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21.07.2013

16:17 Uhr

Drohne

Euro Hawk könnte verkauft werden

Das Verteidigungsministerium will die unbemannte Aufklärungsdrohne Euro Hawk womöglich verkaufen. Am Montag beginnt im Untersuchungsausschuss zur Drohnen-Affäre die Zeugenvernehmung.

Die Aufklärungsdrohne hat bereits für viel Streit gesorgt. dpa

Die Aufklärungsdrohne hat bereits für viel Streit gesorgt.

BerlinDas Verteidigungsministerium prüft einem Zeitungsbericht zufolge einen Verkauf der Aufklärungsdrohne Euro Hawk an die USA. Das Ministerium habe in einem internen Bericht vom 24. Mai dafür die Weltraumbehörde NASA oder die US-Luftwaffe genannt, berichtete die „Bild am Sonntag“. Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte sich vor den am Montag beginnenden Zeugenvernehmungen im Euro-Hawk-Untersuchungsausschuss hinter Verteidigungsminister Thomas de Maizière (beide CDU).

Voraussichtlich im September endet laut dem Bericht die Euro-Hawk-Erprobung, danach gingen Drohne, Bodenstationen und Ersatzteile „in das Eigentum der Bundeswehr über“. Mit einem hohen Erlös rechnet das Verteidigungsministerium demnach aber nicht. Ein Ministeriumssprecher sagte zu dem Bericht lediglich, es würden Optionen geprüft, was nach dem Übergang des Prototyps an die Bundeswehr geschehen solle. Zu den angeblichen Verkaufsabsichten äußerte er sich nicht.

Die Chronologie des Euro-Hawk-Projekts

2001

Die rot-grüne Koalition bringt die Entwicklung einer Aufklärungsdrohne auf den Weg, die in über 20 Kilometern Höhe fliegen kann. Das unbemannte Flugzeug selbst soll vom US-Konzern Northrop Grumman gestellt werden, die Aufklärungstechnik soll von EADS kommen.

Oktober 2003

Erstmals finden in Deutschland Tests mit einer „Global Hawk“ statt. Aus dem US-Modell soll später die „Euro Hawk“ entstehen.

Januar 2007

Das Verteidigungsministerium unterzeichnet mit EADS und Northrop Grumman einen Vertrag über Entwicklung und Bau der Drohne. Der Auftrag hat nach Firmenangaben einen Wert von 430 Millionen Euro.

Juli 2011

Ein Prototyp absolviert einen mehr als 20-stündigen und nach offiziellen Angaben erfolgreichen Testflug von Kalifornien zu einem Luftwaffenstützpunkt im bayerischen Manching.

Oktober 2011

„Euro Hawk“ wird der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ende 2011

Das Verteidigungsministerium stellt nach eigenen Angaben fest, dass eine Zulassung von „Euro Hawk“ nur mit erheblichem Mehraufwand möglich ist. Parlament und Öffentlichkeit werden aber zunächst nicht darüber informiert.

Januar 2013

Die „Super-Drohne“ ist sechs Stunden lang auf einem ersten Testflug über Deutschland unterwegs - auch dieser wird als erfolgreich gewertet. Start- und Landepunkt ist erneut Manching in Bayern.

Mai 2013

Das Verteidigungsministerium zieht wegen massiver Probleme bei der Zulassung für den europäischen Luftraum die Reißleine. Für 120 Komponenten fehlen die Konstruktionsdokumente. Allein für eine Musterzulassung müssten weitere 600 Millionen Euro investiert werden. Die Aufklärungstechnik soll aber weiter genutzt werden.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, bezeichnete den Versuch, die Drohne zu verkaufen, als „ziemlichen Unfug“. „Die Amerikaner selbst haben diesen Typ von Euro Hawk stillgelegt, weil sie den nicht mehr haben wollten. Warum sollten sie ihn dann kaufen?“, sagte Arnold der „Frankfurter Rundschau“ (Montagsausgabe). Seine Prognose sei: „Das Teil steht irgendwann in einem Technik-Museum.“

Kommentare (2)

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Gedienter

21.07.2013, 18:57 Uhr

Zulassungsverfahren wegen nationaler Sicherheit erzwingen, Einsatzbereitschaft herstellen, fertig ist der Lack.

Rainer_J

21.07.2013, 22:26 Uhr

Sieht für mich so aus, als ob Deutschland keine Drohnen haben darf. Frankreich hat mit Sicherheit sein Veto eingelegt. Wollte Deutschland nicht kurz vor dem Scheitern Frankreich mit ins Boot holen? Warum wohl?

Sollen die doch offen zugeben, dass Deutschland keine Drohnen haben darf. Ehrlichkeit währt am längsten. Denn Rest erledigt dann ohnehin die NSA-Stasi in Wiesbaden.

Immer diese Ausreden und Vertuschen...ist das den Politikern nicht penlich? Wie wäre es mal mit der Wahrheit?

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