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25.12.2013

11:35 Uhr

EEG-Umlage

Energieverbraucher fordern mehr Preistransparenz

Auf dem deutschen Strommarkt tummeln sich immer mehr Anbieter. Stromtarife sind dabei ein undurchschaubares Dickicht. Transparenz fördert Wechselbereitschaft und das dämpft den Preisauftrieb, sagen Verbraucherschützer.

Das Anzeigefeld eines Drehstromzählers. Privatkunden sollten öfter ihren Stromanbieter wechseln. dpa

Das Anzeigefeld eines Drehstromzählers. Privatkunden sollten öfter ihren Stromanbieter wechseln.

KölnDer Bund der Energieverbraucher hat eine größere Preistransparenz auf den deutschen Strommärkten verlangt. „Viele Versorger versuchen, durch zahlreiche Tarife die Verbraucher aufs Glatteis zu führen und auszuplündern“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Aribert Peters, in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Verwirrung habe Methode und diene nicht dazu, das Vertrauen in den Strommarkt zu erhöhen. Peters ermunterte die Privatkunden zu einem Anbieterwechsel. Nur so könnten sich am Ende die Strompreise stabilisieren, weil der Wettbewerb Wirkung bei den Anbietern zeige.

In der EU gebe es eine Vorschrift, nach der das Vergleichen von Stromtarifen einfach und überschaubar sein müsse. So werde in Großbritannien derzeit diskutiert, die Anzahl der Tarife pro Anbieter künftig auf zwei zu begrenzen. „Der Verbraucherschutz muss gestärkt werden“, verlangte Peters von der neuen Bundesregierung. Denn die Unübersichtlichkeit der Information halte die Verbraucher von einem Wechsel ab.

Ausgewählte Firmen, die von der EEG-Umlage befreit sind

Allgemeines

Insgesamt 1716 Unternehmen sind im Jahr 2013 von der EEG-Umlage ausgenommen. Das enspricht einer begünstigen Strommenge von 95 Terawattstunden – das sind etwa 16 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Alleine 2013 blieben den Firmen rund vier Milliarden Euro an Kosten erspart.
Befreit werden können Unternehmen, die mindestens eine Gigawattastunde Strom im Jahr verbrauchen und deren Stromkostenanteil mehr als 14 Prozent beträgt.

Ausblick

Für 2014 haben 2379 Unternehmen eine Befreiung von der EEG-Umlage beantragt. Das entspricht dem zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zufolge fast 120 Terawattstunden oder 20 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Allerdings werden etliche Anträge auch abgelehnt.

allfein Feinkost

Der Geflügelverarbeiter gehört zur PHW-Gruppe, dem größten Geflügelzüchter und -verarbeiter Deutschlands. Dort wird unter anderem für Aldi produziert. Drei allfein-Standorte in Lohne, Dannenberg (beide Niedersachsen) und Zerbst (Sachsen-Anhalt) sind von der EEG-Umlage ausgenommen.

Aurubis

Extrem viel Strom wird in der Metallherstellung benötigt. Der Kupferproduzent Aurubis beziffert die Entlastung durch die Befreiung in den vergangenen drei Jahren auf 102 Millionen Euro.

BASF

Zu den energieintensiven Unternehmen in Deutschland zählen viele Chemiebetriebe. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat berechnet, dass ein Ende der EEG-Umlagebefreiung allein im Stammwerk jährliche Mehrkosten von mehr als 300 Millionen Euro bedeuten würde.

Bogestra – Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen

Ein Kompromiss mit der EU könnte sich darin andeuten, dass die Befreiung für Unternehmen ausgesetzt wird, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen. Dazu zählen etwa Straßenbahnunternehmen – insgesamt 53 sind in Deutschland befreit. Die volle EEG-Umlage zahlen zu müssen würde die Bogestra jährlich 1,28 Millionen Euro kosten.

Lanxess

Der Kautschuk-Hersteller hat in den vergangenen drei Jahren mehr als 100 Millionen Euro gespart durch die EEG-Befreiung. Eine diskutierte mögliche Nachzahlung dürfte das Unternehmen in die Verlustzone drücken.

Storck

Ein Werk des Süßwarenherstellers („Merci“, „Toffifee“ etc.) in Berlin ist von der EEG-Umlage ausgenommen.

Vion

Die Betriebe des Schweineschlachters Vion sind zum großen Teil von der EEG-Umlage befreit. Die Stromkosten müssen mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung des Unternehmens ausmachen, um in Frage zu kommen. Gegen Vion wurde etwa in der ZDF-Sendung Frontal der Vorwurf erhoben, durch den Einsatz von Werkverträgen statt Festangestellten unter diese Schwelle zu kommen.

Schwarzwald-Sprudel

Nicht nur Industrieunternehmen sind befreit, auch Lebensmittelbetriebe. Schwarzwald Sprudel gehört der Supermarktkette Edeka.

Scharf kritisierte der Verbraucherschützer auch die Regelungen zur Befreiung von Unternehmen von der EEG-Umlage. Dabei stellte sich Peters voll gegen jede Art von Ausnahmen. Es müsse erst einmal der Nachweis geführt werden, dass ein Stahlunternehmen in Deutschland wegen der Ökostromabgabe international nicht mehr wettbewerbsfähig sei. „Wir zahlen als Verbraucher, das macht keinen Sinn“. Die Milliardenbeträge, die die Privatkunden durch die Befreiung der Großindustrie zahlten, fehlten an anderer Stelle.

Auch ein Abbremsen des Ausbautempos bei den erneuerbaren Energien hält Peters für den falschen Weg. „Man will nur die konventionellen Erzeuger schützen, weil sie um ihre Anlagen fürchten“, sagte er. Die EEG-Umlage sei das richtige Instrument zur Förderung der erneuerbaren Energien. Die Abgabe garantiert den Erzeugern von Wind- und Sonnenstrom einen festen Preis. Durch den Verfall der Großhandelspreise ist die Umlage in den vergangenen Jahren stark gestiegen und hat die Strompreise für die Endverbraucher nach oben gezogen.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

27.12.2013, 08:46 Uhr

Bund der Energieverbraucher
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Der Bund der Energieverbraucher fordert mehr Preistransparenz.
Transparenz und Energiepreis schließen sich in Deutschland gegenseitig aus.
Hier gibt es Vorkasse, Prämien, Abnahmevolumina, Grünstrom, Hochtarif, Niedrigtarif, etc.
Dann kommt noch der Vorrang für die Einspeisung der EE und die EEG-Zwangsabgabe.
Die Befreiung von selbiger für "energieintensive Unternehmen" wie z.B. " Geflügelschlachtereien", "Straßenbahnen", "Golfplätze", "Bäckereinen", "Schlachthöfe", da sie ja alle im "internationalen Wettbewerb" stehen.
Und für 2014 haben sich schon ca. 2.400 Betriebe gemeldet, um von der EEG-Umlage befreit zu werden.
Und in vielen Betrieben laufen schon alle Verbraucher auf Hochtouren, um über die magische Grenze von einer Gigawattstunde zu kommen.
Früher waren es 10GWh!

Account gelöscht!

27.12.2013, 10:57 Uhr

@ Pandora0611,
Private Haushalte können doch uch argumentieren, dass sie im internationalen Wettbewerb stehen. Folglich sollten sie einmal den Antrag stellen von der EEG-Umlage befreit zu werden.
Gut; das führt nicht zur Befreiung. Möglicherweis aber zu einem Nachdenkprozess der bei den Verantwortlichen die Dämlichkeit in DIESER Möglichket zur Befreiung erkennt.

Account gelöscht!

27.12.2013, 12:42 Uhr

@ MaWo
„....Nachdenkprozess der bei den Verantwortlichen die Dämlichkeit in DIESER Möglichket zur Befreiung erkennt.“

Wovon träumen Sie nachts? Der einzige Weg wieder zu einer vernünftigen Energieversorgung in D zu kommen, ist die ersatzlose Streichung des EEG. Alles andere ist Kosmetik. Nur, um zu dieser Einsicht zu kommen, müssen vorrangig diejenigen verschwinden, die derzeit die Regeln der Energieversorgung in D bestimmen und die haben davon keine Ahnung, denn es handelt sich dabei um eine Laienveranstaltung, bestehend aus Juristen, Lehrern, Soziologen, Kindergärtnern, Theologen etc. allesamt ausgewählte Fachleute in Sachen Energietechnik. Worüber sollten die denn nachdenken, über die nächste Verschlimmbesserung?

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