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21.01.2010

09:10 Uhr

Effektivlöhne

Kurzarbeit frisst Tariferhöhungen

VonDietrich Creutzburg

Formal gesehen haben die Gewerkschaften 2009 beachtliche Tariferhöhungen durchgesetzt. Praktisch aber kam davon bei den Arbeitnehmern kaum Zählbares an. Nach einer Erhebung des gewerkschaftsnahen Forschungsinstituts WSI sind die Tariflöhne und -gehälter aufs Jahr gerechnet um 2,6 Prozent gestiegen. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Als Folge der Kurzarbeit sanken die tatsächlich gezahlten Effektivlöhne im Schnitt um 0,4 Prozent. ap

Als Folge der Kurzarbeit sanken die tatsächlich gezahlten Effektivlöhne im Schnitt um 0,4 Prozent.

BERLIN. Die tatsächlich gezahlten Effektivlöhne sanken jedoch im Schnitt um 0,4 Prozent. Konkret sind vor allem die Industriebeschäftigten betroffen, denn Ursache dieser Schere sind in erster Linie Lohneinbußen durch Kurzarbeit und andere Beiträge zur Jobsicherung. Für Bereiche wie die Autoindustrie und den Maschinenbau ermittelte das Statistische Bundesamt bis zum Ende des dritten Quartals 2009 sogar Effektivlohneinbußen von mehr als fünf Prozent.

Sehr weit vorn bewegte sich dagegen der öffentliche Dienst: Dort waren schon die Tarifzuwächse – laut WSI 3,7 Prozent – deutlich höher als der Durchschnitt. Zusätzlich gibt es beim Staat kaum Kurzarbeit oder andere Krisenmaßnahmen, die das Effektiveinkommen schmälern.

Das Muster dürfte sich 2010 fortsetzen: Im öffentlichen Dienst führt die Gewerkschaft Verdi derzeit eine Tarifrunde, in der sie Forderungen in einem Volumen von fünf Prozent erhebt. Die IG Metall, die den größten Tarifbereich verantwortet, gibt einer Jobsicherung indes weiterhin klaren Vorrang vor konventionellen Lohnerhöhungen.

Im Schlüsselbezirk Baden-Württemberg beschloss die IG-Metall-Tarifkommission gestern, den laufenden Sondierungen mit der Arbeitgeberseite über ein „Job-Paket“ noch mindestens bis Anfang Februar Zeit zu geben. Erst dann will sie das Ob und Wie einer möglichen Lohnforderung klären. Die alten Metall-Tarifverträge laufen im April aus.

Die Regierung rechnet für 2010 im Durchschnitt mit einer zwar mageren, aber doch kräftigeren Effektivlohnentwicklung als 2009: Das erwartete Plus von 0,9 Prozent liegt immerhin eineinhalb Prozentpunkte über dem Vorjahresergebnis.

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