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27.11.2015

01:41 Uhr

Dortmund als Anschlagsziel

Zwei mutmaßliche Islamisten in Berlin festgenommen

Spezialkräfte der Polizei haben einen Berliner Kulturverein durchsucht und zwei mutmaßliche Islamisten festgenommen. Es gab es Hinweise auf Anschläge in Dortmund. Die Ermittlung läuft mit Hochdruck weiter.

Terror-Angst

Zwei Männer verhaftet: Haben sie Anschläge in Deutschland geplant?

Terror-Angst: Zwei Männer verhaftet: Haben sie Anschläge in Deutschland geplant?

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BerlinPlanten Terroristen in Berlin einen Anschlag in Dortmund? Nach der Festnahme zweier mutmaßlicher Islamisten in der Bundeshauptstadt gehen die Ermittlungen am Freitag weiter. Die Berliner Polizei hält sich allerdings noch mit Aussagen zum Stand der Untersuchungen zurück. Die Ermittlungen liefen natürlich mit Hochdruck, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Aus ermittlungstaktischen Gründen gab es aber zunächst keine weiteren Informationen.

Offen blieb demnach, ob es gegen die am Donnerstag Festgenommenen, einen Syrer und einen Tunesier, Haftbefehle geben wird. Es handelt sich um einen Syrer und einen Tunesier, die dem Einflussbereich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zugeordnet werden. Die Ermittler hatten Hinweise auf einen drohenden Terroranschlag in Dortmund. Entsprechende Informationen des Berliner „Tagesspiegels“ wurden von der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstagabend bestätigt.

In einer Moschee und einem Transporter, der den Verdächtigen gehören soll, suchten Spezialisten am Donnerstag nach Sprengstoff. Entdeckt wurde der gefährliche Stoff nicht, wie die Polizei am Abend mitteilte. Gegen die Männer im Alter von 28 und 46 Jahren wird laut Polizei wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Straftat ermittelt.

Die wichtigsten Islam-Verbände Deutschlands

Konfliktpotential

Die islamischen Verbände in Deutschland wirkten einig wie nie zuvor. Nach den tödlichen Anschlägen auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ standen sie zusammen auf gegen Terror, Extremismus und Gewalt, zeigten Flagge für Meinungsfreiheit. Doch bei genauem Hinsehen wird klar: Es brodelt, knirscht, gibt Rivalitäten, Misstrauen, Streit. Das Ringen um gemeinsame Positionen bei den völlig unterschiedlichen Organisationen ist zäh. Bei weitem nicht alle der gut vier Millionen hier lebenden Muslimen sind in religiösen Gemeinden oder Vereinen organisiert. Eine Liste der Wichtigsten.

Quelle: dpa

Zentralrat der Muslime

Der ZDM ist am bekanntesten, weil sein Vorsitzender Aiman Mazyek bestens vernetzt und stark präsent ist. Er nimmt Stellung zu aktuellen Fragen, setzt sich ein für einen christlich-islamischen Dialog. Mazyek ist öffentliches Gesicht der Muslime geworden, was die anderen Verbände stört. Zumal der ZMD zu den kleineren gehört - mit 24 muslimischen Organisationen, 300 Moscheegemeinden und 15.000 bis 20.000 Mitgliedern. Im März sind weitere hinzugekommen. Der Verband vertritt - als einer der wenigen - Muslime aus vielen Ländern. Bei der Mahnwache in Berlin für die Terroropfer von Paris war Mazyek im Januar neben Bundespolitikern vertreten. Andere Islam-Organisationen werfen ihm Alleingänge, Profilierung vor, auch schon zuvor wegen seiner Rolle bei einer Antisemitismus-Demonstration. Dagegen wehrt er sich jetzt.

Ditib

Die einflussreiche Türkisch Islamische Union ist mit Abstand die größte muslimische Organisation, wächst weiter und vertritt gut 900 Gemeinden. Sie untersteht der türkischen Religionsbehörde Diyanet, wird vom türkischen Staat mitfinanziert. In Köln baut die Ditib den bundesweit größten Moscheekomplex. Sie gilt als sehr konservativ. Der Dachverband richtet sich inhaltlich strikt an den Vorgaben aus Ankara aus, ihr Vorstandsvorsitzender wechselt häufig. Die Ditib wirft Mazyek „Vertrauensbruch“ vor - erst hinter den Kulissen, dann öffentlich. Der Dialogbeauftragte und Geschäftsführer, Bekir Alboga, ist zentral bei der Ditib.

Koordinationsrat der Muslime

Neben ZMD und Ditib haben sich 2007 auch Islamrat und VIKZ im KRM zusammengeschlossen. Die Verbände wollten sich so besser Gehör verschaffen, gegenüber der Politik mit möglichst einer Stimme sprechen. Der KRM sagt, er vertrete 85 Prozent der Moscheegemeinden. Experten gehen von weniger aus, Islamwissenschaftler Ralph Ghadban sogar von nur maximal 15 Prozent. Trotz des aktuellen Streits beteuern die Spitzen von ZMD und Ditib bisher, der KRM solle seine Arbeit fortsetzen.

Islamische Kulturzentren (VIKZ)

Mit 300 Moschee- und Bildungsvereinen gilt der Verband als unpolitisch, tief religiös. Er bildet Imame aus. Öffentliche Äußerungen sind selten. Das Karlsruher Kopftuchurteil - ein pauschales Kopftuchverbot für Lehrerinnen ist demnach verfassungswidrig - begrüßte der VIKZ als richtungsweisend.

Islamrat

Bekennt sich laut Selbstdarstellung uneingeschränkt zu Grundgesetz und Prinzipien der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Umstritten ist sein größtes Mitglied, Milli Görüs. Der Verfassungsschutz führt MG als islamistische Organisation, diese Einschätzung wird aber nach Reformen bei Milli Görüs diskutiert. Auch der Islamrat ist in der Öffentlichkeit praktisch nicht präsent.

Liberal-Islamischer Bund

Der kleine LIB grenzt sich bewusst von den konservativ-traditionellen Verbänden ab. Der Islam wird zeitgemäß ausgelegt. Die Vorsitzende Lamya Kaddor ist gefragte Interview-Partnerin. Zum LIB gehört die Muslimische Gemeinde Rheinland, die allen Klischees widerspricht. Dort beten Männer und Frauen zusammen, der Vorbeter (Imam) ist weiblich.

Nach den Erkenntnissen aus der Überwachungsaktion der Polizei hatten die Behörden den Verdacht, Teile eines Sprengsatzes und womöglich Waffenteile hätten von München zur Moschee eines islamischen Kulturvereins in Berlin-Charlottenburg transportiert werden sollen. Von dort sollten möglicherweise Waffen und Sprengstoff für einen Anschlag nach Dortmund gebracht werden.

Es gebe keine Anhaltspunkte für Anschläge in Berlin, sagte Polizeipräsident Klaus Kandt. „Für Berlin bestand keine Gefahr.“ Ob Hinweise auf Anschlagspläne in anderen Bundesländern gefunden wurden, wollte der Polizeipräsident nicht sagen. „Die Sicherheitslage in anderen Bundesländern möchte ich nicht kommentieren.“

Am Nachmittag durchsuchten Polizisten die Moschee des islamischen Kulturvereins mit Sprengstoffhunden. Es wurde nichts Verdächtiges gefunden. Mit der Durchsuchung der Moschee sollte laut Polizei ein „Gefährdungssachverhalt“ geprüft werden.

Am Abend wurde dann im Ortsteil Britz, wo die mutmaßlichen Islamisten festgenommen worden waren, der Transporter mit Berliner Kennzeichen durchsucht. Weil die Ermittler zunächst Sprengstoff in einer verdächtigen Tasche in dem Wagen vermuteten, hatten rund 120 Bewohner aus Häusern in der Umgebung ihre Wohnungen eine Zeit lang verlassen müssen. Auch Bombenentschärfer waren vor Ort.

Unklar blieb bislang, ob die Verdächtigen in Berlin gelebt haben oder aus dem Ausland kamen. Die Männer seien nicht in Berlin geboren, hieß es bei der Polizei.

Von

dpa

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