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23.08.2012

14:05 Uhr

Ein Buch ruft zum Sturz auf

„Merkel arbeitet am Zerfall der Demokratie“

Armes Deutschland, würde das alles so stimmen: Der Staat als Geisel einer Machtfanatikerin, die Demokratie nur noch hohle Fassade. So ungefähr sieht es Gertrud Höhler in ihrem heute erscheinenden Buch „Die Patin“.

Die ehemalige Kohl-Beraterin Gertrud Höhler geht mit Angela Merkel hart ins Gericht. dapd

Die ehemalige Kohl-Beraterin Gertrud Höhler geht mit Angela Merkel hart ins Gericht.

Düsseldorf/Zürich/BerlinEs hat das Potenzial zu einem neuen Skandal-Buch: "Die Patin" aus der Feder der Publizistin und Politikberaterin Getrud Höhler. Das am Donnerstag im Züricher Orell Füssli Verlag erschienene Buch kann als Aufruf zum Sturz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verstanden werden. Nach Verlagsangaben sind für die Erstauflage 35.000 Exemplare geplant, eine zweite Auflage ist bereits im Gespräch. Das CDU-Mitglied Höhler galt einst als Wegbegleiterin des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl und war Beraterin des Deutsche-Bank-Chefs Alfred Herrhausen.

Höhler sagte am Donnerstag in Berlin, Merkel trage mit ihrem "System M" Mitschuld an einer Entdemokratisierung der Gesellschaft in Deutschland. In dem Buch heißt es dazu: "Wer Normen und Werte einer demokratischen Gesellschaft zur Manövriermasse macht wie Angela Merkel, der arbeitet am Zerfall der Demokratie." Deshalb habe sie sich zu einem "Weckruf" mit diesem Buch entschieden, fügte Höhler hinzu.

Streckenweise liest sich das Buch vergnüglich wie eine Politsatire, wenngleich es bestimmt nicht als solche gemeint ist. Teils übt Höhler fundiert Sachkritik - etwa an der hektischen Art des Atomausstiegs nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima. Oft aber wirkt „Die Patin“ wie eine Kampfschrift, ein Aufruf zum M-Sturz.

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Vor allem an der Macht sei M. interessiert. Und zwar in ganz Europa. Damit steht Höhler nicht allein. „Die Germanisierung Europas macht rasche Fortschritte“, schrieb schon im Herbst 2011 Felix E. Müller, der Chefredakteur der „Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag“, den Höhler zitiert: Merkel wolle ein Europa unter deutscher Führung. „Deshalb arbeitet sie auf die politische Union hin, die ihr den Durchgriff auf die inneren Verhältnisse der EU-Mitgliedsländer vor allem in Süd- und Osteuropa ermöglichen soll.“

Es mag mit Höhlers Wertschätzung für die oft kritische Sicht Schweizer Kommentatoren auf die Merkel-Politik zu tun haben, dass sie „Die Patin“ dem Zürcher Verlag Orell Füssli anvertraute. Aber sie zielt natürlich auf die Merkel-Debatten in Deutschland. „Das System M etabliert eine leise Variante autoritärer Machtentfaltung, die Deutschland so noch nicht kannte“, meint die 1941 in Wuppertal geborene Literaturwissenschaftlerin und Beraterin für Wirtschaft und Politik, die zu Kohls Zeiten auch mal als Ministerin im Gespräch war.

Selbst den Vergleich mit Nationalsozialismus und Kommunismus hält sie für angebracht: „Die Diktaturen des zwanzigsten Jahrhunderts boten andere Erfahrungen, was den politischen Stil angeht - obwohl die Anklänge nicht zu leugnen sind: die Marginalisierung der Parteien, der Themenmix aus enteigneten Kernbotschaften anderer Lager in der Hand der Regentin; ihre Nonchalance im Umgang mit dem Parlament, mit Verfassungsgarantien, Rechtsnormen und ethischen Standards.“

Kommentare (135)

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WaZ

23.08.2012, 14:28 Uhr

Die Alt-Parteien oder besser gesagt Euro-Blockparteien cducsufdpspdgrüne gehören ihrer Macht beraubt. Denn sie handeln nur noch zu unserem Schaden und Nachteil. Daher bei Wahlen nur noch unabhängige Kandidaten wählen und Freie Wähler, damit unser Wählerwille wieder Respekt findet.
Die Merkel muss weg!

matterhorn

23.08.2012, 14:29 Uhr

ENDLICH einmal ein wirklich fundierter, objektiver Bericht eines kaufenswerten Buches, das alle unguten Gefühle der letzten Jahre objektiv nennt, klar das aufziehende Schreckgespenst für Europa aufzeichnet. Das ganz im Gegensatz zu etwa ARD, wo die Dame stark überblendet nur mit Prostimmen etwa von Wirtschaftsverbänden dargestellt wird. Bravo HB! Essentiell und erstklassig: "Wer Normen und Werte einer demokratischen Gesellschaft zur Manövriermasse macht wie Angela Merkel, der arbeitet am Zerfall der Demokratie." Deshalb habe sie sich zu einem "Weckruf" mit diesem Buch entschieden, fügte Höhler hinzu. - Dem und weiterem ist wenig ja nichts hinzuzufügen [...]!

+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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Falk

23.08.2012, 14:31 Uhr

Liest sich ja fast so als sei Frau Höhler die in den Kommentarspalten des HB wohlbekannte margrit 12345.
Da kann man nur "Zickenkrieg" sagen und sich wundern...

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