Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.03.2013

06:14 Uhr

„Dr.“ nicht mehr im Pass

Grüne starten Angriff auf Deutschlands Elite

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer Fall Schavan hat die Bedeutung von Doktortiteln ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt. Geht es nach den Grünen, könnte sich das bald ändern. Sie wollen den  „Dr.“ aus allen Pässen verbannen.

Absolventen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn feiern in Talare gekleidet ihren Abschluss. dpa

Absolventen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn feiern in Talare gekleidet ihren Abschluss.

BerlinIst es ein Stück deutscher „Kulturtradition“ - oder schlicht nur Titelhuberei und Eitelkeit? Anders als in fast allen anderen Industrienationen können sich in Deutschland und Österreich Besitzer eines Doktortitels den akademischen Grad in Personalausweis und Reisepass eintragen lassen. Und auf der Kreditkarte macht sich der kleine „Dr.“-Zusatz vor dem Namen auch nicht schlecht.

Doch für die Grüne Krista Sager ist das ein alter Zopf - der schleunigst abgeschnitten werden sollte. Das hat auch mit den jüngsten Plagiatsaffären in Union und FDP zu tun. Zuletzt wurde Annette Schavan der Doktortitel aberkannt. Die CDU-Politikerin trat daraufhin von ihrem Amt als Bundesbildungsministerin zurück. Schavan hat Klage gegen den Titel-Entzug eingereicht. Auch die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin klagt ihren wegen Plagiaten entzogenen Titel derzeit ein. Heute findet dazu eine Verhandlung am Verwaltungsgericht Karlsruhe statt.

So zitieren Sie richtig!

Direktes Zitat

Ein direktes Zitat ist wortwörtlich. Es muss in Anführungszeichen gesetzt werden. Man sollte direkte Zitate nicht zu häufig verwenden, sondern nur, wenn sie griffig und gut formuliert sind. Danach zum eigenen, akademischen Schreibstil zurückkehren.

(Quelle: Esther Breuer, Leiterin des Kompetenzzentrums Schreiben an der Kölner Universität im www.ksta.de)

Indirektes Zitat

Bei einem indirekten Zitat gibt man die Gedanken eines Anderen wieder. Unbedingt die Quelle nennen. Man sollte versuchen, eigene Formulierungen zu verwenden.

Gegenstimmen

Es sollten immer auch Gegenstimmen mit einbezogen werden.

Kritischer Blick

Mit den wissenschaftlichen Texten sollte man kritisch umgehen: Nur durch die aktive Auseinandersetzung mit den Positionen Anderer kann sich die Wissenschaft weiterentwickeln.

Eigene Gedanken abgrenzen

Es ist wichtig, die eigenen Gedanken von denen der anderen klar abzugrenzen, damit sich Eigen- und Fremdleistung für den Leser nachvollziehen lassen.

Geht es nach den Grünen, spielen Doktortitel in der Gesellschaft keine herausragende Rolle mehr. Das Ziel ist, dass der der „Dr.“ künftig nicht mehr in Pässen, Personalausweisen neben dem Familiennamen steht. Die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Sager, kündigte einen Neuanlauf für eine entsprechende Gesetzesinitiative an. „Es wäre an der Zeit, den Doktorgrad von gesellschaftlichen Überhöhungen zu entlasten. Zum Teil wird er wie eine Art bürgerlicher Adelstitel oder Namensbestandteil behandelt“, sagte Sager Handelsblatt Online. „Es würde Diskussionen rund um Plagiatsfälle sicherlich versachlichen, wenn Promotionen also auf ihre eigentliche Bedeutung – als Nachweis der besonderen wissenschaftlichen Qualifikation – zurückgeführt würden.“

Zehn Grundregeln zum wissenschaftlichen Schreiben

Thema

Wählen Sie ein Thema, das Sie interessiert. Finden Sie Fragen, die Sie gern beantworten möchten und auch können. Tauschen Sie sich von Anfang an mit Bekannten darüber aus, egal ob diese Experten sind oder nicht.

(Quelle: Kompetenzzentrum Schreiben der Universität Köln)

Fragen? Fragen!

Sprechen Sie Ihr Thema mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten in einer Sprechstunde ab. Machen Sie sich vorher einen Notizzettel, auf dem steht, was Sie erfahren möchten. Verlassen Sie die Sprechstunde erst, wenn Sie alle Fragen geklärt haben.

Keine Panik!

Machen Sie sich einen Zeitplan mit Start- und Enddatum. Planen Sie dabei auch Erholungsphasen ein und belohnen Sie sich nach den getanen Arbeitsschritten.

Lesen, lesen, lesen

Überlegen Sie vor der Bibliographie, welche Aspekte für Ihre Aufgabe wichtig sind und suchen Sie danach die Literatur. Die bibliographische Liste sollten Sie mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten absprechen, da sie/er Sie auf weitere, wichtige Texte aufmerksam machen kann.

Der rote Faden

Entwickeln Sie einen roten Faden für die Arbeit (z.B. anhand von Leitfragen), bevor Sie anfangen zu schreiben. Malen Sie diesen auf und hängen Sie ihn vor Ihren Schreibtisch, damit Sie ihn nie aus den Augen verlieren.

Struktur vor Inhalt

Stellen Sie anhand dieses roten Fadens eine Gliederung auf und besprechen Sie diese mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten.

Zeit sparen

Arbeiten Sie von Anfang an organisiert. Halten Sie neue Ideen, Fragen und relevante Auszüge aus der vorhandenen Literatur schriftlich fest. Sie sparen sich so viel Zeit.

Start mit dem Hauptteil

Beginnen Sie mit dem Hauptteil. Schreiben Sie einen zusammenhängenden Text. Die Inhalte müssen aufeinander aufbauen. Einleitung und Schluss ergeben sich hieraus.

Die Korrigierer

Schreiben Sie klar und präzise. Nur so können Sie Erkenntnisse vermitteln. Schreiben Sie grammatikalisch und orthographisch korrekt und lesen Sie mehrmals Korrektur. Fragen Sie auch Freunde, ob die Sie bei dieser Arbeit unterstützen können.

Dagegen sollten Sie niemals verstoßen!

Halten Sie die von Ihrem Institut vorgegebenen Richtlinien ein. Viele Institute haben Leitfäden, die Sie in den Sekretariaten erhalten oder im Internet downloaden können.

Als Schritt dazu hätten die Grünen in einem Gesetzentwurf beantragt, den Doktorgrad künftig nicht mehr in Pass und Personalausweis einzutragen. „Dies wäre auch ein Beitrag zum Bürokratieabbau und zur Anpassung an international übliche Standards“, sagte Sager.

Kommentare (167)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Deutscher

04.03.2013, 06:28 Uhr

Das ist doch bald nicht mehr nötig. Denn es wird keine neuen Dr.s mehr geben. Der Phd der international dem deutschen Dr. steht kommt ja nicht in den Pass.
Aber was machen wir mit dem Prof. soll der noch, muss der noch, darf der noch in den Pass.

Aber Hand aufs Herz, war Graf, Herzog und die anderen Adelstitel nicht auch mal eine Auszeichnung für besondere Verdienste?

Sollten die in dem Zug nicht auch gleich mit entfernt werden. Aus dem Reisepass und den Geburtsurkunden, etc.

Der CEO, Geschäftsführer, etc. hat da ja auch nichts zu suchen.

Account gelöscht!

04.03.2013, 06:45 Uhr

Die Grünen Profilieren sich zur Stammtisch und Bodensatz Partei ,
Wem wundert s , grüne sind auch nur Kommunisten !

Sarina

04.03.2013, 06:54 Uhr

Die Partei mit den meisten Studienabbrechern - oder wenn es hoch kommt, mit Sozialpädagogen - will den Dr.-Grad abschaffen. Das passt schon! Welch ein widerliches Pack!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×