Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.07.2017

10:03 Uhr

Einkaufsmanagerindex

„Firmen kommen der Nachfrage kaum hinterher“

Die Euro-Zone brummt. Im zweiten Quartal dieses Jahres ist die private Wirtschaft so stark gewachsen wie seit sechs Jahren nicht mehr. Und ein Ende ist nicht in Sicht wie die Auftragseingänge zeigen: Die Produktion läuft heiß.

Die Geschäfte in der Eurozone brummen. Haus- und Wohnungsbau tragen kräftig zum Aufschwung bei. dpa

Baustelle Hafencity Hamburg

Die Geschäfte in der Eurozone brummen. Haus- und Wohnungsbau tragen kräftig zum Aufschwung bei.

BerlinDie Geschäfte der Privatwirtschaft in der Euro-Zone sind einer Umfrage zufolge im gerade beendeten zweiten Quartal so kräftig gewachsen wie seit über sechs Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex - der Industrie und Dienstleister zusammenfasst - fiel zwar im Juni leicht um 0,5 auf 56,3 Punkte. Er hielt sich damit aber erneut deutlich über der Marke von 50 Zählern, ab der er Wachstum signalisiert. Das geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Instituts IHS Markit unter 5.000 Firmen hervor. „Unseren Berechnungen zufolge dürfte die Währungsunion im Frühjahrsquartal mit beeindruckenden 0,7 Prozent gewachsen sein“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Das leicht gefallene Barometer deute nicht auf den Beginn einer schwächeren Dynamik hin. „Vielmehr weist der Auftragseingang das zweithöchste Plus seit über sechs Jahren aus“, sagte Williamson. „Die Unternehmen kommen der anziehenden Nachfrage kaum hinterher.“ Sie stellten deshalb so viele Mitarbeiter ein wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Erfreulich sei zudem, dass der Aufschwung auf breiter Basis stehe. „In den vier wirtschaftlich bedeutendsten Ländern legte das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal zu“, sagte der Chefvolkswirt. Das lasse darauf schließen, dass der Aufschwung in der Euro-Zone angesichts der anziehenden Binnennachfrage immer nachhaltiger werde. Das deutsche Barometer sank um einen Zähler auf 56,4 Punkte.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×