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06.02.2013

08:24 Uhr

Doktor-Titel

Schavan findet im Netz auch Mitgefühl

VonMartin Dowideit

Die Entscheidung der Düsseldorfer Universität, Annette Schavan den Doktortitel abzuerkennen, hat viele Reaktionen ausgelöst. Dabei fällt auf: Relativ wenig Häme ist dabei und Hochachtung vor der Entscheidung der Uni.

"Sie kann dieses Amt nicht mehr bekleiden"

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DüsseldorfDer Entzug des Doktortitels von Bildungsministerin Schavan wird im Netz heiß diskutiert. Hätte sie die Universität angezündet und wäre erst 33 Jahre später dafür verantwortlich gemacht, dann hätte Anette Schavan von Verjährung der Tat profitiert, meint Twitter-Nutzer Alexander von Below (@avbelow). Nicht so im Falle des Plagiats, das die Hochschule der Bundesministerin vorwirft. Der zuständige Fakultätsrat der Uni Düsseldorf hatte am Dienstagabend entschieden, Schavan den Doktortitel wegen Täuschung bei der Dissertation abzuerkennen.

Doch trotz der Begründung der Universität, die Schavan vorwirft „systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation“ gedankliche Leistungen vorgegeben zu haben, die „sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte“, hält sich Hohn oder Spott über die Ministerin im Internet in Grenzen – auch wenn viele einen Rücktritt für unvermeidlich halten. Die Schlagworte Schavan, Doktortitel und Uni Düsseldorf gehören auch am Mittwochmorgen zu den meist diskutierten im Kurznachrichtendienst Twitter.

Plagiatsaffäre: Opposition fordert Schavans Rücktritt

Plagiatsaffäre

Opposition fordert Schavans Rücktritt

Die Uni Düsseldorf hat Annette Schavan (CDU) wegen Täuschung bei der Dissertation den Doktortitel entzogen. Die Bildungsministerin will sich dagegen jedoch wehren. Die Opposition fordert ihren Rücktritt.

Natürlich gibt es auch ironische Äußerungen wie die von Ex-Tennisprofi Boris Becker („Bin ich froh, dass ich keinen Doktortitel habe ...“), aber Schavan findet auch Unterstützung. „Nicht zu vergleichen mit Guttenberg“ sei der Fall meint etwa die Autorin Anja Dostert (@_the_art_of_running).

Der einstige Hoffnungsträger der CSU, Karl-Theodor zu Guttenberg, war ebenfalls mit einem Plagiat aufgeflogen, in das er unter anderem Arbeiten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages eingearbeitet hatte. „Ich sehe bei Frau Schavan nicht den Hochmut und die krasse Verfehlung, die jetzt (...) Gejohle rechtfertigen würde“, urteilt auch Twitter-Nutzer @dieterjosef.

Chronologie Schavan

September 1980

Annette Schavan reicht im Alter von 24 Jahren ihre erziehungswissenschaftliche Dissertation „Person und Gewissen“ an der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf ein. Die Arbeit wird mit „sehr gut“ benotet.

29. April 2012

Auf einer Internetplattform wird anonym der Vorwurf des Plagiats gegen Schavan erhoben.

2. Mai

Die Universität Düsseldorf beauftragt die zuständige Promotionskommission, die Vorwürfe zu prüfen.

10./11. Mai

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht Schavan ihr Vertrauen aus.

27. September

Der Vorsitzende des Promotionsausschusses, Professor Stefan Rohrbacher, legt intern einen Sachstandsbericht vor. Das Ergebnis: An zahlreichen Stellen der Arbeit sei plagiiert worden. Es liege eine systematische Vorgehensweise und damit eine Täuschungsabsicht vor.

14. Oktober

Der „Spiegel“ zitiert aus dem vertraulichen Bericht Rohrbachers. Schavan weist eine Täuschungsabsicht zurück.

15./16. Oktober

Merkel spricht Schavan erneut das Vertrauen aus. Rückendeckung bekommt sie auch von ihrem Doktorvater Gerhard Wehle. Auf der Suche nach der undichten Stelle erstattet die Universität Strafanzeige gegen unbekannt wegen des Verdachts auf Weitergabe vertraulicher Informationen.

17. Oktober

Die Prüfungskommission berät über den internen Bericht Rohrbachers.

10. November

Schavan reicht nach Informationen der „Rheinischen Post“ bei der Uni Düsseldorf eine schriftliche Stellungnahme ein, in der sie den Vorwurf des Plagiats bestreitet.

18. Dezember

Die Promotionskommission empfiehlt nach Prüfung der Arbeit und Anhörung Schavans, ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels zu eröffnen. Befinden muss darüber der Rat der Philosophischen Fakultät.

22. Januar 2013

Der Fakultätsrat stimmt mit 14 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung für die Einleitung des Hauptverfahrens zur möglichen Aberkennung des Doktortitels. Für den 5. Februar setzt der Rat eine weitere Sitzung an.

31. Januar

Schavan räumt im „Zeitmagazin“ Flüchtigkeitsfehler in ihrer Doktorarbeit ein, weist den Vorwurf des Plagiats oder der Täuschung aber erneut zurück.

5. Februar

Der zuständige Fakultätsrat der Universität Düsseldorf stimmt im Plagiatsverfahren für die Aberkennung des Doktortitels. Schavan hält sich zu politischen Gesprächen in Südafrika auf.

Kommentare (73)

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Account gelöscht!

06.02.2013, 08:34 Uhr

Aber sie ist und bleibt eine Betrügerin!
Unddas ausgerechnet auf dem Gebiet, auf dem die unser Land repräsentiert!
Hätte sie nur geklaut, oder wäre sie betrunken gefahren, o.K.
Aber wo bleibt hier irgendeine Vorbildwirkung??

Schlimm, das man im HB noch nach guten Seiten dieses Betrügens sucht.

omegalicht

06.02.2013, 08:39 Uhr

Es geht nicht darum, ob hier etwas verjährt.
Einen Doktor - braucht eine Ministerin nicht.
Aber: Ein unlauter erworbener Doktor, ist für das Vorbild der Mitbürger, vor allem der Jugend vernichtend.
Wenn das alles so ist wie von der Uni geprüft, bleibt nur der Rücktritt ( Glaubwürdigkeit ).

Account gelöscht!

06.02.2013, 08:47 Uhr

Der Schaden für die Glaubhaftigkeit des Wissenschaftsstandortes Deutschland ist unermesslich. Man wird alles in Frage stellen müssen. Schlimm besonders für die 99.9%, die mit Fleiß zu einem Doktortitel gekommen sind.
Es wäre jetzt an der Zeit, auch das sog. Ghostwriting unter härteste Strafen zu stellen.
Es ist nicht ALLES käuflich, auch nicht in einer Marktwirtschaft. Aber besonders in einer regierung mit FDP-Beteiligung wird sich diese Erkenntnis schwer durchsetzen lassen.

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