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24.08.2015

15:54 Uhr

Doku über Duisburg-Marxloh

Die Politiker-WG im Problembezirk

VonMarcel Reich

Zum Bürgerdialog kommt Kanzlerin Angela Merkel morgen nach Duisburg-Marxloh. Schon heute zeigt der WDR die Erlebnisse von sieben Politikern, die in den Problembezirk zogen – und sich in einer anderen Welt wiederfanden.

Von den 19.000 Einwohnern des Bezirks haben 64 Prozent ausländische Wurzeln, 16 Prozent sind arbeitslos.

Marxloh

Von den 19.000 Einwohnern des Bezirks haben 64 Prozent ausländische Wurzeln, 16 Prozent sind arbeitslos.

DüsseldorfEinst war Duisburg-Marxloh ein stolzer Arbeiterstadtteil mitten im Ruhrgebiet, heute traut sich hier abends nicht mal mehr die Polizei ohne weiteres auf die Straße. Verwahrloste Familien, Straßenkriminalität, Gewaltexzesse, überforderte Behörden: Die Polizei warnt vor rechtsfreien Räumen, sogenannten „No-Go-Areas“.

Von den 19.000 Einwohnern haben 64 Prozent ausländische Wurzeln, 16 Prozent sind arbeitslos. Genau hierhin platzierte der WDR sieben Politiker für sieben Tage in einer Wohngemeinschaft mitten im Problembezirk, die Vertreter von SPD, CDU, FDP, Grüne und Linke sollten mit anpacken – und das Innenleben des Bezirks kennenlernen. Dabei waren die Lokal- und Bundespolitiker nur die Vorhut: An diesem Dienstag kommt Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstselbst zu Besuch nach Marxloh.

No-Go-Area Duisburg-Marxloh?: Wo Kinder auf Autos trampeln

No-Go-Area Duisburg-Marxloh?

Wo Kinder auf Autos trampeln

Händlern brechen die Geschäfte weg, Familienclans reklamieren Straßen für sich, die Polizeigewerkschaft ist besorgt. Wird Duisburg-Marxloh zur „No-Go-Area“? Nächste Woche besucht Kanzlerin Merkel das Viertel.

Bis in die 1970er-Jahre hinein war der Duisburger Stadtteil eine beliebte Einkaufs- und Wohngegend, Deutsche und Gastarbeiten lebten und arbeiteten hier zusammen in den Werken. Doch mit dem Niedergang der Stahlindustrie veränderte sich das Bild, Tausende verloren ihre Jobs. Junge und besser ausgebildete Arbeitskräfte verließen das Viertel.

Eine urbane Abwärtsspirale kam in Gang: Durch den Massenabzug fielen die Immobilienpreise, es blieben die weniger kaufkräftigen Bewohner und Migranten. Der Abstieg dauert nun schon Jahrzehnte an. Heute sind Straßenkreuzungen oft unsichtbare Grenzen zwischen ethnischen Gruppen. Anwohner sprechen von „der“ Straße der Kurden oder „der“ Straße der Rumänen. Eine Gruppe steht unter besonderer Beobachtung: libanesische Großfamilien, denen kriminelle Machenschaften angelastet werden.

Die Städte mit dem niedrigsten und höchsten Schuldenstand

Platz 5 (niedrigste Verschuldung)

Die Höhe der Verschuldung der Städte zum Stichtag 31.12.2013 (in tausend Euro)

Jena: 34.735

Quelle: Ernst & Young

Platz 4 (niedrigste Verschuldung)

Heilbronn: 29.191

Platz 3 (niedrigste Verschuldung)

Stuttgart: 27.229

Platz 2 (niedrigste Verschuldung)

Dresden: 0

Platz 1 (niedrigste Verschuldung)

Wolfsburg: 0

Wolfsburg und Dresden sind nach wie vor die einzigen schuldenfreien deutschen Großstädte.

Platz 5 (höchste Verschuldung)

Die fünf Großstädte mit der höchsten absoluten Verschuldung liegen durchweg in NRW.

Oberhausen: 1.797.294

Platz 4 (höchste Verschuldung)

Duisburg: 2.171.392

Platz 3 (höchste Verschuldung)

Dortmund: 2.177.498

Platz 2 (höchste Verschuldung)

Köln: 2.749.917

Platz 1 (höchste Verschuldung)

Essen: 3.268.008

Dabei teilen sich die Migranten in Marxloh selbst in Ausländer „erster und zweiter Klasse“ ein. Am Ende der Nahrungskette stehen Bulgaren und Rumänen, die von Türken, Kurden und anderen Muslimen regelmäßig gruppenweise in die Mangel genommen werden.

Ein schwierigeres Terrain hätte der WDR seinen Lokal- und Bundespolitikern nicht suchen können, um ihre „Macher“-Qualitäten zu testen. Die jüngste in der Truppe ist die erst 17-Jährige Paula Purps, eine Hoffnung der CDU. Der erfahrenste ist Klaus Franz. Der 62-Jährige will demnächst Bürgermeister von Bochum werden. Aus Duisburg selbst konnte oder wollte der WDR keinen Politiker engagieren.

Die, die sich nach Marxloh getraut haben, wurden in einer leerstehenden Bäckerei untergebracht, im Obergeschoss hat jeder sein eigenes Zimmer. Hier durfte die Kamera nicht rein, bei den täglichen Besprechungen im Gemeinschaftsraum sowie beim Frühstück und Abendessen waren Kameras und Mikrofone dann aber an: „Big Brother machen wir nicht. Es geht um die Inhalte – wir wollen keine Inszenierungen“, betont der WDR-Redakteur Simon Pützstück.

Die Politiker bei einer ihrer Besprechungen.

In Marxloh

Die Politiker bei einer ihrer Besprechungen.

Der Sender stellte den Politikern Aufgaben, die sie innerhalb einer Woche bewältigen sollten. Eine davon war, den vielen Marxlohern ohne Krankenversicherung schnell und unbürokratisch eine bessere medizinische Versorgung zukommen zu lassen. In seinem Pfarrhaus verarztet Pater Oliver mit seinem Team jede Woche Dutzende Erkrankte in einer kostenlosen Sprechstunde. An ruhigen Tagen kommen 40, manchmal sind es 90 Leute.

Tausende Zuwanderer leben nach Schätzungen ohne Krankenversicherung in der Stadt, die meisten davon haben ausländische Wurzeln. Im Krankenhaus müssen sie so pro Behandlung bis zu 100 Euro bezahlen – nicht machbar ohne Job, wenn zuhause eine Großfamilie versorgt werden muss.

Kommentare (23)

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Herr Tom Schmidt

24.08.2015, 16:38 Uhr

Tja. und wo ist jetzt unser Sigi Pop um den libanesischen Familienclans zu sagen, dass sie Pack sind? Am Besten doch mal ohne Hundertschaft!

Herr Peter Spiegel

24.08.2015, 16:50 Uhr

Da fühlt sich der Okkupant gleich wie in der Heimat.

Herr Axel Siegler

24.08.2015, 16:56 Uhr

Kulturbereicherung @ its best > ein weiterer Sargnagel für die abendländische Hochkultur und weitere Etappe für den Rückfall in die (muselmanische) Barbarei .. diese legendären, "polizeibekannten" libanesischen Mafia-Grossfamilien sind uns wahrscheinlich auch per Asylrecht aufgedrückt worden! Es ist einfach nur noch abgrundtief ... *ohne*worte*

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