Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.08.2013

11:00 Uhr

Drohende Umsatzeinbußen

Deutsche halten Kulturangebote für verzichtbar

Obwohl die Wirtschaft in Deutschland floriert, wollen die Menschen sparen – und zwar bei der Kultur. Theater, Kinos, Kneipen und Restaurant müssen sich künftig auf sinkende Umsätze einstellen.

Ein trauriger Clown. Menschen in Deutschland wollen künftig nicht mehr so viel für Kultur ausgeben. Reuters

Ein trauriger Clown. Menschen in Deutschland wollen künftig nicht mehr so viel für Kultur ausgeben.

BerlinTrübe Aussichten für Betreiber von Kinos, Theatern, Konzerten oder Opern: Beim Besuch von Kultureinrichtungen wollen die Menschen in Deutschland künftig besonders sparen. Das zeigt eine Umfrage der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, für die 3000 Menschen ab 14 Jahren zu ihrem Freizeitverhalten befragt wurden. Dabei gilt offensichtlich für viele Kultur als am ehesten verzichtbar.

Auf einen Bewohner, der künftig für Kultur mehr Geld ausgeben möchte, kommen sieben, die hier sparen wollen. Auch Kneipen, Restaurants oder Discos müssen sich demnach auf Umsatzeinbußen gefasst machen: Jeder vierte Befragte plante, weniger dafür auszugehen. Und bei Mobiltelefonen wollen die Leute künftig ebenfalls Kosten drücken: Auf jeden Befragten, der hier mehr Geld investieren will, kommen fast fünf, die vorhaben, ihre Ausgaben zu senken.

Am wenigsten antasten mögen die Menschen in Deutschland demnach ihren Urlaub. Zwar gaben 17 Prozent der Befragten an, dafür künftig weniger Geld auszugeben, aber immerhin wollen 15 Prozent für die Ferien tiefer in die Tasche greifen. Auch bei Mobilität, Gesundheit oder Essen und Trinken möchten viele Leute keine Einschnitte vornehmen.

Die wichtigsten Fakten zum Armuts- und Reichtumsbericht

Kinder

Das Risiko von Kinder, arm zu werden, ist dann am höchsten (60 Prozent), wenn sie in einem Haushalt ohne Verdiener aufwachsen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" und nimmt Bezug auf den Armuts- und Reichtumsbericht. Auch Kinder Alleinerziehender haben ein hohes Risiko zu verarmen (55 Prozent), gefolgt von Ausländern (28 Prozent), berichtet die Zeitung.

Kinderbetreuung

Die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder ab einem Jahr hat sich seit 2006 auf mehr als 500 000 verdoppelt. Auch werden doppelt so viele Grundschüler ganztags betreut. Trotz aller Verbesserung: Die eingesetzten Mittel für die frühkindliche Bildung und Betreuung von Kindern unter sechs ist im internationalen Vergleich "immer noch weit unterdurchschnittlich". Sie beliefen sich auf 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. "In Ländern wie Dänemark oder Schweden beträgt dieser Anteil das Dreifache", heißt es in der Regierungsanalyse.

Bildung

In Deutschland sind die Bildungschancen von Kindern davon abhängig, was die Eltern gelernt haben und welches Haushaltseinkommen sie erzielen. Und: Für Analphabeten - mindestens 7,5 Millionen in Deutschland - wird nicht genug getan. Immerhin: nur noch 6,5 Prozent schafften 2010 keinen Schulabschluss. 2007 waren es noch 7,7 Prozent.

Minijob und Teilzeitstelle

Teilzeitstelle von bis zu 20 Wochenstunden, Minijob, befristeten Arbeitsverträge oder einer Anstellung als Leiharbeiter: Immer mehr Menschen arbeiten in einer solchen atypischen Beschäftigung. Der Anteil hat sich innerhalb on zehn Jahren von 20 auf 25 Prozent erhöht - und das auch noch auf Kosten normaler Arbeitsverhältnisse. Denn deren Zahl hat sich fast nicht verändert.

Ältere Menschen

"Die Einkommens- und Vermögenssituation der Älteren von heute ist überdurchschnittlich gut", heißt es in dem Bericht laut "Süddeutsche Zeitung". Nur 2,45 Prozent der über 65-Jährigen waren auf die staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen. Als entsprechend niedrig gilt ihr Risiko, arm zu werden. Es liegt bei 14,7 Prozent, bei der Bevölkerung insgesamt bei 15,3 Prozent.

Arbeitsmarkt

Immerhin: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist seit 2007 um 40 Prozent auf im Jahresdurchschnitt 1,06 Millionen 2011 gesunken, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Besonders deutlichen Rückgang gibt es bei Zugewanderten. Zwischen 2008 und 2011 sei deren Erwerbstätigenquote "noch stärker gestiegen als die der Inländer". Auch habe sich die Zahl der hoch qualifizierten Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten kräftig von 1200 im Jahr 1998 auf 27 800 im Jahr 2011 erhöht.

Grundsätzlich werten die Meinungsforscher als positiv, dass drei von fünf Befragten künftig ebenso viel Geld ausgeben wollen wie in der Vergangenheit. „Die deutsche Wirtschaft boomt und die Steuereinnahmen sind hoch, die Inflation ist gering und das Zinsniveau niedrig. Dennoch wollen viele Bürger in Zukunft eher sparen als konsumieren“, sagt der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Prof. Ulrich Reinhardt.

Dafür macht er vor allem zwei Gründe aus. „Erstens blicken viele Deutsche mit Skepsis und Zurückhaltung in die Zukunft. Zweitens schätzen viele Bundesbürger ihre persönliche Lage recht realistisch ein: Sie wollen nicht unbedingt sparen, müssen es aber, da das eigene Einkommen nicht ausreicht. Eine Verschuldung für Konsumgüter - wie zum Beispiel in den USA typisch - ist für die meisten Bundesbürger keine Option.“ Die vollständige Studie, die der Nachrichtenagentur dpa in Teilen vorab vorlag, soll am kommenden Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt werden.

Von

dpa

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

RDA

24.08.2013, 12:00 Uhr

Tataaaa! Wer stagnierende Reallöhne und sinkende Lohnquoten sät, wird Konsumzurückhaltung ernten. Haben Sie sich nie gewundert, warum unsere Vollsortimenter-Supermärkte immer weniger werden und die Discounter Überhand nehmen? Wie sieht´s aus mit artgerechter Tierhaltung in den Agrarfabriken für die Discounter? Was ist mit multiresistenten Keimen, die in diesen Fabriken gleich mitgezüchtet werden? Und nicht zu vergessen die rumänischen "Selbständigen", die für Hungerlöhne in deutschen Schlachthöfen arbeiten.
Unsere Wirtschaft ist krank! Höhere Lohnquoten, mehr unbefristete Vollzeitarbeitsplätze und Mindestlöhne für alle Branchen sind das Gebot der Stunde. Teilzeit oder Leiharbeit sollten an feste Gründe gekoppelt werden (z.B: Teilzeit nur bei Kindererziehung etc. oder Leiharbeit nur bei temporären Engpässen), um das ALG II-Aufstocker-Unwesen und vorprogrammierte Altersarmut einzudämmen.

Aber zurück zum Thema: Wenn unsere Bevölkerung nur oft genug zu hören bekommt, dass "alle keine Theater mehr wollen", dann ist das für mich lediglich ein weiteres Agenda setting für anstehende Schließungen öffentlich finanzierter Einrichtungen. Warum macht eigentlich niemand eine Umfrage darüber, wie gerecht wir die GEZ-Haushaltsabgabe finden und ob man die GEZ nicht schließen soll? Oder über out of area-einsätze der bundeswehr, die laut Verfassung eine Verteidigungsarmee ist, aber seit dem Ende des Kalten KRieges nichts mehr zu verteidigen hat?

Micha

24.08.2013, 12:41 Uhr

GEZ:
26.000 Angestellte
22 TV-Sender
64 Radioprogramm
1.100 Musiker
200 Sänger
9 Sinfonieorchester
2 Rundfunkorchester
4 Big Bands
5 Chöre
....

Account gelöscht!

24.08.2013, 12:50 Uhr

Zunächst würde ich die Statisten des Bundestag-Theaters auf 50 Prozent zusammen streichen, die Zahl der Bundesländer auf 8 reduzieren und den Rotstift an der Brüsseler Bürokratie ansetzen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×