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05.02.2014

19:28 Uhr

Drakonischer Erziehungsstil

Fonds für DDR-Heimkinder soll aufgestockt werden

40 Millionen Euro aus dem Hilfsfonds für ehemalige DDR-Heimkinder sind nicht genug. Der Bund und die ostdeutschen Länder wollen die Summe aufstocken – denn sonst würde er nicht wie geplant bis 2017 reichen.

Die Flagge der DDR: Nach Schätzungen gab es rund 400.000 Kinder in Heimen, doch nicht alle haben Unrecht erlitten. dpa

Die Flagge der DDR: Nach Schätzungen gab es rund 400.000 Kinder in Heimen, doch nicht alle haben Unrecht erlitten.

BerlinDer Bund und die ostdeutschen Länder wollen den 40-Millionen-Euro-Hilfsfonds für ehemalige DDR-Heimkinder erheblich aufstocken. Über eine konkrete Summe habe es bei den Verhandlungen am Mittwoch aber noch keine Verständigung gegeben, sagte der Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Ralf Kleindiek, am Mittwochabend. Die Verhandlungen würden in zwei Wochen fortgesetzt. Bisher haben mehr Betroffene als vorher geschätzt Anträge an den Fonds gestellt, weil sie unter dem teilweise drakonischen Erziehungsstil in Heimen der DDR gelitten haben.

Eineinhalb Jahre nach dem Start des Hilfsfonds sind bereits rund 15 Millionen Euro an die Betroffenen ausgezahlt worden – damit ist mehr als ein Drittel der Summe schon aufgebraucht. Bis Anfang Dezember haben rund 4000 Ostdeutsche Anträge auf Leistungen gestellt. Wenn alle Anträge bearbeitet sind und weitere folgen, wäre der Fonds leer. Er läuft aber bis Mitte 2017.

Der Fonds, aus dem bisher ausschließlich Sachleistungen bezahlt werden, speist sich je zur Hälfte aus Mitteln des Bundes und der ostdeutschen Länder. Bisher wurden 9,2 Millionen Euro für medizinische Unterstützung, Beratungs- und Betreuungsleistungen sowie bessere Wohnverhältnisse ausgegeben. Außerdem zahlte der Fonds rund 5,6 Millionen Euro für Rentenersatzleistungen aus. Denn Jugendliche wurden in einigen DDR-Heimen als Arbeitskräfte eingesetzt, ohne dass Sozialleistungen für sie abgeführt wurden.

In der DDR gab es nach Schätzungen rund 400.000 Kinder in Heimen, doch nicht alle haben Unrecht erlitten.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Forelle@ojooo.com

07.02.2014, 12:56 Uhr



Da wurden Expertisen erstellt, da wurden Erlebnisberichte einer rigiden Heimerziehung in den Spezialheimen der DDR thematisiert, in denen Heimkinder erst gebrochen und dann zu sozialistischen Persönlichkeiten transformiert werden sollten! In den Spezialheimen war wie es der Name schon andeutet, oft Willkür und Terror an der Tagesordnung. Gefängnisartige Unterbringung, Essenentzug, Einzelarreste, millitärischer Dauerdrill, Gewaltexzesse,und? War es deshalb ein Unrechtstaat? Man könnte meinen ja, aber psst.... das würde zu teuer werden! Und weil nicht sein kann was nicht sein darf, bezeichnet man alle Übergriffe im Osten..... nach dem Muster "West"... als bedauerliche "Einzelfälle einzelner Erzieher!" Ein Systemunrecht- nur weil das Unrecht in Spezialheimen System hatte? Um Himmels willen, dann müßte man erkennen, daß die Austattung des Ostfond gemäß des Bevölkerungsproporz, genau dieses systematische Unrecht verschleiern sollte! Ich würde mir wünschen daß die Heimkinder/Ost sich nicht (!) als Opfer zweiter Klasse nun abspeisen lassen, sondern massenhaft die Landesgerichte mit Anträgen nach dem OEG fluten. Denn unpolitisch war hier im Osten eben kaum eine Entscheidung der Ämter! Und außerdem:"Wer kämpft... kann verlieren, wer nicht kämpft......hat schon verloren!
Ich selber jedenfalls, werde als Betroffener nicht bei "diesem neuen Fonds" beantragen, denn erstens bin ich kein (Ossi)-Opfer zweiter Klasse, und zweitens lasse ich mich in meinem Alter nun nicht mehr gängeln,nie mehr!!!
Das hatt auch was mit Stolz zu tun, wenn ich lieber vor Gericht ziehe!

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