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14.01.2015

18:54 Uhr

Doppelspion beim Geheimdienst

BND-Maulwurf gab Agentenliste an die USA weiter

Sicherheitsexperten nennen es unerfreulich, was bei den Ermittlungen gegen den mutmaßlichen CIA-Spion beim Bundesnachrichtendienst ans Licht kommt. Akute Gefahr habe nicht bestanden. Doch viele Fragen sind noch offen.

Der Bundesnachrichtendienst beschäftigt nach eigenen Angaben rund 6500 hauptamtliche Mitarbeiter. dpa

Der Bundesnachrichtendienst beschäftigt nach eigenen Angaben rund 6500 hauptamtliche Mitarbeiter.

Berlin/KarlsruheDer Fall des im Juli enttarnten mutmaßlichen Doppelagenten beim Bundesnachrichtendienst (BND) zieht immer weitere Kreise. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat der Mann schon vor Monaten zugegeben, auch eine streng geheime Liste mit Decknamen und echten Identitäten deutscher Agenten an US-Geheimdienste weitergereicht zu haben.

Um die Agenten zu schützen, wurden demnach in einigen Fällen Maßnahmen ergriffen. Durch die Enttarnung der Klarnamen habe es aber keine akute Gefahr gegeben.

Der BND wollte sich am Mittwoch mit Hinweis auf das bei der Bundesanwaltschaft laufende Ermittlungsverfahren nicht zu den neuen Erkenntnissen äußern. Auch die Ermittlungsbehörde in Karlsruhe wollte aus diesem Grund keine Stellungnahme abgeben. Der für Spionageabwehr zuständige Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte: „Ich kann diese Information weder bestätigen noch dementieren.“

Verwundert äußerte sich der Karlsruher Anwalt des Beschuldigten, Klaus Schroth: „Das, was hier behauptet wird, kenne ich nicht“, sagte Schroth der Deutschen Presse-Agentur. Er gehe davon aus, dass die Auswertung aller Dokumente noch mehrere Monate in Anspruch nehme, so dass die Bundesanwaltschaft möglicherweise erst im Frühsommer Anklage erheben werde.

Inzwischen gebe es auch Gutachten von Sachverständigen. Er begrüße es, dass nun die Persönlichkeit seines Mandanten besser beleuchtet werden könne. Zum Inhalt dürfe er aber keine Angaben machen, sagte der Anwalt.

Derzeit spricht nach dpa-Informationen nichts dafür, dass der im Juli aufgeflogene damals 31-Jährige die Namensliste auch an andere Geheimdienste etwa in Russland oder China verkauft hat. Ausgeschlossen werden kann dies aber nicht.

Der Mann arbeitete in der BND-Abteilung „EA - Einsatzgebiete/Auslandsbeziehungen“. Die Abteilung versorgt unter anderem die Bundeswehr bei Auslandseinsätzen mit Informationen zum Schutz deutscher und alliierter Soldaten. Das Parlamentarische Gremium zur Kontrolle der Geheimdienste wurde im Dezember über die neuen Informationen unterrichtet.

Die „Bild“-Zeitung hatte gemeldet, der Verdächtige habe eine Liste mit 3500 Agentennamen gestohlen. Nach dpa-Informationen soll es sich dabei um eine „eher historische Liste“ handeln, die den Stand etwa des Jahres 2010 darstelle und weit zurückreiche.

Etwas mehr als ein Drittel der damals aufgeführten Mitarbeiter sei nicht mehr beim BND beschäftigt. Von den heute insgesamt etwa 6500 aktiven BND-Leuten arbeiten demnach dauerhaft weit unter 1000 im Außendienst. Die Liste soll nach einer Umstrukturierung bei dem Geheimdienst vor fünf Jahren nicht mehr weitergeführt worden sein.

Nach „Bild“-Informationen hatte der Mann die Daten auf einer privaten Festplatte gespeichert, die bei einer Durchsuchung im Sommer 2014 sichergestellt wurde. Dem mutmaßlichen Maulwurf war zunächst vorgeworfen worden, binnen zwei Jahren 218 Dokumente an US-Geheimdienste verkauft zu haben. Später wurde diese Zahl auf 201 Dokumente korrigiert.

Kommentare (12)

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Herr Goetz Bartscht

14.01.2015, 09:15 Uhr

Man müsste schallend lachen, wäre es nicht so ernst. Nach dem Eingeständnis, dass die Bundeswehr nur sehr bedingt einsatzbereit ist, die Polizei hoffnungslos unterbesetzt und mithin überfordert jetz noch diese Nachricht vom BND. Gut, der BND galt und gilt bei niemandem als der Prototyp eines erfolgreichen Nachrichtendienstes, wie könnte er auch angesichts des Bildungsnotstandes der Regierenden. Aber diese Panne ist wirklich einmalig. Es wird für viel Heiterkeit bei den "befreundeten" Diensten sorgen!

Account gelöscht!

14.01.2015, 09:32 Uhr

Er hat eine Liste mit rund 3500 Klar- und Decknamen gestohlen. Noch ist unklar, ob er sie verkauft hat.

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Die Liste habe sogar schon ich in Kopie Form . :-)))

Es geht von Snowdy 1 bis Snowdy 3500...

und betrifft die Emma wie auch der Albert...

ob ich bei Ebay Geld für weitere Kopien bekomme ?

Die werden alle bestens und genau ausgesucht bevor die eine

solche Stelle bekommen ? -Weiter so !

Ab wie viele Pannen benötigen Geheimdienste...

innerhalb Ihre eigene Geheimdienste...

um sich sogar schon selber zu beschützen ?

Da sitzt man lieber beim Bäcker...

und spioniert wer die schönste Kundin ist . :-)))





Hans Werner

14.01.2015, 09:38 Uhr

Dann werden da demnächst ja bestimmt eine Menge Stellen neu zu besetzen sein.

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