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23.01.2014

21:04 Uhr

DLR

Forscher wollen Gabriel bei Energiewende helfen

Bei der Umsetzung der Energiewende ist ein Knackpunkt die Speicherung – das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt könnte hier Abhilfe schaffen. Die Forscher haben dem Bundeswirtschaftsminister ein Angebot gemacht.

Windräder drehen sich vor dem RWE-Braunkohle-Kraftwerk Niederaußem bei Bergheim: Forscher des DLR und Gabriel wollen sich im Februar treffen. dpa

Windräder drehen sich vor dem RWE-Braunkohle-Kraftwerk Niederaußem bei Bergheim: Forscher des DLR und Gabriel wollen sich im Februar treffen.

BerlinDer Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner, will Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ein Angebot zur Energiewende machen. Grundlegend seien Probleme der Vernetzung und Speicherung, das DLR biete gerade auf diesem Feld Lösungen an. „Wir können einen entscheidenden Beitrag leisten“, sagte Wörner am Donnerstag in Berlin.

Ein Gespräch mit Gabriel sei für Februar vereinbart worden. Das DLR ist neben der Forschung in der Luft- und Raumfahrt auch auf Sektoren wie der Verkehrs-, Energie- und Sicherheitstechnik aktiv. Von der neuen Bundesregierung erwartet Wörner, „dass sie die Raumfahrt im gleichen Umfang fördert wie bislang“.

Das Budget Deutschlands in der Raumfahrt liegt bei einer Milliarde Euro, davon entfallen rund 765 Millionen Euro auf die europäische Raumfahrt. In diesem Jahr stünden wichtige Weichenstellungen an. Dazu zählte Wörner die endgültigen Entscheidungen zur europäischen Trägerrakete Ariane 5ME sowie zum Zeitplan für die Entwicklung der Ariane 6 als Nachfolgesystem.

Das Energie-Konzept von Wirtschaftsminister Gabriel

Ausbaukorridore

Der Neubau von Wind-, Solar- oder Biomasseanlagen wird gesetzlich gesteuert. So sollen jährlich Windräder an Land mit maximal 2500 Megawatt Leistung gebaut werden. Gleiches gilt für Solaranlagen. Dies wäre für beide Erzeugungsarten weniger als 2013 installiert wurde. Zudem wird damit das bisherige Solar-Regierungsziel von 2500 bis 3500 Megawatt kassiert. Neue Biogasanlagen sollen nur noch mit maximal 100 Megawatt ans Netz gehen. Zum Vergleich: Ein mittleres Kohlekraftwerk hat etwa 500 Megawatt Leistung.

Förderhöhe

Die Fördersätze für Neuanlangen sollen – bis auf Solar – überall nochmals gekürzt werden. Bei Windenergie an guten Standorten, vor allem der Küste, soll der garantierte Abnahmepreis 10 bis 20 Prozent schrumpfen. Sollte der Ausbaukorridor überschritten werden, greifen zusätzliche Kürzungen. Die Vergütung für Strom aus Windanlagen auf hoher See sinkt 2018 und 2019 um jeweils ein Cent pro Kilowattstunde, was prozentual einem Minus ähnlich wie an Land entsprechen dürfte. Für Biogas-Anlagen werden Boni bei der Strom-Vergütung gestrichen und die Grundvergütung sinkt in den kommenden Jahren schneller.

Derzeit wird Ökostrom im Schnitt für 17 Cent pro Kilowattstunde den Produzenten abgekauft. Bei den ab 2015 gebauten Anlagen sollen es nur noch gut 12 Cent sein.

Ökostrom-Vermarktung

Das bisherigen System der auf 20 Jahre garantierten Abnahme- und Preisgarantie soll zügig fallen. Bereits Anlagen ab 500 Kilowatt Leistung müssen ihren Strom dann selber vermarkten, erhalten über eine Prämie zunächst aber einen Ausgleich bis zur festgelegten Garantie. Bis 2017 sinkt die Pflicht zur Direktvermarktung bis auf 100 Kilowatt, also praktisch für alle bis auf kleinere Solaranlagen auf Hausdächern.

Vor allem soll ab 2017 die Prämie als Aufschlag auf den Marktpreis per Ausschreibung für Investoren vorab festgelegt werden. Wer die geringste Prämie verlangt, bekommt den Zuschlag. Der Investor trägt dann zudem das Risiko sinkender Börsenstrompreise.

Eigenverbrauch und Industrie-Privilegien

Strom aus eigenen Kraftwerken, auf den derzeit keine Umlage zur Ökostrom-Förderung fällig wird, soll künftig mit einem Mindestsatz belegt werden. Die Frage der Rabatte auf die Umlage für große Teile der Industrie, gegen die auch die EU-Kommission vorgeht, bleibt im Eckpunktepapier offen. Hier wird zunächst eine Verständigung mit der EU erwartet.

Zeitplan

Die Eckpunkte sollen mit zusätzlichen Details als Gesetzentwurf am 9. April im Kabinett beschlossen werden. Bis 27. Juni soll der Bundestag zustimmen, der Bundesrat soll das Gesetz am 11. Juli passieren lassen. In Kraft treten könnte es so ab August.

Um einen massiven Ausbau zu den alten Konditionen in den kommenden Monaten zu verhindern, ist der kommende Mittwoch als Stichtag zumindest für die Windenergie vorgesehen. Nur Windräder, die bis dahin schon genehmigt sind und noch 2014 in Betrieb gehen, bekommen die alten Konditionen.

Im Dezember ist eine Ministerrats-Konferenz der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA geplant, die auch über die Zukunft der Trägerraketen befinden soll. Der Wettbewerb durch die zunehmende Niedrigpreis-Konkurrenz aus Russland, China oder Japan wird immer härter. Ziel sollte es sein, auch künftig ein Trägersystem in europäischer Hand zu behalten, sagte Wörner. „Das sollte den Europäern auch etwas mehr wert sein.“

Die neue Koordinatorin der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Brigitte Zypries, sagte am Donnerstagabend auf dem DLR-Neujahrsempfang laut Redetext dazu, sie sei als pragmatisch bekannt - und deshalb dürfe sich keiner wundern, „wenn mir die Fortentwicklung der Ariane 5 als das bessere Modell erscheint“. Zypries verwies auf die Höhepunkte der Raumfahrt in diesem Jahr, etwa den Start des ersten deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst zur internationalen Raumfahrtstation ISS Ende Mai.

Zugleich verwies Zypries auf die Bedeutung der Schlüsseltechnologien in der Luft- und Raumfahrt und anderer Forschungsbereiche des DLR für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland - auch auf den Gebieten Verkehr, Energie und Sicherheit. Das DLR leiste beispielsweise in der Speicherforschung exzellente Arbeiten, erklärte die neue Koordinatorin.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

24.01.2014, 09:17 Uhr

"Bei der Umsetzung der Energiewende ist ein Knackpunkt die Speicherung "

Es ist nicht ein Knackpunkt, sondern DER Knackpunkt. Ohne Speicher KEINE Wende, so einfach ist das. Denn eine stabile Stromnachfrage und eine volatile Kraftwerksquelle, mit einer Leistung die bei Wind- und Sonnenflaute auf NULL fällt machen Speicherkapazitäten in gigantischem Umfang unentbehrlich.

Derzeit verfügt Deutschland über Pumpspeicherkapazitäten von 6 Stunden. Danach gingen die Lichter aus. Die Fotscher stehen nun vor dem Dillemma sehr schnell Stromspeicher in riesigem Umfang ohne hohe Wirkungsgradverluste entwerfen zu müssen. Solche Speicher gibt es heute nicht....sie müssen erst "erfunden" werden.
Die Politik wird gerade von der Physik und der Mathematik eingeholt. Und die Kosten der gigantischen Fehlinvestitionen müssen nun irgendwie verteilt und verschleiert werden.

Account gelöscht!

24.01.2014, 10:17 Uhr

Das eigentliche Problem sind und bleiben die Kosten, da hat auch ein Luft und Raumfahrtkonzern keine Universallösung.

SteuerKlasseEins

24.01.2014, 12:24 Uhr

Die fehlende Speicherung war mit dem EEG schon vor 14 Jahren vorprogrammiert worden:

Das EEG bezahlt für Zufallsstrom den gleichen Preis pro kwh wie für konstanten Strom. Damit besteht für die EE-Anlagen nicht der geringste Grund, irgendetwas zu speichern. Sie müssen nur "Strommengen" liefern, so als ob man den Strom wie Kohle in Säcke füllen oder wie Öl in Tanks abfüllen könnte.

Das EEG ist damit nur ein Experiment, das uns vor Augen führt, was alles möglich wäre, WENN wir Strom verlustfrei und kostenlos und in unbegrenzter Menge speichern könnten: DANN könnte man tatsächlich Solarzellen und Windturbinen aufstellen und sich damit versorgen - aber eben nur DANN.

Weil dieser Punkt des EEG nie herausgestellt wurde, und stattdessen immer nur von Strommengen die Rede war, gibt es bis heute in den Medien die allseits bekannten Erfolgsmeldungen "Windkraft ist billiger als so und so..".

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