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24.11.2011

16:31 Uhr

Drohne Talarion

IG Metall kämpft für Rüstungsprojekt

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Bundeswehr verliert ihr Interesse an der Drohne Talarion. Für die EADS-Tochter Cassidian wäre ein Ende des Projekts ein herber Rückschlag. Die IG Metall schlägt Alarm - und hofft auf Hilfe des Wirtschaftsministers.

Ein Modell der Drohne Talarion bei der Luftfahrtshow in Le Bourget: Dem Projekt droht das Aus. Reuters

Ein Modell der Drohne Talarion bei der Luftfahrtshow in Le Bourget: Dem Projekt droht das Aus.

DüsseldorfDie IG Metall will mit Hilfe von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) die Rüstungssparpläne von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) verhindern. Konkret geht es um die Aufklärungsdrohne Talarion der EADS-Rüstungssparte Cassidian, deren Beschaffung für de Maizière offenbar keine Priorität mehr hat. „Wird die Streichliste von de Maizière umgesetzt, dann wird auf das unbemannte Flugsystem Talarion verzichtet und es wird in Deutschland zukünftig keine Produktion und keine Entwicklung von militärischen Flugzeugen mehr geben“, sagte der EADS-Beauftragte der Gewerkschaft IG-Metall, Bernhard Stiedl, Handelsblatt Online. Dies bedeute dann den Verlust von 25.000 Arbeitsplätzen in Deutschland. Die EADS-Tochter Cassidian im bayerischen Manching ist der größte deutsche Standort des Rüstungsunternehmens. Der Grünen-Verteidigungspolitiker Omid Nouripour bestätigte die Informationen.

Kommenden Dienstag will Stiedl im Bundeswirtschaftsministerium auf den Ernst der Lage hinweisen und in einem Gespräch mit dem Luft- und Raumfahrt-Koordinator der Bundesregierung, Peter Hintze (CDU), für die Rücknahme der Streichpläne werben. Vorausgegangen war ein Brandbrief Stiedls an Minister Rösler.

In dem Handelsblatt Online vorliegenden Schreiben unterstreicht der Gewerkschafter, dass mit der Entscheidung für oder gegen Talarion eine Entscheidung für oder gegen die Zukunft der militärischen Luftfahrtindustrie in Deutschland getroffen werde. „Es geht bei der Entscheidung auch darum, ob wir im Zukunftsmarkt der unbenannten Flugzeuge künftig eine eigenständige Rolle spielen oder auf Modelle aus dem Ausland angewiesen sind“, schreibt Stiedl und fügt hinzu: „Will man eine eigene leistungsfähige Industrie fördern und will man einen Zuwachs an hochqualifizierten Arbeitsplätzen in dieser Zukunftsindustrie, muss man die Risiken der Finanzierung technologischer Entwicklungssprünge angemessen teilen und dafür entsprechende Finanzierungsmodelle finden.“

EADS-Aktionärsstruktur mit politischer Brisanz

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Stiedl forderte Rösler in dem Brief auf, mit der wehrtechnischen Industrie und den Arbeitnehmervertretungen in einen Dialog zu treten. „Es geht um die Klärung, wie die militärische Luftfahrtindustrie gesichert und neue Anforderungen gemeinsam gestaltet werden können.“ Von Röslers Einsatz erhofft sich Stiedl, dass de Maizière seine Entscheidung zu Talarion überdenkt und, wie er im Gespräch mit Handelsblatt Online sagt, „negative Folgen“ der Bundeswehrreform auch für die Beschäftigten in der Wehrindustrie sozial und finanziell abfedert. „Wer auf der einen Seite Banken mit dem Argument der Sicherung der Arbeitsplätze stützt, kann nicht auf der anderen Seite mit dem Verzicht auf Zukunftsprogramme leichtfertig zig tausende Arbeitsplätze aufs Spiel setzen“, sagte Stiedl. „Wir sind es leid, wieder und wieder die Zeche zu zahlen für falsche Entscheidungen der Politik“.

Kommentare (2)

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traurig

24.11.2011, 16:16 Uhr

wann kapiert denn die gewerkschaftsleitung,daß immer wenns zu spät ist idioten gesucht werden,die sich vor den karren der kapitalseite spannen lassen.


bei der CASSIDIAN hocken die arbeitnehmervertreter im aufsichtsrat und hatten jahrelang zeit zusammen mit der kapitalseite ein ausstiegsszenario für die jetzige nachfragesitiuation vorzubereiten.

jetzt nach staatsknete zu krähen is doch schlicht einfältiges rumgehuber und lamento.

unsre IG METALL is zum schoßhund der arbeitgeber verkommen
ohne eigene konzeption und ziele.

ohne kürzere wochenarbeitszeiten in verbindung mit notwendigen spürbaren lohnkürzungen und geringeren manteltarifleistungen ist ein funktionierender und belastbarer arbeitsmarkt im metall und elektrogewerbe nicht zu erhalten.

daß sich metaller,die noch vor 25 jahren gegen kriege demonstriert haben,sich jetzt für die aufrüstung medial aufplustern ist beschämend und spricht der verfolgungs- und unterdrückungsgeschichte der gewerkschaften sowie der opfer imkollegenkreis hohn.

der ig metall vorstand sollte langsam zur besinnung kommen kommen...

Hans

13.03.2012, 09:19 Uhr

EADS hat die Arbeiten an Talarion beendet. Das Mrd Grab bleibt den Deutschen Steuerzahler erspart.

http://www.aviationweek.com/aw/generic/story_generic.jsp?channel=defense&id=news/asd/2012/03/09/04.xml&headline=EADS%20Backs%20Away%20From%20Talarion%20UAV

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