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04.03.2011

11:53 Uhr

E10

Deutschland versinkt im Streit um neuen Biosprit

Das Debakel um den neuen Bio-Sprit E10 entzweit Politiker und Interessenverbände. Am Dienstag soll ein Krisengipfel der Bundesregierung die Lösung bringen. Dabei sind alle Beteiligten zum Erfolg verdammt.

Zapfhahn mit dem neuen Bio-Kraftstoff E10: Droht dem neuen Sprit das vorzeitige Aus? Quelle: dpa

Zapfhahn mit dem neuen Bio-Kraftstoff E10: Droht dem neuen Sprit das vorzeitige Aus?

Düsseldorf/BerlinBei den Deutschen steht das Auto auf der Liste der unverzichtbaren Dinge ganz oben. Entgegen aller Erwartungen sehen die meisten ihr Auto jedoch nicht als Statussymbol, sondern als zuverlässiges Verkehrsmittel. Und das soll auch zuverlässig fahren – natürlich mit Sprit, der bezahlbar ist. Fremder Kraftstoff überzeugt da nur, wenn er passt und billig ist. Insofern ist die aktuelle Debatte über den neuen Biokraftstoff E-10 zumindest aus Verbrauchersicht nachvollziehbar. Ihnen kann man kaum einen Vorwurf machen, dass E-10 bei ihnen nicht wirklich ankommt. Die Bundesregierung hat das Problem erkannt und lädt für kommenden Dienstag zum „Benzin-Gipfel“, um das E10-Chaos zu beenden. Eine entsprechende Einladung habe Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) verschickt, hieß es in Regierungskreisen. Die Regierung will demnach gemeinsam mit Mineralölwirtschaft, Autobranche und Verbraucherschützern nach einer Lösung bei der Absatzkrise des neuen Super-Benzins suchen.

Das ist auch bitter nötig, findet auch die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert. Sie macht insbesondere die Mineralölwirtschaft für die Probleme bei der Einführung des neuen Biosprits verantwortlich. „Die Problematik scheint typisch deutsch zu sein, ein derartiges Chaos ist kaum in einem anderen Land zu beobachten“, sagte Kemfert Handelsblatt Online. „Es bleibt zu befürchten, dass die Mineralölwirtschaft nicht wirklich an einer zügigen Einführung von Biosprit interessiert ist.“

Um den Biokraftstoff vor einem schnellen Aus zu bewahren, müsse „einiges verbessert werden: die Autofahrer müssen sowohl seitens der Politik als auch seitens der Mineralölwirtschaft viel besser als bisher informiert werden“, sagte die DIW-Expertin. Vor allem die Mineralölwirtschaft habe hier Nachholbedarf. „Durch verwirrende Äußerungen seitens der Autoverbände, Mineralölwirtschaft und Medien sind Verbraucher verunsichert worden“, so Kemfert. „Zudem muss E10 an den Tankstellen zügig flächendeckend angeboten werden“.

Politiker und Interessenverbände wollen jedoch keine Verantwortung übernehmen. Sie schieben sich lieber gegenseitig die Verantwortung für das Debakel um den neuen Bio-Sprit zu. Der Automobilclub ADAC sieht die Schuld allein bei den Benzinproduzenten. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) nannte das Verhalten der Mineralölbranche ein „Trauerspiel“. Die Grünen machen dagegen die Bundesregierung verantwortlich. Die Hersteller des neuen Kraftstoffes, der das alte Super ersetzen soll, hätten es versäumt, die Umstellung auf E10 rechtzeitig anzukündigen, Autofahrer aufzuklären und Verunsicherung abzuwenden, sagte Maxi Hartung vom ADAC am Freitag im ARD-„Morgenmagazin“.

Kommentare (13)

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beevizz

04.03.2011, 10:24 Uhr

„Die deutschen Hersteller haben allesamt ihre Fahrzeuge für E10 freigegeben.“

Das stimmt nicht und ist eine klare Falschaussage. VW beispielsweise hat fast keinen ihrer FSI-Motoren bis 2005 freigegeben.

Und auch Super-Plus kann nicht bedenkenlos in jedem Benziner verwendet werden.

Beides ist jedoch für jeden Verbraucher wahnsinnig einfach nachvollziehbar und steht entweder im Fahrzeughandbuch oder kann bei der jeweiligen Kundenberatung des Fahrzeugherstellers erfragt werden. Das geht auch an jeder Tankstelle vor Ort per Handy.

Stattdessen wird sinnlos diskutiert. Vielen Dank.

Account gelöscht!

04.03.2011, 10:25 Uhr

Vielen Dank für den BIO-Sprit,

meine Einspritzpumpe hat versagt, ein Motorblock brannte durch und der Turbolader ist auch hin. Alles der Umwelt zu liebe.

Sie dürfen raten, wer die Kosten trägt.

DST

04.03.2011, 10:32 Uhr

Die "Verbraucher" sind alles andere als desinformiert, sie wissen sehr genau dass E10 eben nicht umweltfreundlich ist. Der Energiegehalt ist ebenfalls niedriger als bei dem bisherigen Super, deshalb fühlen wir uns mal wieder verarscht. Dazu gibt es noch das Risiko mit der Verträglichkeit. Insgesamt also kein Wunder dass keiner E10 tanken will.

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