Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.01.2012

20:50 Uhr

Einigung mit der Branche

Röttgen will Solarförderung monatlich kürzen

Bundesumweltminister Röttgen hat sich mit der Solarindustrie geeinigt: Die Solar-Förderung wird dieses Jahr zwar weiter um maximal 24 Prozent gekürzt, allerdings sollen die Sätze nun monatlich angepasst werden.

Der Bundesumweltminister Norbert Röttgen will die Fördersätze an die Solarindustrie monatlich anpassen: „Damit wird die Berechenbarkeit der Entwicklung besser.“ dpa

Der Bundesumweltminister Norbert Röttgen will die Fördersätze an die Solarindustrie monatlich anpassen: „Damit wird die Berechenbarkeit der Entwicklung besser.“

BerlinDie Solarbranche muss sich auf weitere Einschnitte und Förderkappungen in kürzeren Abständen einstellen. Gemeinsam mit der Branche sei man sich einig, dass künftig die Fördersätze monatlich angepasst würden, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen am Donnerstagabend nach einem Gespräch mit der Solarindustrie in Berlin. „Damit wird die Berechenbarkeit der Entwicklung besser.“ Derzeit wird die Förderung halbjährlich überprüft.

Auf das Gesamtjahr gesehen gehe man zwar zunächst wie bisher von Kürzungen von maximal 24 Prozent aus. Röttgen kündigte aber an, es werde demnächst weitere Gespräche geben. Die Politik könne sich noch für Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in anderen Punkten entscheiden. Das EEG solle zügig geändert werden, sagte der CDU-Politiker, ohne sich auf einen genauen Zeitpunkt festzulegen.

Die Debatte über die Solarförderung war nach einem unerwarteten Boom bei neu installierten Anlagen zum Jahresende 2011 neu aufgeflammt. Im Dezember allein wurden 3000 Megawatt neu gebaut, soviel wie die Regierung als Ziel für ein Jahr ausgegeben hatte. Der Boom war auch durch einen Preisverfall bei Modulen ausgelöst worden, da besonders chinesischen Produzenten verstärkt auf dem Markt sind. Über 70 Prozent der Anlagen stammen bereits aus Asien.

„Das ist eindeutig zuviel“, sagte Röttgen zu den Zubauraten. Dies sei weder von den Kosten noch von der Stabilität des Stromnetzes auf Dauer machbar. Als mögliche weitere Schritte bei der Reform des EEG nannte er eine stärkere Betonung auf die Speicherfähigkeit des schwankenden Stroms aus Wind oder Sonne. Zudem könne es weitere Differenzierungen zwischen den garantierten Abnahmepreisen für Strom von Dach- und von Freiflächenanlagen geben.

Forderungen nach einer drastischen Beschränkung der Solarenergie erteilte er aber eine Absage: „Wir wollen die Solarenergie, wir halten es für eine wichtige Exporttechnologie.“ Wichtig sei zudem, dass Investoren stabile Rahmenbedingungen hätten. „Die Energiewende braucht Verlässlichkeit.“

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Familyguy

19.01.2012, 21:33 Uhr

"sich mit der Solarindustrie geeinigt" ... diese extrem teure Subvention fördert doch eh nur die Solarindustrie in China! Innovationen gab es null!

H._Thieme

19.01.2012, 21:40 Uhr

Ab 2017 soll Photovoltaik keine Hilfen mehr brauchen? Wie soll das gehen? 1 kW installierte Leistung mag es bei unseren Sonnenverhältnissen zu einer Erzeugung von 1200 kWh/a bringen. Wert ist dieser Strom, da unzuverlässig und jederzeit ausfallbar, nur das, was dadurch an anderen Kosten vermieden wird. Und das sind weniger als die variablen Kosten eines herkömmlichen Kraftwerks, nehmen wir mal 3 cent/kWh an. Damit wäre der wirtschaftliche Wert der PV-Stromerzeugung in einem Jahr 36 €. Unterstellt man mal, dass keine Wartungs- und Reparaturarbeiten, keine Verwaltungsarbeiten (Abrechnung) anfallen, das Geld für die Investition zinslos zur Verfügung gestellt wird, dann erwirtschaftete 1 kW PV-Leistung über 20 Jahre, wenn sie denn so lange funktioniert, 720 €. Wer glaubt, dass man für 720 €/kW jemals eine PV-Anlage hergestellt, installiert und funktionsgerecht mit dem Netz verbunden bekommt, der wird selig und kommt in den Öko-Himmel.

vandale

19.01.2012, 21:42 Uhr

Ein Oekoschwindler

Die Aussage, dass Solarstrom ab 2017 ohne Subventionen auskäme ist ziemlich abwegig.

Korrekt ist, dass nach aktuellen Plänen die Kosten für moderne Stromerzeugungsverfahren steigen. Man schaltet die umweltfreundlichen Kernkraftwerke mit den niedrigsten Betriebskosten, 1,5 - 2 c/kWh ab, man verteuert Strom aus Kohle und Erdgas mittels ökologischer CO2 Zertifikate. So vermindert man den Kostenabstand zum modernen Strom. Auf der anderen Seite lassen sich Stromimporte aus der EU nicht verhindern.

Die Subvention des Solarstroms, EEG Subvention 24 c/kWh, Wert 1c/kWh (Die Solarstromerzeugung folgt den Launen des Wetters. Um diesen Strom in einem modernem Netz nutzbar zu machen bedarf es Schattenkraftwerke die teils befeuert werden) liegt aktuell bei einem 20-fachen des Wertes. Die Produktivität bei der Herstellung in China mag sich noch etwas verbessern, allerdings sind die Grenzen absehbar.

Ich nehme an, dass man die Kosten der Schattenkraftwerke, der kurzfristigen Netzstabilisierung etc. den Regelkosten zuordnet und so den Solarstrom günstiger aussehen lässt.

Insgesamt ist die Aussage des Ministers ein böser Schwindel.

Vandale

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×