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11.01.2017

08:52 Uhr

DIW zur Frauenquote in Finanzbranche

Noch 80 Jahre bis zur Gleichberechtigung

VonDietmar Neuerer

Obwohl die meisten Beschäftigten im Finanzsektor Frauen sind, besetzen nur wenige von ihnen Führungspositionen. Vor allem Banken hinken hinterher. Warum das so ist, hat eine Studie des DIW untersucht.

Negativbeispiel Finanzbranche: Die Chefetagen von Banken und Versicherungen werden nach wie vor von Männern dominiert. dpa

Frauenquote

Negativbeispiel Finanzbranche: Die Chefetagen von Banken und Versicherungen werden nach wie vor von Männern dominiert.

BerlinEine ausgeglichene Repräsentation von Frauen und Männern in den Spitzengremien des Finanzsektors bleibt in weiter Ferne. Vor allem die Banken hinken beim Thema Frauenquote hinterher. Laut dem aktuellen Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) fallen die Geldhäuser gegenüber den Versicherungen nun auch beim Frauenanteil in Aufsichtsräten zurück. Die Studie, die am Mittwoch vorgestellt werden soll, lag dem Handelsblatt vorab vor.

Die Aufsichts- und Verwaltungsräte der 100 größten Banken waren demnach Ende des Jahres 2016 zu gut 21 Prozent mit Frauen besetzt. Damit stagnierte der Anteil gegenüber dem vorangegangenen Jahr. Bei den vom DIW in den Blick genommenen 59 größten Versicherungen betrug der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien hingegen gut 22 Prozent – ein Anstieg um rund drei Prozentpunkte. Erstmals seit dem Jahr 2006 lagen die Versicherungen damit vor den Banken.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Besetzung von Vorstandsposten. Der Anteil von Frauen an allen Vorstandsmitgliedern in den größten Versicherungen lag mit fast zehn Prozent rund zwei Prozentpunkte über dem der Banken. Von den 100 größten Geldhäusern hatten demnach Ende vergangenen Jahres 30 Institute mindestens eine Frau im Vorstand – zwei mehr als im Vorjahr. Der Frauenanteil in Vorständen lag damit bei gut acht Prozent.

Zehn-Punkte-Plan für mehr Frauen im Management

1. Ziel: Mehr Frauen in die Geschäftsführung

Wer in der ersten Liga mitspielen will, muss auch bei der Frauenquote vorangehen.

2. Mindestens drei Frauen auf Ebene direkt unter der Geschäftsführung

Frauen an der Spitze sollten sichtbar sein. Eine Frau allein wird oft als Quotenfrau und nicht als Expertin wahrgenommen.

3. Mindestens Zweidrittel der Frauen für obere Führungspositionen intern rekrutieren

Das Signal: Frauen aus der Belegschaft können etwas werden. Mögliche Absicherung: Sie werden gezielt durch Mentoren gefördert.

4. Bewusstes Bekenntnis und sichtbare Wahrnehmung

Eine klare, ambitionierte Positionierung in der Frauenfrage setzt Signale nach innen und außen und zieht potenzielle Bewerberinnen an.

5. Jeder Manager hat mindestens eine Vorgabe zur Frauenförderung als Zielvereinbarung

Nur wenn das Thema Frauen direkt auf Beurteilung und Vergütung durchschlägt, wird es ernsthaft angegangen. Nur dann öffnen Männer ihre Netzwerke.

6. Vier der zehn wichtigsten Projekte (mit-)verantworten Frauen

Das macht Frauen als Expertinnen visibel und verschafft ihnen Netzwerke.

7. Jede Konferenz mit weiblichen Fachredner auf dem Podium

Frauen erhalten als Expertinnen Gehör und Respekt.

8. Organisation von Meetings mit Rücksicht auf Familie

Familiäre Verpflichtungen grenzen sonst von Informationen und Entscheidungen aus.

9. Jede Stellenausschreibung gendersensibel formulieren

Männlich konnotierte Begriffe wie „durchsetzungsstark“ schrecken viele Frauen von der Bewerbung ab.

10. Auf den Vorschlagslisten der Headhunter stehen 30 Prozent Frauen

„Wer sucht, der findet“, gilt auch für Personalberater.

Quelle: Marie-Claire Tietze, Senior Managerin bei KMPG und Expertin für Führungskultur und Vielfalt.

Der Befund ist schon deshalb bemerkenswert, da im Finanzsektor nach wie vor mehr Frauen als Männer beschäftigt sind (je nach Wirtschaftszweig zwischen 50 und 59 Prozent). Im Branchenvergleich ist laut DIW die Wahrscheinlichkeit für Frauen, in einer hohen Führungsposition zu sein, im Finanzsektor sogar besonders gering.

Laut DIW wurden die Top-100-Banken inzwischen auch von den Top-100-Unternehmen außerhalb des Finanzsektors überholt, was den Frauenanteil in Aufsichtsräten betrifft. „Das liegt an der vergleichsweise geringen Dynamik bei den Banken seit dem Jahr 2010“, schreibt das Forschungsinstitut. Damals habe die Diskussion um die Frauenquote in Aufsichtsräten Fahrt aufgenommen.

Im Mai 2015 hatte die Bundesregierung dann mit dem Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen den Druck auf Wirtschaft und Verwaltung erhöht. Seit dem 1. Januar 2016 verpflichtet das Gesetz Unternehmen, die börsennotiert sind und der paritätischen Mitbestimmung unterliegen, zu einer Geschlechterquote im Aufsichtsrat von 30 Prozent. Unternehmen, die entweder börsennotiert oder mitbestimmt sind, sind seither verpflichtet, Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und der obersten Management-Ebene festzulegen. Banken unterliegen in dieser Hinsicht also denselben Vorgaben wie Versicherungen.

Kommentare (19)

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Herr Alessandro Grande

11.01.2017, 09:58 Uhr

@Dietmar Neuerer: Mit diesem Artikel disqualifiziert sich das DIW und auch das HB. Denn Frauen können im Grunde seit Jahren alles erreichen, gerade in Großunternehmen, wenn sie denn nur nachhaltig wollen UND das auch artikulieren und danach handeln.
Liegt es doch an den i.d.R. genauso gut oder sogar besser ausgebildeten Frauen selbst, dass sie eben nicht oft ganz oben anzutreffen sind.
Gründe: Familienplanung, fehlender Mut, Unwohlsein ganz allein an der Spitze zu stehen, fehlende Harmonie, normale Machtspielchen, welche man nicht ertragen kann, zu wenig Freizeit, ständige Beobachtung, extremer Erfolgsdruck an der Spitze, Unvermögen mit den anders agierenden Männern klar zu kommen (Merkel kann auch alles Andere als das, aber bei der fehlen noch ganz andere Skills), fehlende Härte und Strategie.
Und dass ein CEO- oder Aufsichtsratsposten kein Kindergeburtstag ist Weiss jeder und das muss und soll auch so bleiben.
Die Diskussion darüber, wie lange es noch braucht, bis Frauen "gleichberechtigt" sind ist demnach vollkomnmen absurd, denn sie sind es. Richtig wäre zu fragen, wann Frauen flächendeckend so agieren wie es dem Unternehmen nachhaltig am besten tut und sich dabei VOLL einbringen. Und das bitte liegt NUR an den Frauen selbst, nicht jedoch an den Unternehmen und Männern. Frauen werden im 21. Jahrhundert in den westlichen Ländern nicht behindert, sondern sie limitieren sich selbst.

Herr Ciller Gurcae

11.01.2017, 10:46 Uhr

Man muß wissen, daß der fleiißige Deutsche Arbeiter und Ingenieur für alle diese Faxen das Geld erwirtschaften muß. Es wird zwangsweise von seiner Entlohnuing einbehalten, so daß er sich nach Lage der Dinge kein Haus bauen kann und keine Familie gründen kann. Das Geld muß er abliefern für Vorstandsfrauen, Betriebsräte, Ausländerquote, Frauenquote, Homotickets, Vergenderung u.s.w. . Sklaverei ist nichts dagegen.

Wenn der Chinese hier übernimmt, dann hört dieser Wahnsinn auf. Da gibt es Arbeit, Volldampf, und es bleibt keine Zeit für diese Genderfaxen.

Kann es kaum erwarten.

Stephan G.

11.01.2017, 10:56 Uhr

95% meiner weiblichen Bekannten sind Akademiker, darunter viele mit einem Betriebswirtschaftlichen, teils sogar Finanzwirtschaftlichen Studium.
Aber fast alle haben sich in Richtung HR, Marketing/PR etc. weiterentwickelt - auf Zahlen, Deckungsbeiträge, ROI etc. haben die meisten keine Lust.
Ebenso wenig wie auf Machtkämpfe mit Testosteron-Hähnen, zumindest nicht dauerhaft.

Das Thema "Gender Pay Gap" ist wenig aussagekräftig, wenn man nicht berücksichtigt, dass Frauen natürlicherweise aufgrund Familienplanung und -Betreuung weniger arbeiten als Männer (oder mit Lücken).
Männer sollen mehr familiäre Verantwortung übernehmen - gerne (mache ich z.B. - ich kann mir meine Zeit aber zu 100% einteilen). Allerdings gibt es SEHR VIELE Frauen, die einen "Hausmann" unattraktiv finden würden (er muss der erfolgreiche Typ sein ( vielleicht auch mächtige) - und dadurch sexy).
Das macht das ganze nicht einfacher.

Meine Prognose ist, dass sich das ganze vielleicht etwas "auflöst" wenn die heute 20-30jährigen einen größeren Anteil an den (potentiellen) Führungskräften haben.
Hier ist das Denken im Bereich Life/Work-Balance und Übernahme von familiären Pflichten m.E. besser geeignet auch die Frauen verstärkt in Führungspositionen zu etablieren.

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