannten Solo-Selbständigkeit zurückzuführen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Die Expertise deckt sich mit Untersuchungen anderer Forscher. So konstatiert das Tübinger Institut für angewandte Wirtschaftsforschung der Wirtschaftsweisen Claudia Buch sogar, dass die Zahl der Unternehmer ohne weitere Beschäftigte bereits Anfang dieses Jahrtausends die der Selbständigen mit Beschäftigten überschritten hat. Laut DIW erhöhte sich die Zahl der Solo-Selbständigen vom Jahr 2000 bis 2011 um rund 800.000 auf 2,6 Millionen. Diesem Plus von rund 40 Prozent stand im gleichen Zeitraum bei den Selbstständigen mit Beschäftigten ein Plus von nur 3 Prozent gegenüber.

Was beim Businessplan wichtig ist

Häufigster Fehler

Einer der häufigsten Fehler ist, dass der Gründer zu sehr von sich ausgeht und im Eifer Kunden und Geldgeber aus den Augen verliert. Daher immer wieder die Perspektive wechseln und den Businessplan aus der Sicht der Kunden bzw. Investoren machen.

Was steht drin?

Ein Businessplan sollte nicht nur formalen Ansprüchen genügen, sondern auch eine Reihe von inhaltlichen  Punkten abdecken. Dazu gehören ein ordentlich ausgefülltes Deckblatt, die Darstellung der eigenen Person, das Konzept, der Kapitalbedarfsplan, der Finanzierungsplan, eine Ertragsvorschau, der Liquiditätsplan und die Anlagen.

Die eigene Motivation

Sehr wichtig ist es, in einem Businessplan die eigene Motivation glaubwürdig zu formulieren. Ehrlichkeit siegt zwar, aber geizen Sie nicht mit Eigenlob. Machen Sie klar, dass Sie und Ihr Unternehmen eine Perspektive haben!

Das optimale Konzept

Handeln Sie die folgenden Punkte exakt durch: Geschäftsidee (Vergleich mit etablierten Unternehmen, Hintergrundinformationen beifügen), Darstellung Markt und Branche inklusive Zukunftsbetrachtung (Recherche lohnt sich!) und Vertriebs- sowie Marketingstrategie (nicht nur Werbung, sondern Image-Bildung).

Der Kapitalbedarfsplan

Ihr Konzept steht – nun geht es darum, wie viel Kapital Sie für die Umsetzung brauchen. Listen Sie alle Posten auf, die bei der Gründung Geld kosten werden. Vergessen Sie nicht, dass Sie und Ihre Familie auch von etwas leben müssen. Simone Janson bietet in ihrem Buch eine hilfreiche Übersicht.

Der Liquiditätsplan

Die Finanzierung des Unternehmens ist das eine, doch die dauerhafte Liquidität das andere. Sie müssen gewährleisten, dass Ihre Firma stets flüssig ist. Das Schreiben einer Rechnung bedeutet noch nicht, dass sie auch bezahlt wird. Für das erste Jahr sollten sie den Liquiditätsplan am besten monatlich erstellen.

Ertragsvorschau

Schließlich sollten Sie eine Übersicht darüber gewinnen, ob ihr Unternehmen dauerhaft tragbar ist. Das gefällt auch potenziellen Geldgebern. Eine Rentabilitätsvorschau, auch Ertragsvorschau genannt, ist Zentral für den Erfolg Ihrer Existenzgründung.

Nicht stur sein

Ein Businessplan hilft Ihnen als Orientierung. Aber eine Planung bedeutet nicht, ein für allemal darauf festgelegt zu sein. Es ist völlig normal, anfängliche Ideen zu verändern.

Zu finden sind die Alleinunternehmer insbesondere beim Handwerk. „Aber sehr viele Solo-Selbständige sind noch immer in der Landwirtschaft, im Handel, bei den Finanzdienstleistungen und in der Versicherungsbranche zu finden, auch wenn die Zahl in diesen Bereichen abnimmt“, sagt der DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke. Auf der anderen Seite gebe es auch kräftige Zuwächse in zum Teil höher qualifizierten Berufen, wie bei Publizisten oder Künstlern, zum Teil aber auch in Berufen, die eine geringe Qualifikation verlangten, beispielsweise im Reinigungsbereich.

Wie Sie an Geld kommen

Staatliche Förderprogramme

Seitens des Bundes, der Länder und der EU werden Existenzgründern zahlreiche Fördermöglichkeiten geboten. Dabei gehören die Kreditprogramme der KfW Mittelstandsbanken zu den wichtigsten. Dazu zählen das KfW-Startgeld, das Unternehmerkapital sowie der Unternehmerkredit.

Banken

In der Regel sind Banken der erste Ansprechpartner, wenn es um das Startkapital geht. Im Gegensatz zu staatlichen Förderprogrammen handelt es sich aber um Fremdkapital, dass Sie mit Zinsen zurückzahlen müssen. Üblicherweise müssen Sie ein Geschäftsfoto eröffnen müssen, das teurer ist. Gesetzlich ist aber nichts vorgeschrieben. Bitten Sie also Ihre Bank, ob ein gewöhnliches Girokonto reicht.

Leasing

Wenn Sie investieren wollen, aber kein Eigenkapital besitzen und kein Fremdkapital aufnehmen wollen, können sie das Investitionsgut leasen. Das geht entweder beim Hersteller des Gutes selbst oder über ein Finanzinstitut. Leasingverträge haben große Ähnlichkeit mit Mietverträgen. Ihr größter Vorteil ist, dass Sie die Summe nicht auf einmal berappen müssen. Das Risiko besteht in der Insolvenz Ihres Unternehmens, dann nämlich können Sie das Gut nicht einfach verkaufen.

Venture-Capital-Gesellschaften

Venture-Capital-Gesellschaften vergeben Kapital, ohne Sicherheiten zu verlangen. Im Gegenzug erwerben sie aber Beteiligungen an Ihrem Unternehmen und erwarten erhebliche Wertsteigerungen. Dafür vermitteln Venture-Capital-Gesellschaften aber auch wichtige Kontakte.

Private Investoren

Wer lieber auf private Investoren setzt, sollte sie in seinem nahen Umfeld suchen. Günstiger als ein Bankkredit ist das allemal, allerdings handelt es sich hierbei eher um kleinere Summen. Achtung bei Geldgebern aus der Familie: Hier schaut das Finanzamt in der Regel ganz genau hin.

Dass sich Arbeitnehmer, denen der Verlust des Arbeitsplatzes droht, selbst helfen, indem sie sich selbständig machen, ist einerseits lobenswert. Andererseits bringt diese Entwicklung fatale Nebenwirkungen mit sich – insbesondere was die Entlohnung betrifft. Unter den Solo-Selbständigen zeigt sich laut der DIW-Studie eine große Einkommensspreizung. Ein Teil dieser Personen erziele recht hohe Einkommen, im mittleren Bereich der Verteilung seien die Erwerbseinkünfte allerdings geringer als bei den „normalen“ Arbeitnehmern, und knapp ein Drittel erreiche lediglich Einkünfte, wie sie die Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor erhalten. „Der Durchschnittsverdienst liegt bei etwas weniger als 13 Euro brutto pro Stunde“, sagt Brenke.

Tipps für die Rechtsform

Einzelunternehmer

Egal ob Freiberufler oder Unternehmer: Wenn Sie Ihr Unternehmen alleine leiten, sind sie „Einzelunternehmer“. Eine Rechtsform, die sich zum Einstieg sehr gut eignet. Ein Vorteil ist die leichte Besteuerung, da Sie keine komplette Bilanz abgeben müssen, sofern Sie nicht als Kaufleute im Handelsregister stehen.

Tipps für den Einzelunternehmer

Wenn Sie freiberuflich und gewerblich tätig sind, sollten Sie die Bereiche strikt trennen. Sonst gelten alle Einkünfte als gewerblich. Sofern keine Ehevertrag geschlossen wurde, wonach die Beteiligten den Güterstand der Gütergemeinschaft gewählt haben, haftet der Ehepartner grundsätzlich nicht für Ihre Verbindlichkeiten.

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Wenn sie mit anderen zusammen ein Unternehmen gründen, bietet sich die GbR an. Jede Geschäftspartnerschaft kann diese Rechtsform annehmen. Besondere Formalitäten und Mindestkapital sind nicht notwendig. Allerdings sollten Sie einen schriftlichen Vertrag abschließen.

Nachteile der GbR

Sofern es nicht anders geregelt ist, müssen alle Geschäftsführer der GbR wichtigen Entscheidungen zustimmen, was die Unternehmensführung stark beeinträchtigen kann. Zudem haften alle. Wenn also ein GbR-Gesellschafter einen Fehler macht, sitzen alle mit im Boot. Umso wichtiger ist ein korrekter Gesellschaftervertrag.

Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Die OHG ist die Fortentwicklung der GbR. Der Eintrag ins Handelsregister ist Pflicht, was zur Bilanzierung verpflichtet. Dafür darf sich die OHG ihren Namen selbst aussuchen. Später kann eine OHG leicht in eine GmbH umgewandelt werden. Durch die Aufnahme von Kommandisten (reine Geldgeber) wird die OHG zur Kommanditgesellschaft.

Partnerschaft

Als Alternative zur GbR wurde für Freiberufler die voll geschäftsfähige Partnerschaft geschaffen. Ihre Mitglieder können die persönliche Haftung im Gesellschaftervertrag beschränken. Gegründet wird eine Partnerschaft per Vertrag. Zulässig ist sie allerdings nicht für jeden Beruf. Ihr großer Vorteil ist, dass jeder Partner nur für sich haftet.

Kommentare (36)

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Subcomandante_M

13.02.2013, 14:25 Uhr

Sie können sich ja gerne mal am IT Markt mit seinen tausenden von Freelancern umsehen. Die allermeisten Firmen verhandeln nicht mehr mit KMUs aus dem Dienstleistungssektor sondern mit den großen Vermittlern von Freelancern wie Hays, gulp, o.ä. Das bedeutet, dass ein Unternehmen sich mittlerweile nach der Decke (= Tagessatz) strecken muss, die von Freelancern vorgegeben wird. Mit dem kleinen Unterschied, dass das Unternehmen für seine Mitarbeiter ALLE Sozialabgaben entrichtet, die Freelancer aber nur in den seltensten Fällen selbiges tun.
Ich will hier nicht nach Protektionismus rufen, aber als Vermittler lebt es sich besser als als Unternehmer, kein Risiko, nichts; volkswirtschaftlich ist das nur schädlich. Da macht übrigens die Schweiz uns wieder mal was vor, aber politisch ist nichts anderes gewollt.

Architekt

13.02.2013, 14:33 Uhr

Ich bin einer davon. Nach dem Diplom, 1/3 Stelle an Hochschule immer auf ein Jahr befristet und zusätzlich scheinselbständig. Dann Bürogründung mit Hilfe duch Ich-AG, darin Krankenkasse enthalten. Nach Förderungsende war der Krankenkassenbeitrag (gesetzlich 350 €) nicht mehr aufzubringen... %$%§$%/%(&(/!

hermann.12

13.02.2013, 14:35 Uhr

Bis einem gewissen Grade gehörte ich auch zu diesen Selbständigen. Das würde ich heute nicht mehr wiederholen.
Aber nicht wegen der Gründe die hier genannt werden, die sind allesamt Sekundärerscheinungen des eigentlichen Problems.
Das größte Problem ist das Kostenproblem. Staatliche Auflagen von der Sozialversicherung über Steuern, berufliche Zulassungsbeschränkungen und Genehmigungen, ständige rechtliche Veränderungen und hochsubventionierte und durchregulierte Märkte machen die Selbständigkeit für die Meisten chancenlos.
Ich konnte mich trotz konkurrenzlos niedriger Preise und Qualität nicht durchsetzen, weil im B to B Geschäft nicht ökonomische Kriterien wichtiger waren als die Wirtschaftlichkeit. Überall dort wo man unrentable aber hochsubventionierte Bestandsstrukuren Konkurrenz macht, werden eher die Subventionen und staatlichen Schutzmassnahmen erhöht um die Strukturen zu schützen.

Trotzdem war mich und für viele Andere die Selbständigkeit immer noch die bessere Alternative. Besonders dann, wenn man nicht unter das Scheinselbständigkeits Gesetz fiel, weil man so annähernd den Lebensstandard halten konnte, den man sonst nicht hätte halten können.
Das Scheinselbständigkeitsgesetz war dann wiederum eine Massnahme um die damit entstehende günstige Konkurrenz für überteuerte Sozialversicherungsbeschäftigte auszuschalten.


Letztlich besteht das Problem darin, dass die Betroffenen nur zu deutlich schlechteren Konditionen zurück in den abhängigen Arbeitsmarkt können, da dort die Nachfrage zu gering ist für die betroffenen Qualifikationen.
Da aber ehemalige Selbständige, die kein Hartz IV beantragen nicht in der Arbeitslosenstatistik geführt werden, interessieren sie auch nicht.
die anderen, nun ja, die sind halt nicht so erfolgreich, wie die Karriereheinis, die meistens nur die bessere rechtliche Garantie hatten (Sozialauswahl) oder schlicht nach dem Prinzip "Ober sticht Unter" bessere Chancen hatten.
Wohin das führt sieht man bei den Banken.

H.

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