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19.10.2014

17:26 Uhr

EEG-Umlage

Deutliche Entlastung von Stromkunden bleibt aus

VonKlaus Stratmann

ExklusivDie gute Nachricht: Die EEG-Umlage, die Haushalte für Strom aus Erneuerbaren Energien abdrücken müssen, sinkt im kommenden Jahr um 0,07 Cent. Die schlechte Nachricht: Sie hätte offenbar noch mehr sinken können.

Strompreise

Erstmals sinkt Ökostrom-Umlage - Keine Änderung für Verbraucher

Strompreise: Erstmals sinkt Ökostrom-Umlage - Keine Änderung für Verbraucher

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BerlinSubventionierter Ökostrom hat die Strompreise zuletzt in die Höhe getrieben. Zum Jahreswechsel wäre es möglich gewesen, Stromkunden deutlich zu entlasten. Doch senken die Übertragungsnetzbetreiber, die für die Berechnung der Umlage zuständig sind, die Umlage offenbar weniger stark als sie es gekonnt hätten. Das belegen Berechnungen aus der Energiebranche, die dem Handelsblatt (Montagausgabe) vorliegen.

Erst am vergangenen Mittwoch hatten die Netzbetreiber bekannt gegeben, die Umlage werde 2015 von derzeit 6,24 Cent je Kilowattstunde auf 6,17 Cent sinken. Den Branchenberechnungen zufolge wäre jedoch auch ein Wert von 5,8 Cent oder gar 5,4 Cent vertretbar gewesen.

Die Gründe für die nur leichte Absenkung der Umlage: Die Netzbetreiber schöpfen die sogenannte Liquiditätsreserve im kommenden Jahr voll aus. Mit der Reserve in Höhe von zehn Prozent der Einnahmen aus der Umlage heute dürfen sie sich für den Fall absichern, dass Einnahmen aus der EEG-Umlage künftig überraschend die Ausgaben nicht decken, weil Solar- und Windanlagen viel mehr Strom abwerfen als erwartet.

Zankapfel Ökostrom-Reform

Ziele

ZIELE: Es gibt bereits mehr als 4000 EEG-Vergütungssätze - immer wieder wurde die Förderung gekürzt oder Boni verändert. Den zum Anschlussdatum gültigen Fördersatz gibt es auf 20 Jahre garantiert. Die Reform soll die Abkehr von garantierten Zahlungen einleiten. So soll die Vergütung für neue Anlagen auf 12 Cent je Kilowattstunde im Schnitt sinken. Von 25 Prozent der Stromerzeugung soll der Ökostromanteil günstiger als bisher auf 40 bis 45 Prozent bis 2025 und bis 2035 auf 55 bis 60 Prozent steigen. Ab 2017 soll es Ausschreibungsmodelle geben - den Zuschlag für einen Windpark könnte dann das günstigste Angebot bekommen.

Windenergie

WINDENERGIE: Es soll einen jährlichen Zubau von 2500 Megawatt (MW) geben, die Anfangsvergütung nur noch 8,9 Cent je Kilowattstunde betragen. Förderkürzungen gelten für alle Anlagen, die nach dem 23. Januar genehmigt wurden. Wird der Korridor überschritten, gibt es für alle darüberliegenden Windräder automatisch weniger Geld. Der Austausch alter durch leistungsstärkere Anlagen an bestehenden Standorten wird nicht in den 2500-Megawatt-Deckel einbezogen.

Mindestabstand

MINDESTABSTAND: Die Bundesländer sollen bis Ende 2015 die Möglichkeit bekommen, Mindestabstände zwischen Windrad und einer Wohnbebauung festzulegen, Bayern schwebt das Zehnfache der Windradhöhe vor - das kann im Endeffekt bis zu zwei Kilometer Abstand bedeuten.

Windkraft im Meer

WINDKRAFT IM MEER: Hier soll es zwar eine hohe Anfangsvergütung von rund 18 Cent je Kilowattstunde geben, aber die Ziele werden gekürzt. Statt 10 000 Megawatt sollen nur noch 6500 Megawatt bis 2020 installiert werden und 15 000 Megawatt bis zum Jahr 2030.

Biomasse

BIOMASSE: Auch wegen der Zunahme von Maisanbauflächen soll der Zubau auf nur noch 100 Megawatt pro Jahr gedeckelt werden. Neue Anlagen sollen mit Abfall- und Reststoffen gefüttert werden.

Eigenstrom

EIGENSTROM: Die Kosten für die Bürger steigen auch, weil in Zeiten hoher Preise viele Unternehmen Strom selbst erzeugen und verbrauchen. Damit sind sie von EEG-Umlage und Netzentgelten befreit. Um diese Schieflage und entsprechende Strompreisbelastungen zu mindern, sollen neue Eigenstromversorger eine Mindestabgabe, eine Art „Energie-Soli“ zahlen: Zunächst ab August 30 Prozent, ab 2017 dann dauerhaft 40 Prozent der regulären EEG-Umlage von 6,24 Cent je Kilowattstunde, das wären 2,5 Cent je selbst verbrauchter Kilowattstunde. Ausgenommen bleiben aber kleine Solaranlagen bis 10 Kilowatt auf dem Hausdach.

Industrie-Rabatte

INDUSTRIE-RABATTE: Belasten ebenfalls die EEG-Umlage und damit die Strompreise. Das System wird nach zähen Verhandlungen mit der EU-Kommission umgestellt. Knapp 1700 Firmen könnten noch Rabatte bekommen, das Volumen soll bei rund fünf Milliarden Euro liegen.

Den Branchenberechnungen zufolge gibt es allerdings keinen Anlass, davon auszugehen, dass eine Reserve notwendig würde. Das Konto, auf dem die Netzbetreiber die Umlage sammeln, war Ende September mit 1,4 Milliarden Euro prall gefüllt. Bei einer durchschnittlichen Entwicklung dürfte sich das Konto in den Wintermonaten, in denen wenig teurer Solarstrom produziert wird, mit der üppig bemessenen Umlage bis April auf mehr als fünf Milliarden Euro anschwellen, so die Berechnungen aus der Energiebranche.

„Es gibt keinen Grund, für diese extreme Absicherung“, schimpft ein Energiemanager, „im Gegenteil, es hätte genug Spielraum gegeben, die Verbraucher endlich zu entlasten.“ Die Netzbetreiber weisen die Vorwürfe zurück. Der Kontostand des Verrechnungskontos sei „in vollem Umfang in die Berechnung der EEG-Umlage eingegangen“, sagte ein Sprecher des Übertragungsnetzbetreibers Amprion.

Das Guthaben auf dem EEG-Konto werde 2015 vollständig an die Stromverbraucher ausgezahlt, es gehe nicht in die Berechnung der Liquiditätsreserve ein. Eine Liquiditätsreserve von zehn Prozent sei erforderlich, um vorhandene Risiken aus Prognoseabweichungen abzumildern.

Kommentare (3)

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Herr Wolfgang Trantow

20.10.2014, 10:04 Uhr

Entlastung? Ich las, dafür steigen die Leitungsentgelte, damit Frau Merkel weiter die Banker und Ausländer fördern kann.

Herr Manfred Zimmer

20.10.2014, 11:32 Uhr

Wir brauchen nicht zu diskutieren. Das EEG-Gesetz ist ehemalige DDR live.

Es ist eine zweifache Fehlsteuerung.

Erstens fehlt jeder Anreiz marktwirtschaftlichem Denken.
Zweitens ist es unsozial in seiner rechtlichen Ausgestaltung und Anwendung.

Wie kann es sein, dass Unternehmen vom EEG-Gesetz profitieren und die Privaten immer mehr zulegen müssen?

Das EEG-Gesetz ist eine Entscheidung von verantwortungslosen Politikern!

Frau Margrit Steer

20.10.2014, 12:34 Uhr

Manfred Zimmer
genau so ist e.
Aber das ßassiert halt, wenn nur noch Laien in der Politik sind und alte DDR-Kader

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