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20.04.2011

12:16 Uhr

Einsatz für Ai Weiwei‎

Grüne fordern Abbruch der deutschen China-Ausstellung

Exklusiv Der Streit um die Inhaftierung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei gewinnt an Schärfe. Die Grünen fordern harte Konsequenzen. Zusätzliche Brisanz erhält der Fall, weil Ai als Professor nach Berlin berufen wurde.

Ai war am 3. April verhaftet worden und ist seitdem verschwunden. Quelle: dpa

Ai war am 3. April verhaftet worden und ist seitdem verschwunden.

Düsseldorf/BerlinDie Grünen fordern ein vorzeitiges Ende der deutschen Ausstellung "Kunst der Aufklärung" in Peking "Die Festnahme und Verschleppung des Künstlers Ai Weiwei erfordert eine eindeutige Reaktion, die die Forderung nach Freilassung unterstreicht", sagte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, Handelsblatt Online. Man dürfe nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Denn genau das wünsche sich die chinesische Staatsführung. "Der Abbruch der Ausstellung wäre ein solches mögliches Zeichen."

Die maßgeblich vom Auswärtigen Amt finanzierte zehn Millionen Euro teure Ausstellung der Staatlichen Museen von Berlin, Dresden und München war am 1. April eröffnet worden. Ai war am 3. April verhaftet worden und ist seitdem verschwunden. Die Ausstellung soll bis Ende März 2012 laufen.

Auch die Autorenvereinigung PEN fordert von der Bundesregierung mehr Einsatz für die Freilassung Ai Weiweis. „Wir müssen Forderungen stellen und fragen, wo Ai Weiwei ist und was man ihm genau vorwirft“, sagte Herbert Wiesner, Geschäftsführer des deutschen PEN-Zentrums. Ai Weiwei wolle eine Galerie in Berlin eröffnen und habe einen Ruf an die Universität der Künste in Berlin. „Da muss man den Kulturaustausch einklagen. Unsere Bundesregierung ist konkret gefragt.“ Ob der internationale Druck am Ende ausreiche, um seine Freilassung zu erreichen, sei fraglich. Aber: „Man muss es doch wenigstens versuchen“, sagte Wiesner.

Er äußerte Zweifel, ob der Kulturdialog mit China so wie bisher weitergeführt werden könne. Dies betreffe auch die Zusammenarbeit beim geplanten Chinajahr 2012. „Es würde den Chinesen wieder die Gelegenheit geben, uns über den Tisch zu ziehen“, sagte Wiesner.

„Ich weiß nicht, ob wir mit so einem Land wirklich ein gemeinsames Kulturjahr begehen und feiern können.“ Man könne nicht ein ganzes Jahr gemeinsame Kultur abfeiern, wenn damit gerechnet werden müsse, dass Künstler und Autoren aus China nicht ausreisen dürften und umgekehrt ausländischen Künstlern die Einreise verweigert werde. „Wie soll das gehen?“

Mit Blick auf die deutsche Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ in Peking und die Forderungen nach einem Abbruch sagte Wiesner: „Das Etikett Aufklärung wird in China wenig helfen. Dadurch werden die Leute nicht aufgeklärt.“

Dass der inhaftierte regimekritische Künstler Gastprofessor an der Universität der Künste (UdK) in Berlin wird, gilt inzwischen als ausgemacht. Eine entsprechende Förderung habe die öffentliche Einstein Stiftung auf Antrag der Hochschule zugesagt, teilte die Berliner Bildungsverwaltung am Mittwoch mit. Einzelheiten wollen Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), UdK-Präsident Martin Rennert und der dänische Künstler Olafur Eliasson am Mittwochnachmittag bekanntgeben. Eliasson, der am Institut für Raumexperimente der UdK Berlin tätig ist, ist ein Freund von Ai Weiwei und hatte mit ihm zusammengearbeitet.

Kommentare (1)

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Thomas-Melber-Stuttgart

20.04.2011, 12:27 Uhr

Wurde Herr Ai Weiwei nicht erst nach seiner Verhaftung als Professor berufen? Es ist dann wohl eine politische Berufung "ex post".

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