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15.10.2012

15:50 Uhr

Dr. Annette Schavan

Die Stunde der Plagiatsjäger

VonMaike Freund

Hat sie oder hat sie nicht? Bildungsministerin Annette Schavan soll laut eines unveröffentlichten Gutachtens der Uni Düsseldorf in ihrer Dissertation betrogen haben. Handelsblatt Online hat sich einige Stellen angeschaut

Bundesbildungsministerin Annette Schavan ist ihren Titel los. dapd

Bundesbildungsministerin Annette Schavan ist ihren Titel los.

DüsseldorfAusgerechnet die Bildungsministerin. Und dann auch noch die Frau, deren Dissertation den Titel „Person und Gewissen“ trägt. Annette Schavan soll betrogen haben. Sie soll einige Stellen in ihrer Doktorarbeit nicht so kenntlich gemacht haben, wie sie es hätte tun müssen – und wie es in wissenschaftlichen Arbeiten üblich ist – stellt ein Gutachten der Universität Düsseldorf fest.

Der Vorwurf ist nicht neu. Schon im Mai hatte der Gründer der Internet-Plattform VroniPlag, Martin Heidingsfelder, der CDU-Politikerin vorgeworfen, an deutlich mehr Stellen abgeschrieben zu haben als bis dahin bekannt gewesen war. Seitdem überprüft die Universität Düsseldorf die Doktorarbeit. Neu ist jedoch der Bericht eines der Gutachter der Universität, der vorab – noch bevor die Bildungsministerin das Ergebnis selbst auf dem Schreibtisch liegen hatte – im „Spiegel“ und in der „Süddeutschen Zeitung“ bekannt wurde. Das Urteil: Schavan hat getäuscht.

Die Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mit dem Titel "Person und Gewissen" aus dem Jahr 1980. dpa

Die Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mit dem Titel "Person und Gewissen" aus dem Jahr 1980.

Wo aber hat Schavan nun eindeutig plagiiert? „Zum Beispiel auf Seite 37 ihrer Dissertation“, sagt der Plagiatsjäger Heidingsfelder: „Durch die Gründung und Erhaltung von politischen Gemeinwesen schließlich schafft menschliches Handeln die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen und damit für Geschichte“, heißt es in der Doktorarbeit der Bildungsministern. Abgeschrieben hat sie es aber wohl – ohne eine Quelle zu nennen – so Heidingsfelder, bei Hannah Arendts „Vita activa oder Vom tätigen Leben.“ Dort heißt es auf Seite 15: „[...] das Handeln schließlich, soweit es der Gründung und Erhaltung politischer Gemeinwesen dient, schafft die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen, für Erinnerung und damit für Geschichte.“

Ein weiteres Beispiel: Auf Seite 322 kommt Schavan zu folgendem Schluss. „Zusammenfassend kann man feststellen, daß in dem Maß, in dem im Jugendalter neben die heteronomen Normen selbstüberprüfte Normen treten, bzw. erstere nach kritischer persönlicher Überprüfung ersetzt oder aber gutgeheißen und als autonome Normen zur Grundlage des Entscheidens und Handelns werden, man von einem autonomen, bzw. personalen Gewissen sprechen kann und damit von einer geglückten Personalisation.“

Kommentare (37)

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annapurna

15.10.2012, 16:01 Uhr

Herab vom politisch-korrupten Turm. Ins Lager der Hartzer. Pensionsansprüche aberkennen, da unrechtmäßig erworben. Zukunft offen. Fertig.

Antilobby

15.10.2012, 16:07 Uhr

WEN interessiert das denn bitte?
Haben wir keine wirklichen Probleme in unserem Land?
Uns geht es echt noch zu gut....

Glaube kaum, dass ein Dr. Titel die Voraussetzung für das Berufsbild des Politikers ist - eher müssten sich alle Doktoren für die Politiker schämen...

Die_Stunde_des_Forenmobs

15.10.2012, 16:10 Uhr

Zitat FAZ:
"Sollte das Gutachten von einem einzigen Wissenschaftler stammen, entspräche das nicht den gängigen Verfahrensweisen. Das Vier-Augen-Prinzip, das bei der Beurteilung der Dissertation gilt, muss auch bei der Überprüfung von Plagiatsvorwürfen gelten. Zudem wird die Überprüfung der Vorwürfe in dem Gutachten systematisch mit der Überprüfung der Täuschungsabsicht vermischt. Genau das hatte die Universität Bayreuth im Fall Guttenberg bewusst vermieden.
Üblich ist auch, den Betreffenden anzuhören. Doch die Universität hat Frau Schavan bisher keine Gelegenheit dazu gegeben. Zuweilen wird das Gewicht der Argumente eben auch aus der Popularität der angegriffenen Person bezogen. Das lässt die Plagiatsvorwürfe gegen Politiker, so berechtigt sie sein mögen, so abgeschmackt erscheinen."

An den Vorwürfen wird schon irgendwas dran sein, aber ansonsten wiedermal eine minderintellektuelle Medien- und Netzaktivistenkampagne......klar das der vereinigte Forenmob da gleich draufspringt.
Früher haben die gleichen Typen mit Steinen auf die Person am Pranger geworfen. Widerwärtig!


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