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04.01.2012

14:07 Uhr

Döring vs. Rösler

Gefährlicher Sprengsatz für den FDP-Chef

Neues Ungemach für die Liberalen: In ungewöhnlich deutlichen Worten giftet der neue Generalsekretär Döring gegen Parteichef Rösler. Die FDP-Zentrale ist alarmiert. Denn die Suada war nicht autorisiert.

Döring (re.) und Rösler. dpa

Döring (re.) und Rösler.

HamburgEigentlich sollte das traditionelle Dreikönigstreffen der FDP an diesem Freitag in Stuttgart ein Befreiungsschlag für die Liberalen werden. Doch nun droht genau das Gegenteil. Grund ist ein Porträt des designierten FDP-Generalsekretärs Patrick Döring in der Illustrierten „Stern", in dem Döring mit Sätzen wiedergegeben wird, die wenig schmeichelhaft für Parteichef Philipp Rösler sind. Döring hält Rösler demnach für einen „Wegmoderierer“ und für „keinen Kämpfer“.

In der FDP-Zentrale in Berlin ist man alarmiert. Die Zitate seien nicht autorisiert, sagte ein Sprecher Handelsblatt Online. „Döring hatte aber um Autorisierung gebeten." Wie auch immer die Sache gelaufen ist, ob der „Stern"-Autor nichts mit Döring abgestimmt hat oder nicht, dass die Sätze so gefallen sind ist wahrscheinlich. Damit bereitet Döring der FDP wieder einmal Schlagzeilen, die sie derzeit nicht brauchen kann..

Da nützt es auch wenig, dass der designierte FDP-General sine Äußerungen über Rösler kurz darauf relativiert, aber eben nicht dementiert. Der „Stuttgarter Zeitung“ sagte Döring am Mittwoch nun: „Ich habe da nichts anderes gesagt als zuvor auch: Wir haben in der FDP-Führung unterschiedliche Temperamente, Stile und Tonalitäten. Und das ist gerade gut so.“ Rösler sei „ein hervorragender Vorsitzender, aber vom Stil her eben kein Raufbold, sondern in erster Linie Stratege, auch Motivator und Moderator“. Das sei seine Stärke.

Döring bestritt allerdings die Darstellung im „Stern“, er habe seinem Vorgänger Christian Lindner unterstellt, mit seinem Rücktritt einen Putsch gegen Rösler erzwingen zu wollen. Er habe lediglich verschiedene Motive für Lindners Rücktritt darlegen wollen, die in der Partei diskutiert würden. „Ich habe mir aber ausdrücklich keine der verschiedenen Deutungen zu eigen gemacht.“ Weshalb sein Vorgänger im Amt des Generalsekretärs gegangen sei, „weiß nur Christian Lindner allein“.

In dem Döring-Porträt liest sich das allerdings so: Döring tritt darin gegen seinen Vorgänger Lindner nach, indem er ihm vorwirft, vom Amt des Generalsekretärs nur deshalb zurückgetreten zu sein, um dadurch zügig FDP-Chef werden zu können, dürfte die desaströse Lage, in der sich die FDP befindet, kaum verbessern. „Er hat geglaubt, dass die Lage (...) so instabil ist, dass Philipp Rösler zurücktreten muss und dass die Partei ihn, den großen Intellektuellen, dann ruft“, poltert Döring gegen Lindner.

Lindner war Mitte Dezember zwei Tage vor dem für die FDP heiklen Mitgliederentscheid zum Europäischen Rettungsschirm ESM zurückgetreten, dessen Ergebnis zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar war. Lindners Abgang „haben alle brandbeschleunigend empfunden, auch die ihm menschlich näher stehen“, so Döring.

Der tiefe Fall der FDP - eine Chronologie

September 2009

Die FDP mit ihrem Spitzenkandidaten Guido Westerwelle erzielt bei der Bundestagswahl am 27. September mit 14,6 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis auf Bundesebene. Vor allem dank des starken Abschneidens der Liberalen kommt es zu einer schwarz-gelben Koalition.

Dezember 2009

Die Koalition bringt mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz ihr erstes großes Gesetz durch, das die vor allem von der FDP vorangetriebene Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen enthält. Den Liberalen wird fortan Klientelpolitik vorgeworfen.

Februar 2010

In Umfragen sackt die FDP deutlich ab. Westerwelle löst mit Äußerungen in der Hartz-IV-Debatte heftige Kritik aus. In einem Zeitungsbeitrag schrieb der Parteichef: „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.“

Mai 2010

Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen verliert die schwarz-gelbe Landesregierung ihre Mehrheit. Einen Tag nach der Wahlschlappe rückt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von den Steuersenkungsplänen ab, dem zentralen Wahlversprechen der FDP. Forderungen werden laut, Westerwelle solle sich wegen der Doppelbelastung in Regierung und Partei vom FDP-Vorsitz trennen.

Dezember 2010

Die parteiinterne Kritik an Westerwelle wird zunehmend öffentlich geäußert. Auch die Wikileaks-Enthüllungen schaden Westerwelle: Laut der Enthüllungsplattform wurde er von der US-Botschaft als „inkompetent“ beschrieben.

März 2011

Eine Serie von Landtagswahlen wird für die FDP zum Fiasko: In Sachsen-Anhalt schafft sie es nicht ins Parlament, ebenso ergeht es ihr eine Woche später in Rheinland-Pfalz. In Baden-Württemberg kommt sie auf magere 5,3 Prozent.

April 2011

Während Westerwelle nach den Wahlschlappen als Außenminister in Asien unterwegs ist, mehrt sich die Kritik an seiner Person. Nach seiner Rückkehr kündigt er den Rückzug vom Parteivorsitz an, will aber Außenminister bleiben. Kurz darauf einigen sich die Führungsgremien von Partei und Fraktion auf Gesundheitsminister Philipp Rösler als neuen FDP-Chef.

Mai 2011

Die designierte Spitze um Rösler setzt eine Personalrochade durch: Rösler wechselt vom Gesundheits- ins Wirtschaftsministerium, der bisherige Ressortchef Rainer Brüderle wird Fraktionschef, die bisherige Fraktionschefin Birgit Homburger wird auf einen Vizeposten in der Parteiführung weggelobt. Rösler gelingt es bei seiner Wahl auf dem Parteitag in Rostock, Aufbruchstimmung zu erzeugen.

September 2011

Die Schwäche der FDP hält an. Zum fünften Mal in diesem Jahr verpasst die FDP den Wiedereinzug in ein Landesparlament: Bei der Wahl in Berlin stürzt sie auf 1,8 Prozent ab. Die Aufbruchstimmung nach der Wahl der neuen Parteispitze verfliegt zusehends.

Oktober 2011

Eine Gruppe um den FDP-Abgeordneten Frank Schäffler sammelt mehr als 3500 Unterschriften von Parteimitgliedern und erzwingt damit einen Mitgliederentscheid zur Europapolitik. Schäffler will die FDP in dem Entscheid gegen den Willen der FDP-Führung um Rösler auf ein Nein zum geplanten Euro-Rettungsfonds ESM festlegen.

November 2011

Erfolg für die FDP: Auf ihr Drängen einigt sich die Koalition auf Steuererleichterungen ab 2013. Rösler kündigt an, die Liberalen weg vom Image der reinen Steuersenkungspartei führen zu wollen. Der Mitgliederentscheid läuft an.

Dezember 2011

Der Entscheid stiftet Unruhe in der Partei. Die Initiatoren werfen der Parteispitze Behinderung vor. Rösler und Lindner ziehen heftige Kritik auf sich, als sie vor Ablauf des Entscheids öffentlich die Erwartung äußern, dass die nötige Mindestbeteiligung von einem Drittel der Mitglieder verfehlt werde. Am Tag nach Einsendeschluss für die Stimmunterlagen erklärt Lindner seinen Rücktritt. Rösler gerät zunehmend in die Kritik.

Kommentare (14)

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horrex

04.01.2012, 12:22 Uhr

Wo da eine Suada abgelassen wird, das kann ich nicht erkennen.
Erkennen kann ich sehr wohl,
dass in diesem Beitrag wie in so manchem Presseerzeugnis
recht beflissen-verkrampft das Haar in der Suppe gesucht wird.
Speziell in letzter Zeit, wenn es um die FDP geht.
Wäre ich Deutsch-Lehrer würde ich wohl sagen:
"Hang zur populär-tendenziösen Überinterpretation"

Ex-FDPler

04.01.2012, 12:32 Uhr

Die FDP braucht solche Schlagzeilen wie ein Sterbender. Es hilft enorm, diese elenden Qualen schnell zu beenden. Hoffentlich hat die FDP schon den Grabstein bestellt mit der Inschrift "Hier liegt die FDP. Sie war einmal eine liberale Partei, aber die sozialistische Krankheit hat sie dahingerafft!"

Account gelöscht!

04.01.2012, 13:23 Uhr

An sich verachte ich Politiker, die jeden Tag einem anderen Blatt Interviews mit Inhalten geben, die besser parteiintern hätten diskutiert werden sollen.

Herrn Döring kann ich allerdings gut verstehen. Er scheint tatsächlich geradlinig für seine Überzeugung kämpfen zu wollen, und nur solche Leute braucht die Liberale in Deutschland.

Herr Rösler mag seine Vorzüge haben. Als Parteivorsitzender ist er farblos. In der jetzigen Situation müsste er für liberales Gedankengut kämpfen bis zur Erschöpfung.

Tut er aber nicht.

Auch wer die FDP als Partei nicht mehr ertragen kann, sollte sich nicht zu früh freuen, wenn damit auch gleich jegliche freiheitliche Überzeugung zu Grabe getragen wird. Leider marschieren alle 5 anderen Parteien schnurstracks Richtung Staatsgängelei, Bürokratie und an sich auch Sozialismus.

Da braucht es eine politische Gegenkraft mehr denn je.

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