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10.01.2017

10:31 Uhr

Ehemaliger Bundespräsident

Roman Herzog ist tot

Altbundespräsident Roman Herzog ist tot. Er starb im Alter von 82 Jahren. Herzog war von 1994 bis 1999 Bundespräsident. Unermüdlich forderte er die Bürger zu Reformen auf. Seine „Ruck-Rede“ machte ihn berühmt.

Roman Herzog wurde 82 Jahre alt. Dieses Foto von ihm wurde im März 2015 auf der Götzenburg in Jagsthausen aufgenommen. DPA

Roman Herzog

Roman Herzog wurde 82 Jahre alt. Dieses Foto von ihm wurde im März 2015 auf der Götzenburg in Jagsthausen aufgenommen.

BerlinDer frühere Bundespräsident Roman Herzog ist tot. Er starb im Alter von 82 Jahren, bestätigte das Bundespräsidialamt am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Herzog stand von 1994 bis 1999 an der Spitze der Bundesrepublik. Zuvor war der Jurist und CDU-Politiker Präsident des Bundesverfassungsgerichts.

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte seinen Amtsvorgänger am Vormittag als „markante Persönlichkeit“ mit „vorwärtsstrebendem Mut“. Herzog habe „das Selbstverständnis Deutschlands und das Miteinander in unserer Gesellschaft geprägt und gestaltet“, betonte er in einem Kondolenzschreiben an Herzogs Witwe, Alexandra Freifrau von Berlichingen.

Roman Herzog – Stationen seines Lebens

In Landshut geboren

Roman Herzog wurde am 5. April 1934 in Landshut geboren. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaft und promovierte zum Dr. jur.

Eigener Lehrstuhl

Er lehrte zunächst in München, ab 1965 auf einem eigenen Lehrstuhl an der Freien Universität in Berlin und ab 1969 in Speyer.

Weg in die Politik

1970 trat Herzog der CDU bei. Er leitete die rheinland-pfälzische Landesvertretung in Bonn, trat 1978 als Kultusminister in die Stuttgarter Landesregierung ein. 1980 übernahm er das Amt des Innenministers.

Am Verfassungsgericht

1983 ging er als Vizepräsident ans Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe und übernahm 1987 das Amt des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts.

Bundespräsidentenwahl

1994 wurde Roman Herzog zum Bundespräsidenten gewählt, wobei er sich im dritten Wahlgang gegen Johannes Rau durchsetze.

Berliner Rede

Berühmt machte ihn das Wort vom „Ruck“, der durch Deutschland gehen müsse. In einer Rede im Hotel Adlon hatte er 1997 mit diesem Begriff mehr Reformbereitschaft und Änderungswillen angeregt und dadurch eine Diskussion geprägt, die noch viele Jahre andauern sollte.

Als Präsident a.D.

Nach dem Ende seiner Amtszeit blieb Roman Herzog wissenschaftlich und publizistisch tätig. Im Jahr 2000 leitete er den Konvent zur Erarbeitung der EU-Grundrechte-Charta und legte die Empfehlungen der Herzog-Kommission für die zukünftige Parteienfinanzierung vor.

Herzog privat

Roman Herzog ist evangelisch. 1959 heiratete er die Hauswirtschaftslehrerin Christiane Krauß, die am 19. Juni 2000 verstarb. Sie widmete sich an der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose erkrankten Menschen und gründete die nach ihr benannte Christiane-Herzog-Stiftung. Das Ehepaar hatte zwei Söhne. Roman Herzog heiratete ein zweites Mal: Alexandra Freifrau von Berlichingen.

Quelle: Bundespräsident.de

Herzog hatte in seiner Amtszeit unermüdlich vor Reformmüdigkeit in Deutschland gewarnt. Er machte es sich zur Aufgabe, gegen Blockaden in Politik und Gesellschaft anzugehen. Besonders in Erinnerung blieb seine Rede von 1997 mit dem zentralen Satz: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen.“

Herzog setzte sich auch kritisch mit den Bürgern und Politikern auseinander. „Das Volk bewegt sich nicht“, sagte er im Frühjahr 2008 der „Bild“-Zeitung. Es gebe eine gewisse Bereitschaft zu Reformen, „aber es bräuchte politische Führung, echtes Charisma, um sie zu mobilisieren“.

Roman Herzog ist tot: Die Berliner Rede im Wort

Roman Herzog ist tot

Die Berliner Rede im Wort

Am 26. April 1997 hielt der damalige Bundespräsident Roman herzog im Berliner Hotel Adlon eine Grundsatzrede. Die Ansprache gehört zum politischen Vermächtnis des Nachwende-Deutschlands. Die Rede im Wortlaut.

Seine politische Karriere in hohen Ämtern begann das CDU-Mitglied als Bildungs- und als Innenminister in Baden-Württemberg. Nach seinem Verzicht auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident saß er in verschiedenen Kommissionen, darunter der „Konvent für Deutschland“, ein Expertengremium, das sich unter anderem mit den Themen Föderalismusreform und Finanzverfassung beschäftigte.

Herzog lebte zuletzt auf der Götzenburg in Jagsthausen bei Heilbronn, wo seine zweite Frau zuhause ist. Christiane Herzog, die sich nicht nur während der Amtszeit ihres Mannes im sozialen Bereich engagierte, war im Juni 2000 gestorben.

Gauck schrieb, Herzog habe „Reformbereitschaft angemahnt“ und zugleich „für die Bewahrung des Bewährten“ gestanden. Er habe „viel zur Verständigung zwischen Bürgern und Politik“ beigetragen und sich so „Respekt und große Sympathie bei ungezählten Menschen“ erworben.

Der am 5. April 1934 in Landshut geborene Sohn eines Archivars hatte zunächst eine juristische Karriere eingeschlagen und sich bereits mit 30 Jahren habilitiert. Ein Jahr später wurde er Professor an der Freien Universität Berlin. 1970 trat er in die CDU ein. 1983 wurde Herzog zum Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts berufen und vertrat dort eine eher liberale Linie. 1987 rückte er an die Spitze des obersten Gerichts auf.

Reaktionen zum Tod von Roman Herzog

Gauck würdigt „markante Persönlichkeit“

Reaktionen zum Tod von Roman Herzog: Gauck würdigt „markante Persönlichkeit“

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Kommentare (13)

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10.01.2017, 10:41 Uhr

Roman Herzog und seine Ruck-Rede....und diesen Ruck hat sich die AfD zu Herzen genommen und hat sich ein Parteiprogramm der Reformen (politischen Erneuerung Deutschland) gegeben. Die alten Strukturkrusten aufbrechen und die anderen Parteien vor sich herjagend. Obwohl sich Herzog gegen die AfD ausgesprochen hat ist die AfD genau die Partei des Ruck und der Reformen für die Deutsche Politik, Gesellschaft und Medienlandschaft.
AfD...eben die einzigste Alternative zu der Alternativlosen Einheitspolitik der Reformverweigerer im Deutschen Bundestag.

Herr Julian Defourny

10.01.2017, 11:12 Uhr

Wie pietätlos.
Da macht sich ein Anhänger der AFD gleich den Tod des ehemaligen Bundespräsidenten zu eigen. Der Ruck den sich ein Roman Herzog gewünscht hat, ist mit Sicherheit nicht der Ruck, den die AFD vollzieht.
Tote können sich nicht wehren...

Herr Julian Defourny

10.01.2017, 11:12 Uhr

Wie pietätlos.
Da macht sich ein Anhänger der AFD gleich den Tod des ehemaligen Bundespräsidenten zu eigen. Der Ruck den sich ein Roman Herzog gewünscht hat, ist mit Sicherheit nicht der Ruck, den die AFD vollzieht.
Tote können sich nicht wehren...

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