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12.11.2011

09:40 Uhr

„Döner-Morde“

Polizei prüft Verbindung zu Bombenterror in NRW

Der Terrorverdacht um eine offenbar rechtsradikale Gruppe mutmaßlicher Mörder konkretisiert sich immer weiter, Verbindungen zu Bombenanschlägen werden geprüft. Politiker warnen vor einer neuen Dimension rechter Gewalt.

Der Brand dieses Hauses hat Ermittler offenbar auf die Spur von rechtsradikalem Terror gebracht. dpa

Der Brand dieses Hauses hat Ermittler offenbar auf die Spur von rechtsradikalem Terror gebracht.

Essen/DüsseldorfNach der spektakulären Wende im Fall der Polizisten- und Döner-Morde prüfen Ermittler in ganz Deutschland nun mögliche Verbindungen zu ungeklärten Anschlägen. Die Bundesanwaltschaft hatte am Freitag die Ermittlungen übernommen und geht von rechtsextremen Tätern aus. Zuvor war die Tatwaffe aus den sogenannten Döner-Morden bei dem Bankräuber-Trio aus Sachsen gefunden worden, das auch für den Mord an einer Polizistin in Heilbronn vor viereinhalb Jahren verantwortlich gemacht wird. Die zwei Männer sollen sich vor einer Woche selbst erschossen haben, ihre Komplizin stellte sich danach der Polizei.

Die Ermittler untersuchen nun unter anderem mögliche Verbindungen zu Anschlägen in Nordrhein-Westfalen. „Wir prüfen auch, ob in diesem Zusammenhang weitere Straftaten in NRW begangen worden sind“, sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD). Nach Informationen der „Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung“ (Samstagsausgabe) geht es dabei um einen Nagelbombenanschlag in einer überwiegend von Türken bewohnten Straße in Köln im Jahr 2004 sowie um einen Anschlag auf jüdische Aussiedler an einer S-Bahn-Haltestelle in Düsseldorf im Jahr 2000. „Wir gehen allen Hinweisen nach“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums zu dem Bericht. „Wir müssen die Hintergründe sorgfältig aufklären, aber was wir bisher wissen, ist in seinem Ausmaß erschütternd“, sagte wiederum Jäger den Zeitungen. „Aus Rechtsextremisten sind Terroristen geworden.“

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, rief zu einem verstärkten Kampf gegen Rechtsextremismus auf. „Der Fall zeigt, dass wir leider noch immer gewaltbereite Rechtsradikale in Deutschland haben“, sagte Oppermann der Zeitung „Die Welt“ (Samstagsausgabe). „Wir müssen weiter daran arbeiten, jeder Form von Rechtsextremismus und Fremdenhass den Nährboden zu entziehen.“ Die „Süddeutsche Zeitung“ (Samstagsausgabe) zitierte dagegen Sicherheitskreise mit der Aussage, es gebe bislang keinerlei Hinweise dafür, dass sich hierzulande Rechtsextreme nach dem Vorbild etwa der
Roten Armee Fraktion (RAF) zu ideologisch motivierten schweren Gewalttaten zusammengeschlossen hätten. „Wir haben bislang überhaupt keine Anzeichen für einen solche strukturelle Gruppe“, hieß es. So sei kein Fall bekannt, in der rechtsextremistische Gewalttäter beispielsweise mit Banküberfällen Geld verschafft hätten, um aus ideologischen Gründen zu morden. Die Zusammenhänge zwischen dem Mord an der Polizistin und den Dönerbuden-Morden seien bislang „absolut mysteriös“.

Kommentare (13)

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Reichstagsbrand

12.11.2011, 10:27 Uhr

Eine jahrelange deutschlandweite gezielte Tötung von ausländischen Mitbürgern durch Neonazis und unser Staat hat geschlafen! Statt dessen hetzt man gegen den islamische Mitbürger und gegen linksgerichtete Gruppierungen! Dass die berliner Autobrände von einem einzelnen frustrierten Arbeitslosen durchgeführt wurden, geht in den Nachrichten unter. Es erinnert doch sehr an den Reichstagsbrand, den man seinerzeit ebenfalls den Kommunisten angelastet hat. Aber in einem "demokratischen" Staat nach einer Überwachung der Partei "Die Linke" schreien, während man Neonazis gewähren lässt!

Heini

12.11.2011, 10:58 Uhr

Absurder Kommentar, die Gewalt geht doch fast ausschliesslich von linker Seite aus! Sicher müssen rechte Aktivitäten, ob echt oder erfunden, für eine weitere Einschränkung der Bürgerrechte herhalten. Das kommt dem Überwachungsstaat ganz gelegen, wie auch die "Terroristen" die von Diensten betreut wurden.
Sehr durchsichtig was da abläuft!

Rene

12.11.2011, 11:43 Uhr

Die islamischen Gruppierungen sollten nicht Protestaktionen planen, sondern Integrationsaktionen.

Gewalt ist dennoch abzulehnen. Wenn es aber in Deutschland straßen gibt, wo kein Deutsch mehr gesprochen wird, kann man das nachvollziehen.

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