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04.07.2011

12:20 Uhr

Drohender Zahlungsausfall

Grüne fordern Konsequenzen nach S&P-Warnung zu Griechen-Hilfen

ExklusivDie Griechenland-Krise könnte sich abermals verschärfen, nachdem die Ratingagentur S&P Pläne zur Banken-Beteiligung de facto ablehnt. Die Grünen finden das nur konsequent und schlagen eine Alternative vor.

Vor dem griechischen Parlament in Athen. Quelle: dapd

Vor dem griechischen Parlament in Athen.

DüsseldorfStandard & Poors habe zu Recht deutlich gemacht, dass das, was Berlin und Paris in Sachen Gläubigerbeteiligung vorhaben, die Schuldenlast Griechenlands nicht reduziert, aber zusätzliche Probleme schafft, sagte der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick Handelsblatt Online. Die Ratingagentur hatte mitgeteilt, dass die beiden französischen Vorschläge für die Verlängerung von Laufzeiten griechischer Staatsanleihen als teilweiser Zahlungsausfall gewertet und zu einer Herabstufung griechischer Anleihen auf "default" führen könnte.

Genau das hätten die Regierungen vermeiden wollen. Dabei sei bekannt gewesen, wie die Risikobewerter zu derlei Plänen stehen. „Bereits im Vorfeld der Aufnahme von Verhandlungen mit den Banken war von Ratingagenturen zu hören, dass jede Lösung, bei der Banken ihr Engagement zu Konditionen verlängerten, die unter dem aktuellen Marktniveau lägen, zu einer Herabstufung führen würde“, sagte Schick.

Vor diesem Hintergrund sei die aktuelle Ankündigung von S&P „nur konsequent und zeigt dabei die mangelhafte Verhandlungsführung der Regierungen in Berlin und Paris auf“: Die aktuelle Lösung führe eben nicht zu einer Reduzierung der Schuldenlast, könne aber auf den Finanzmärkten die gleiche Unsicherheit herbeiführen wie eine Umschuldung.

Schick schlug vor, statt des jetzt geplanten Weges eine Umschuldung in Betracht zu ziehen, bei der griechische Anleihen durch europäische Anleihen ersetzt würden, deren Nominalwert sich an der Höhe der aktuellen Marktpreise griechischer Titel orientiere. „Dadurch könnte man die griechische Staatsschuld reduzieren und gleichzeitg den Zugang für Banken zur EZB-Refinanzierung erhalten, da diese dann AAA geratete europäische Anleihen in den Büchern hielten.“

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte zuvor Hoffnungen auf eine baldige Schuldenlösung für Griechenland einen Dämpfer versetzt. Beide vom französischen Bankenverband genannten Optionen für eine Bankenbeteiligung würden wahrscheinlich zu einem „SD“ oder „selective default“ führen, erklärte S&P. Beide Fälle würden den Gläubigern Verluste einbringen. Doch auch wenn die französischen Pläne nicht umgesetzt würden, stehe die Fähigkeit Griechenlands infrage, die von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds geforderten Reformen umzusetzen. Dies sei ein großes Risiko für die Kreditwürdigkeit des Landes.

Die Finanzminister der Eurozone hatten am Wochenende die Zahlung der nächsten Tranche für das hoch verschuldete Griechenland beschlossen und dem Staat damit eine Atempause verschafft. Das Parlament in Athen machte dafür vergangene Woche den Weg frei, in dem es weitere Sparpakete mit Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen auf den Weg brachte. Ein zweites Hilfspaket soll in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden. Daran sollen sich auch private Gläubiger wie Banken und Versicherungen beteiligen.

Von

dne

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