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06.06.2011

10:28 Uhr

Ehec-Ausbreitung

Grüne zerreißen Krisenmanagement der Regierung

Die Ehec-Epidemie hält Deutschland in Atem - und die Politik streitet über Verantwortlichkeiten: Dabei ist die Faktenlage dünn. Die Grünen beeindruckt das wenig. Sie nehmen die Regierung unter Beschuss.

Ehec-Erreger mit Nährboden Quelle: dapd

Ehec-Erreger mit Nährboden

BerlinAngesichts der Ehec-Infektionswelle wächst die Kritik am Krisenmanagement der schwarz-gelben Bundesregierung. „Ich frage mich, was der Gesundheitsminister und die Verbraucherministerin eigentlich machen“, sagte die grüne Bundestags-Fraktionschefin Renate Künast der „Berliner Zeitung“. Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn erhob ebenfalls schwere Vorwürfe: „Die Regierung hat diese Krise vollkommen unterschätzt und sich weggeduckt. Von den verantwortlichen Ministern war lange nichts zu hören“, sagte sie der „Passauer Neuen Presse“.

Der Vorsitzende der schleswig-holsteinischen SPD, Ralf Stegner, stellte sich gegen die Kritik der Grünen. Auch wenn die Informationspolitik der Regierung gegenüber Verbrauchern zum Teil „sehr widersprüchlich“, gewesen sei. „Für vorschnelle Bewertungen fehlt die Faktenbasis“, sagte das SPD-Präsidiumsmitglied Handelsblatt Online. Pflegepersonal und Ärzte hätten Hervorragendes geleistet. „Ob beim politischen Management der Gesundheitsminister Verbesserungspotential besteht, muss nach sorgfältiger Faktenprüfung geklärt werden; erst einmal hatte medizinische Soforthilfe Vorrang“, so Stegner.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) und Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) wollen sich diese Woche mit den zuständigen Länderministern beraten. Das am Mittwoch geplante Spitzentreffen bezeichnete Künast als „reine Show“. Stattdessen brauche Deutschland einen nationalen Kontrollplan mit einer Checkliste möglicher Übertragungswege vom Bauern über die Verarbeitung bis zum Restaurant. Künast kritisierte, bislang würden weder die Suche nach den Infektionsquellen noch die Forschung bundesweit koordiniert.

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Es wäre am Anfang viel aussichtsreicher gewesen, den Erreger schnell zu finden, sagte Höhn. „Diese Möglichkeit hat man verschenkt. Jetzt wird es ungleich schwerer.“ Sie forderte eine bessere Koordinierung der Lebensmittelkontrollen. „Das hätten im Fall von Ehec der Bundesgesundheitsminister oder die Bundesverbraucherschutzministerin übernehmen müssen. Jeder hat die Verantwortung auf den anderen abgeschoben. Das hat die Probleme noch vergrößert.“

Der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige stellvertretende Unions-Fraktionschef Johannes Singhammer (CSU) brachte ein Prüfsiegel für Gemüse ins Gespräch, um weitere wirtschaftliche Verluste bei deutschen Erzeugern durch die Ehec-Krise zu unterbinden. „Allerdings müsste die Wissenschaft dafür grünes Licht geben“, sagte er der „Saarbrücker Zeitung“ (Montag). Es gehe ja nicht nur um die Erzeugung der Produkte. „Eine Verseuchung könnte auch über den Vertriebsweg erfolgen. Auch darüber wissen wir leider noch zu wenig“, so der CSU-Politiker.

Fragen und Antworten zu Ehec

Was ist Ehec eigentlich?

Ehec bezeichnet einen Darmkeim, der normalerweise bei Tieren vorkommt. Er ist eine Sonderform der wichtigen Kolibakterien, die im Darm Nährstoffe spalten und für die Abwehr von Krankheitserregern
sorgen. Das Enterohämorrhagische Escherichia Coli-Bakterium (Ehec) setzt jedoch beim Menschen gefährliche Giftstoffe frei, die lebensbedrohliche Krankheiten auslösen können.

Welche Symptome bringt eine Ehec-Erkrankung mit sich?

Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und
Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich.

Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle?

Seit dem 10. Juni geht das Robert-Koch-Institut (RKI) mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Sprossen die Ursache für den aktuellen Ausbruch sind. Die Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Tomaten und Blattsalaten wurde aufgehoben. Sprossen gelten als generell anfällig für Keime.  Bohnen-Sprossen seien definitiv als Ursache für die Ehec-Erkrankungen festgestellt worden, so das RKI.

Wie kann ich mich vor Ehec-Erkrankungen schützen?

Gegen den Ehec-Keim gibt es keine Impfung, der beste Schutz ist Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem Robert Koch Institut zufolge das Risiko einer Ehec-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Vor dem Verzehr von Sprossen wird gewarnt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zudem, Rohmilch vor dem Verzehr abzukochen und pasteurisierte und ultrahocherhitzte Milch als sicher anzusehen. Die Behörde mahnt besondere Hygiene im Umgang mit Fleisch an: Die Hände sollen vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und abgetrocknet werden. Rohes Fleisch soll getrennt von anderen Lebensmitteln gelagert und zubereitet werden, beim Grillen etwa empfiehlt das BfR verschiedene Bretter, Teller und Zangen zu verwenden. Auch diese Gegenstände sollen sofort nach dem Gebrauch gründlich gereinigt und abgetrocknet werden. Zudem rät das Institut Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60 °C waschen. Wer sich entscheidet, rohes Gemüse oder Obst zu verzehren, soll es schälen oder zumindest gründlich waschen, so die Behörde.

In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das?

HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein.

Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin?

Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen Ehec-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. Der aktuell grassierende Erreger ist gegen Antibiotika allerdings ohnehin resistent.

Wie tauschen die Länder Informationen aus?

Wenn riskante Lebensmittel in Europa im Umlauf sind, tauschen die EU-Länder über ein Schnellwarnsystem wichtige Informationen aus. Das gilt auch jetzt - bei den gefährlichen Ehec-Keimen. Über das europäische Schnellwarnsystem für Nahrungs- und Futtermittel RASFF hat Deutschland die übrigen 26 EU-Länder vor den möglichen Ursachen der Infektionen offiziell gewarnt.

Bestehen unmittelbare Risiken für die menschliche Gesundheit, können nationale Behörden RASFF-Warnungen europaweit zum Anlass nehmen, um die Öffentlichkeit zu informieren, Rückrufaktionen zu starten oder Importe an den Grenzen abzufangen. Betroffene Produkte werden meist vom Markt genommen. In Deutschland laufen die Hinweise beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein. Darin steht, um welche Produkte es geht, woher sie kommen und welche Maßnahmen im betroffenen Land ergriffen worden sind.

RASFF gibt es seit 1979. Nicht nur die EU-Staaten tauschen darüber Informationen aus. Auch Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz machen mit. Darüber hinaus können Drittstaaten über eine Online-Plattform die Meldungen abrufen. 2009 gab es rund 8000 RASFF Meldungen, so viele wie nie zuvor. Bei 557 davon handelte es sich um ernstzunehmende Warnungen über Gefahrenprodukte, die schon auf dem Markt waren.

Von dem an diesem Mittwoch anberaumten Ehec-Krisengipfel erhofft sich Singhammer zwei konkrete Ergebnisse: Zum einen müsse sich die Runde darauf verständigen, „alle Kapazitäten in Bund und Ländern auf die Erforschung des Bakteriums zu konzentrieren“; zum anderen müssten „Wege gefunden werden, um deutschen Gemüse-Erzeugern wieder einen Absatzmarkt zu eröffnen“.

Die SPD-Forderung nach einem zentralen Krisenstab im Gesundheitsministerium hält Singhammer für unbegründet. Sowohl Gesundheitsminister als auch Verbraucherschutzministerin arbeiteten eng mit allen zuständigen Behörden in Bund und Ländern zusammen. „Mehr Koordinierung geht nicht.“

Von

dpa

Kommentare (3)

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zephyroz

06.06.2011, 11:07 Uhr

Nichts Neues bei den Grünen. Anstatt sich über die Beteiligungen an vielen Landesregierungen konstruktiv zu beteiligen und mit dafür zu sorgen, daß nicht jeden tag einen neue Sau durchs Dorf getrieben wird, meckert man nur - wie immer.
Richtig ist aber, daß die Poltik UND die Medien heute direkt und vollständig in Hektik, Panik und Hysterie verfallen, ohne a) Ahnung vom Thema zu haben und b) alle Fakten gesichert und zuverlässig präsent sind.

Account gelöscht!

06.06.2011, 11:58 Uhr

Das Krisenmanagement bei BSE war auch nicht besser. Der damalige zuständige Minister musste sogar den Stuhl räumen.

Account gelöscht!

06.06.2011, 13:14 Uhr

Diese Biomüllpartei kann nur meckern, Vorschläge sind tabu, sonst könnte man sich ja darauf beziehen. Wie beim Öffentlichen Dienst, na ja da kommen die meisten Grünen ja auch her.

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