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17.09.2014

16:57 Uhr

Ebola-Krise

Merkels Afrika-Beauftragter verzweifelt gesucht

VonDietmar Neuerer

ExklusivEs gab Zeiten, da hat sich Günter Nooke mächtig für Afrika ins Zeug gelegt. Öffentlichkeitswirksam setzte sich der Merkel-Vertraute für Hunger-Staaten ein. Dass er zur Ebola-Katastrophe schweigt, empört die Opposition.

Günter Nooke. Im April 2010 wurde der CDU-Politiker zum Persönlichen Afrikabeauftragten der Bundeskanzlerin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ernannt.

Günter Nooke. Im April 2010 wurde der CDU-Politiker zum Persönlichen Afrikabeauftragten der Bundeskanzlerin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ernannt.

BerlinAm 24. September lädt die Unions-Bundestagsfraktion zu einem Afrika-„Fachgespräch“ in den Bundestag. Politiker und Experten diskutieren über die Zukunft des schwarzen Kontinents. Es geht um die „Chancen für die deutsch-afrikanische Wirtschaftskooperation“. So heißt es in der Ankündigung der Veranstaltung, zu der auch Günter Nooke erwartet wird. Nooke ist nicht irgendwer. Der CDU-Politiker ist, wie es in seinem Titel heißt, „persönlicher Afrika-Beauftragte der Bundeskanzlerin“.

Das Thema Ebola scheint aber nicht sein Thema zu sein. Es steht nicht auf der Tagesordnung des Expertentreffens, obwohl selbst US-Präsident Barack Obama inzwischen die Lage so einschätzt, dass die grassierende Epidemie in Westafrika „tiefgreifende wirtschaftliche, politische und sicherheitsrelevante Auswirkungen auf uns alle“ haben könne.

Nooke zieht es aber vor, im Bundestag über etwas anderes zu sprechen: „Wirtschaftskooperation auf Augenhöhe: Von der Rohstoffabhängigkeit zur Wertschöpfungskette“, lautet sein Thema. Nun ließe sich einwenden, dass solche Termine schon länger geplant sind und also die Tragweite von Ebola nicht habe erkannt werden können. Doch Angela Merkels Mann für Afrika-Fragen hat sich auch sonst nicht zu der Seuche und den Möglichkeiten deutscher Einflussnahme bei der Eindämmung geäußert.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

In der jüngsten Pressemitteilung des Bundesentwicklungsministeriums, wo Nooke sein Büro hat, wird über dessen Reise Ende Juli nach Cotonou im westafrikanischen Benin und seinen Einsatz für Investitionen in den Agrar- und Ernährungssektor berichtet. In Nookes Blog findet sich dasselbe Thema. „Günter Nooke trifft den beninischen Staatspräsidenten Boni Yayi in Cotonou“, ist der letzte Eintrag betitelt. Eine schriftliche Anfrage des Handelsblatts zu seinem Ebola-Engagement ließ Nooke zunächst unbeantwortet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dagegen die Brisanz der Ebola-Epidemie inzwischen erkannt und umfangreiche Hilfe Deutschlands zugesagt. Bundestagsabgeordneten der Linken und der Grünen reicht das jedoch nicht aus. Sie halten das Schweigen von Merkels Afrikabeauftragten für inakzeptabel. Der Afrikabeauftragte der Bundesregierung „bleibe angesichts der Ebola-Katastrophe unsichtbar und unhörbar“, sagte die Gesundheitsexpertin der Linksfraktion im Bundestag, Kathrin Vogler, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Das Amt kann man offenbar ersatzlos abschaffen und die so eingesparten Mittel den Ärzten ohne Grenzen spenden.“

Kommentare (1)

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Herr Delete User Delete User

17.09.2014, 19:39 Uhr

Günter Nooke macht das was er von Angela Merkel gelernt hat:

Er sitzt die Ebolapandemie einfach aus!

Schweigen und Untätigkeit zu brisanten Themen ist eine besondere Spezialität der CDU/CSU. In der CSU fährt man noch dazu häufig unqualifizierte Verbalattacken.


Günter Nooke will natürlich deutsche Investoren in Afrika nicht verschrecken. Außerdem sitzt er hier doch sicher und bequem und braucht zudem nur auf sein fürstliches Salär, das er von uns Steuerzahlern erhält, zu warten. Warum sollte er sich also mit so einem traurigen und gefährlichem Thema wie Ebola beschäftigen? Für Günter Nooke gibt es keinen Grund. Ebola in Afrika ist für ihn möglicherweise etwas Normales? Deshalb wird er wohl schweigen. Ob er allerdings seinen Posten zu Recht bekleidet, darf angesichts der möglichen Gefahren bezweifelt werden.

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