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07.07.2014

11:27 Uhr

Ein Jahr nach Entlassung

Streit um Gutachter im Mollath-Verfahren

Der Fall des gegen seinen Willen in der Psychiatrie untergebrachten Gustl Mollath sorgte für einen Justiz-Skandal. Nun beginnt das Wiederaufnahmeverfahren. Als erstes will er den Gerichtspsychiater aus dem Saal schicken.

Wegen angeblicher Wahnvorstellungen stuften die Gutachter Gustl Mollath als gemeingefährlich ein. Reuters

Wegen angeblicher Wahnvorstellungen stuften die Gutachter Gustl Mollath als gemeingefährlich ein.

RegensburgFast ein Jahr nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie hat am Montag das Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath begonnen. Der Fall des sieben Jahre gegen seinen Willen in der Psychiatrie untergebrachten Nürnbergers sorgte für einen Justiz-Skandal in Bayern. Zum Prozessauftakt vor dem Regensburger Landgericht wurde Mollaths Abneigung gegen Psychiater deutlich. Sein Antrag, den psychologischen Sachverständigen aus dem Gerichtssaal zu weisen, scheiterte aber.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung. Im ersten Verfahren hatte das Landgericht Nürnberg-Fürth 2006 festgestellt, dass Mollath seine inzwischen von ihm geschiedene Frau 2001 körperlich misshandelt und Autoreifen zerstochen hatte.

Weil die Gutachter den Nürnberger jedoch wegen seiner angeblichen Wahnvorstellungen als gemeingefährlich einstuften, sprach das Gericht Mollath wegen Schuldunfähigkeit frei und wies ihn stattdessen in die Psychiatrie ein. Erst im vergangenen August kam er frei.

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Der 57 Jahre alte Mollath meldete sich am Montag zu Prozessbeginn zu Wort: „Von mir gibt es kein Einverständnis zu den Sachverständigen“, sagte Mollath. Er verlangte, dass bei seiner Vernehmung Professor Norbert Nedopil als Gutachter den Gerichtssaal verlässt. Er wolle sich frank und frei verteidigen: „Das kann ich aber nicht, wenn Herr Nedopil als Damoklesschwert über mir schwebt.“ Er bekomme Beklemmungen und Angstzustände.

Nedopil selbst habe in zahlreichen Interviews die Fehlerhaftigkeit der psychologischen Gutachten betont, sagte Strate. Diese liege bei bis zu 60 Prozent und vor allem zulasten des Untergebrachten. „Da kann man auch eine Münze werfen - das ist schneller und günstiger“, sagte Mollath. „Mein Mandant hat seit zehn Jahren mit Psychiatern zu tun und wurde einmal unter Zwang begutachtet“, sagte sein Verteidiger Gerhard Strate. Das Ergebnis sei die siebenjährige Unterbringung in der Psychiatrie.

Die Staatsanwaltschaft sprach von einem Dilemma. Die Strafprozessordnung sehe die Anwesenheit des Gutachters vor. „Das Gericht muss sich mit der Frage der Schuldfähigkeit und der Gefährlichkeit des Angeklagten befassen“, sagte der Staatsanwalt. Dem folgte auch das Landgericht und wies den Antrag der Verteidigung zurück: Nedopil blieb im Gerichtssaal.

Mollaths Ex-Frau, die als Nebenklägerin am Prozess beteiligt ist, erschien nicht. Das Landgericht Regensburg hat für den Prozess 17 Verhandlungstage angesetzt und 44 Zeugen geladen. Darunter sind auch Richter, Staatsanwälte und Gutachter aus vorherigen Prozessen und Ermittlungsverfahren.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Gerhard Kraus

07.07.2014, 12:58 Uhr

Ich denke der Psychologe ist wichtig.
Wird doch Zeit, dass einmal jemand die Richter beobachtet.

Ich hatte die immer so die Meinung, die gehören nach ihren Urteils....Sprüchen zum Psychiater.

Herr Manfred Zimmer

07.07.2014, 13:58 Uhr

Wirklich weitschauend, was da das Justizministerium angeordnet hat.

Bei der Wichtigkeit der Aufgabe des Richters sollten diese ohnehin laufend einer Überwachung unterliegen. Das was die mit Herrn Mollath gemacht haben, hat es wahrscheinlich nicht einmal unter den Nazis gegeben.

Bedauerlich ist nur, dass wieder einmal Mollath reagieren musste und die Richter in Schutz nahm.

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