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07.06.2011

14:49 Uhr

Ehec-Kostenexplosion

Experten fordern Krankenhaus-Hilfsfonds

Exklusiv Die zahlreichen Erkrankungen mit dem Darmbakterium Ehec drohen die Krankenhäuser finanziell zu überfordern. Am Ende könnte der Steuerzahler die Zeche zahlen, sollte die Politik nicht handeln, warnen Experten.

ingang zur Isolierstation des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel. Quelle: dpa

ingang zur Isolierstation des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel.

Düsseldorf

Der Berliner Gesundheitsökonom Klaus-Dirk Henke hat wegen der zahlreichen Erkrankungen mit dem Darmbakterium Ehec vor einer finanziellen Überforderung der Kliniken gewarnt und Konsequenzen gefordert. "In Fällen wie der Ehec-Epidemie müsste es eine Art Feuerwehrfonds geben, der die erheblichen zusätzlichen Ausgaben auffängt", sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliche Finanzen und Gesundheitsökonomie an der Technischen Universität Berlin Handelsblatt Online.

Der Hilfsfonds könne beispielsweise gemeinsam von den privaten oder gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden. "Andernfalls wären Mittel aus dem Bundeshaushalt und den Haushalten der Länder bereitzustellen", sagte Henke. "Auch Rückversicherungen könnten für diesen Zweck von den Krankenkassen für die Zukunft abgeschlossen werden", fügte der Ökonom hinzu.

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft schlägt Alarm. "Ich appelliere an die Politik angesichts der Ehec-Epidemie, die geplanten finanziellen Kürzungen für die Krankenhäuser zurückzunehmen", sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum der Düsseldorfer "Rheinischen Post".

Fragen und Antworten zu Ehec

Was ist Ehec eigentlich?

Ehec bezeichnet einen Darmkeim, der normalerweise bei Tieren vorkommt. Er ist eine Sonderform der wichtigen Kolibakterien, die im Darm Nährstoffe spalten und für die Abwehr von Krankheitserregern
sorgen. Das Enterohämorrhagische Escherichia Coli-Bakterium (Ehec) setzt jedoch beim Menschen gefährliche Giftstoffe frei, die lebensbedrohliche Krankheiten auslösen können.

Welche Symptome bringt eine Ehec-Erkrankung mit sich?

Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und
Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich.

Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle?

Seit dem 10. Juni geht das Robert-Koch-Institut (RKI) mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Sprossen die Ursache für den aktuellen Ausbruch sind. Die Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Tomaten und Blattsalaten wurde aufgehoben. Sprossen gelten als generell anfällig für Keime.  Bohnen-Sprossen seien definitiv als Ursache für die Ehec-Erkrankungen festgestellt worden, so das RKI.

Wie kann ich mich vor Ehec-Erkrankungen schützen?

Gegen den Ehec-Keim gibt es keine Impfung, der beste Schutz ist Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem Robert Koch Institut zufolge das Risiko einer Ehec-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Vor dem Verzehr von Sprossen wird gewarnt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zudem, Rohmilch vor dem Verzehr abzukochen und pasteurisierte und ultrahocherhitzte Milch als sicher anzusehen. Die Behörde mahnt besondere Hygiene im Umgang mit Fleisch an: Die Hände sollen vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und abgetrocknet werden. Rohes Fleisch soll getrennt von anderen Lebensmitteln gelagert und zubereitet werden, beim Grillen etwa empfiehlt das BfR verschiedene Bretter, Teller und Zangen zu verwenden. Auch diese Gegenstände sollen sofort nach dem Gebrauch gründlich gereinigt und abgetrocknet werden. Zudem rät das Institut Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60 °C waschen. Wer sich entscheidet, rohes Gemüse oder Obst zu verzehren, soll es schälen oder zumindest gründlich waschen, so die Behörde.

In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das?

HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein.

Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin?

Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen Ehec-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. Der aktuell grassierende Erreger ist gegen Antibiotika allerdings ohnehin resistent.

Wie tauschen die Länder Informationen aus?

Wenn riskante Lebensmittel in Europa im Umlauf sind, tauschen die EU-Länder über ein Schnellwarnsystem wichtige Informationen aus. Das gilt auch jetzt - bei den gefährlichen Ehec-Keimen. Über das europäische Schnellwarnsystem für Nahrungs- und Futtermittel RASFF hat Deutschland die übrigen 26 EU-Länder vor den möglichen Ursachen der Infektionen offiziell gewarnt.

Bestehen unmittelbare Risiken für die menschliche Gesundheit, können nationale Behörden RASFF-Warnungen europaweit zum Anlass nehmen, um die Öffentlichkeit zu informieren, Rückrufaktionen zu starten oder Importe an den Grenzen abzufangen. Betroffene Produkte werden meist vom Markt genommen. In Deutschland laufen die Hinweise beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein. Darin steht, um welche Produkte es geht, woher sie kommen und welche Maßnahmen im betroffenen Land ergriffen worden sind.

RASFF gibt es seit 1979. Nicht nur die EU-Staaten tauschen darüber Informationen aus. Auch Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz machen mit. Darüber hinaus können Drittstaaten über eine Online-Plattform die Meldungen abrufen. 2009 gab es rund 8000 RASFF Meldungen, so viele wie nie zuvor. Bei 557 davon handelte es sich um ernstzunehmende Warnungen über Gefahrenprodukte, die schon auf dem Markt waren.

Unterdessen geht die Suche nach der Infektionsquelle für den gefährlichen Darmkeim weiter: Bei ersten Proben aus einem Betrieb in Niedersachsen war nach Angaben des Gesundheitsministeriums kein Ehec-Erreger nachgewiesen worden. Die Ergebnisse weiterer Proben werden am Dienstagnachmittag erwartet.

Bundesweit ist die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit EHEC-Infektionen nach Angaben des Robert-Koch-Institutes seit Anfang Mai auf 22 gestiegen. Demnach starben 15 Menschen im Zusammenhang mit dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS). Sieben weitere Todesopfer waren mit EHEC infiziert. Die meisten Toten gibt es den Angaben zufolge in Niedersachsen (6) gefolgt von Schleswig-Holstein (5) und Nordrhein-Westfalen (4). Die Zahl der übermittelten Fälle sei seit Anfang Mai auf über 1.600 gestiegen. An dem gefährlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) seien inzwischen 630 Personen erkrankt.

Baum sagte, die Epidemie zeige, wie wichtig es sei, in den Krankenhäusern Kapazitäten an Betten und Personal vorzuhalten, um solche schwierigen Situationen zu meistern. Derzeit könne die Lage nur bewältigt werden, weil die Kliniken untereinander Personal austauschten. "Die Kliniken machen heute alles, was für die Versorgung der Erkrankten notwendig ist - ohne Rücksicht darauf, ob sie ihre Leistungen am Ende von den Krankenkassen auch vergütet bekommen", sagte Baum.

Kommentare (2)

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07.06.2011, 15:25 Uhr

Ich bin dafür, dass alle sogenannten Experten zum Teufel gejagt gehören, denn sie sind die Verursacher vieler Probleme in unserem Land.
Basta.
Danke

Account gelöscht!

07.06.2011, 18:27 Uhr

Als erstes müssen erst einmal die sogenannten und vielen selbst ernannten Experten in dieen Fond einzahlen und dann noch unsre Politiker, die unfähig sind, eine Krise zu meistern und jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf jagen.
Bei den Bezügen die diese ganzen Herrschaften haben, dürften 2.000 € im Monat angemessen sein
Bin mal gespannt, was für einen Verursacher für Ehec wir morgen ahben.
Vielleicht der Blumenkohl oder das Radieschen?

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