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28.09.2016

20:32 Uhr

Düstere Aussichten

Ist das Rentenniveau noch zu retten?

Die Rentnergeneration heute ist im Schnitt nicht arm. Doch das Absinken des Rentenniveaus lässt die Zukunft in wenig rosigem Licht erscheinen. Erste Prognosen zur langfristigen Entwicklung provozieren heftige Reaktionen.

Die gesetzliche Rente ist nicht die einzige Reformbaustelle bei der Alterssicherung. dpa

Rentner auf einer Parkbank

Die gesetzliche Rente ist nicht die einzige Reformbaustelle bei der Alterssicherung.

BerlinJetzt ist offiziell, was viele wissen: Die Kraft der gesetzlichen Rente, den Lebensstandard im Alter zu sichern, sinkt mit immer mehr Babyboomern im Rentenalter dramatisch. Das Rentenniveau dürfte von 47,8 auf 41,6 Prozent bis 2045 sinken. Mit diesen neuen Berechnungen läutet das Bundessozialministerium einen Herbst voller hitziger Rentendebatten ein. Denn zugleich ist nun eine andere Zahl offiziell – und die zeigt das Dilemma von Ministerin Andrea Nahles (SPD): Man könnte das Rentenniveau zwar halten, wie es ist. Das würde nach den vorläufigen Berechnungen aber 40 Milliarden Euro im Jahr kosten. Wie könnte die Rentenrettung also aussehen?

Zunächst einmal bemühen sich Rentenversicherung und Regierung in jüngster Zeit, einige Fakten gegen manche Schwarzmalerei zu stellen: So ist Altersarmut laut Statistik trotz vieler kleiner Renten noch nicht sehr weit verbreitet. Heute beziehen nur 6,1 Prozent der Rentner mit einer Rente bis zu 600 Euro – also 319.000 Personen – Grundsicherung im Alter. Oft sorgen die Partner für ein auskömmliches Haushaltseinkommen. Insgesamt sind 3 Prozent der Menschen ab 65 Jahren auf Grundsicherung im Alter angewiesen.

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Im politischen Schlagabtausch ist das Rentenniveau zur entscheidenden Frage geworden. Doch ob die Menschen vernünftig fürs Alter abgesichert sind, hängt nicht in erster Linie davon ab. Genug der Wahlgeschenke. Eine Analyse.

Die Rentnergeneration heute ist im Schnitt nicht arm. Das Monatseinkommen liegt bei über 2500 Euro netto bei Ehepaaren, mehr als 1600 Euro netto bei alleinstehenden Männern und über 1400 Euro bei Frauen.

Doch das Absinken des Rentenniveaus lässt die Zukunft in wenig rosigem Licht erscheinen. Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske, der als Chef einer Dienstleistungsgewerkschaft auch viele Menschen in eher prekären Verhältnissen vertritt, macht seit Wochen folgende Rechnung auf: Renten von 700 bis 800 Euro seien für heute gut 50-jährige Beschäftigte in 15 Jahren keine Seltenheit – bis zu zwölf Millionen Arbeitnehmer steuerten auf Altersarmut zu.

SPD-Chef Sigmar Gabriel und CSU-Chef Horst Seehofer haben im Frühjahr die Debatte ums Rentenniveau angezettelt – jetzt ist Nahles am Zug. „Wir brauchen eine Haltelinie beim Rentenniveau“, sagt sie. Sprich: Die Rente soll nicht zu stark hinterm Durchschnittseinkommen zurückbleiben. Doch klar ist: Alle Erwartungen kann sie kaum erfüllen – nicht bei einem Spitzentreffen zur Rente am nächsten Dienstag in ihrem Ministerium, nicht bei ihrem für November angekündigten Gesamtkonzept. Die Gewerkschaften haben längst Kampagnen für eine Absicherung und Erhöhung des Rentenniveaus gestartet.

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